Zu Hause tritt schlagartig Ernüchterung ein. Nudeln sind genug da. Der im Vorbeigehen geschnappte Joghurt enthält zu viel Zucker und Zusatzstoffe. Die Mango wird wieder vor sich hin gammeln wie manches Obst vor ihr. Und die Chips hätt's nicht gebraucht. Leider fehlt der Salat. Muss es halt ohne gehen. Vor unüberlegten Einkäufen und den Animationen (Ständer, Aufsteller, süße Kleinigkeiten im Kassenbereich) ist keiner gefeit, das weiß auch die Lebensmittel- und Ernährungsexpertin Gabriele Semmler. Sie kennt neben der eigenen Befindlichkeit die Kaufanreize - man könnte auch von Tricks sprechen - bestens. Immerhin bietet ein mittelgroßer Markt etwa 40 000 Lebensmittel feil. Diese müssen an den Mann oder die Frau gebracht werden.
Auf Einladung der Hanns-Seidel-Stiftung rief sie bei einem Vortrag in Schwandorf einige Regeln ins Bewusstsein, um den Lockungen von Werbepsychologen und Verpackungsdesignern ein Schnippchen zu schlagen. Gerade auch Spontankäufe tragen dazu bei, dass im Schnitt in Bayern pro Person jährlich 43 Kilo vermeidbarer Lebensmittelabfall anfallen. Diese Zahl nennt Semmler, um auf einen anderen wunden Punkt zu sprechen zu kommen: das Mindesthaltbarkeitsdatum. Dieses würde häufig falsch verstanden und führe zur Verschwendung. "Darüber hinausgehen kann und sollte man." Der gesunde Menschenverstand und "sehen, riechen, schmecken" seien probate Wege, um festzustellen, ob ein Produkt noch in Ordnung sei. Anders verhalte es sich natürlich beim Verbrauchsdatum für Fisch beispielsweise.
Überlegen, was gekocht werden soll, die Mengen kalkulieren und für einen kleinen Einkauf einen kleinen Korb verwenden, schon ist vieles richtig gemacht. Nimmt sich der Kunde noch Zeit, lässt sich nicht von toller Musik und guten Gerüchen betören, ist er auf der sicheren Seite. "Wenn Sie etwas Neues kaufen, tun Sie das", heißt ein Ratschlag der für die Verbraucherzentrale in Nürnberg tätigen Fachfrau. Er bezieht sich auf das Zutatenverzeichnis und die Nährwertdeklaration.
Steht auf einer Packung natürliches Vanillearoma oder -extrakt ist es echt. Heißt es Aroma oder mit Vanillegeschmack ist es chemisch nachgebaut. "Schädlich ist das alles nicht." Zwischen Eis und Eiscreme besteht ein Unterschied - nicht nur beim Preis. Eiscreme enthält Sahne, ist das hochwertigere Produkt. Allein dieses Beispiel macht deutlich, ein Blick auf die Zutaten ist nicht vergeudet.
Wer vorm Regal noch die Nährwertangaben überprüft, wird sich manchmal verwundert die Augen reiben. Der als "leicht" in Szene gesetzte Emmentaler enthält genauso viel Fett wie der "normale". "Bei Light-Produkten wird gern mit Fett absolut getrickst," sagt Semmler, "während bei vielen anderen Käseprodukten Fett in der Trockenmasse angegeben wird. In der Nährwertdeklaration auf der Rückseite stehen immer absolute Zahlen." Und diese offenbart schonungslos, dass im 250 Milliliter Becher Café Latte für den Heimweg umgerechnet neun Würfelzucker stecken.
Gabriele Semmler von der Verbraucherzentrale Nürnberg gibt Tipps, um sich gegen Kaufrausch und Lockangeboten zu immunisieren. Sie rät aber auch zu gesundheitsbewusstem Einkauf (wenig Fett und Zucker). Zu Felde zieht die Ernährungsexpertin außerdem gegen Lebensmittelverschwendung. Im Folgenden einige ihrer Ratschläge:
Schreiben Sie einen Einkaufszettel, damit Sie nur das mitnehmen, was Sie brauchen.
Alle alten Lebensmittel gehören im Kühlschrank nach vorne.
Je kürzer die Zutatenliste, desto unverarbeiteter ist das Lebensmittel.
Man muss sich keinen Fruchtjoghurt kaufen, den kann man selber machen.
Immer auf das Fett absolut achten.
Alles, was in der Zutatenliste auf „ose“ endet, ist Zucker oder ein Zuckerstoff.
Erdbeeren im Winter sind ökologisch gesehen unmöglich.
Lassen sie sich nicht von Sonderangeboten und Großpackungen verleiten.
Das falsch verstandene Mindestaltbarkeitsdatum führt zum Wegwerfen.
Der Verbraucher hat die Macht und könnte den Markt lenken. Wir müssen uns dann daran gewöhnen, dass die Regale um 19 Uhr nicht mehr voll sind.














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