26.10.2020 - 19:17 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Kinderpornos auf Computer: Bewährungsstrafe für Pädagogen

Der Mann ist Pädagoge und seit weit über einem Jahr vom Dienst suspendiert. Am Amtsgericht in Schwandorf weist er strikt von sich, jemals Interesse an Kinderpornografie gehabt zu haben. Doch die Beweislage spricht gegen ihn.

von Autor HWOProfil

Die Mitteilung kam von amerikanischen Behörden. Sie meldeten an das deutsche Bundeskriminalamt (BKA), dass es da einen PC-Besitzer gebe, der kinderpornografische Dateien von einem Portal namens „Tumbler“ heruntergeladen habe. Daraufhin schaltete sich die in Nordbayern für sogenannte Cybercrime-Delikte zuständige Generalstaatsanwaltschaft Bamberg ein.

Im April letzten Jahres erschienen Fahnder der Kripo Amberg und ein Bamberger Staatsanwalt im Haus eines damals 56 Jahre alten Pädagogen. Sie hatten einen Durchsuchungsbefehl dabei, filzten alle Räume der Wohnung im Kreis Schwandorf und nahmen zwei Geräte mit: Den PC und das Smartphone des Mannes. Darauf wurden später über 900 teils noch existierende und teilweise auch schon gelöschte Dateien gefunden. Sie hatten zumeist kinderpornografische Inhalte und zeigten, wie es nun in einer ganztägigen Verhandlung vor dem Amtsrichter Peter Jung hieß, „mitunter schwere Missbrauchshandlungen“.

Nach Bekanntwerden des Ermittlungsergebnisses wurde der Lehrer vom Dienst suspendiert. Vor Richter Jung ließ der Pädagoge jetzt über seinen Verteidiger Helmut Oertel (Regensburg) erklären, er habe „niemals und zu keinem Zeitpunkt von diesen Dateien etwas gewusst.“

Daraus ergaben sich Fragen: Wer hatte außer dem heute 57 Jahre alten Mann Zugang zu dessen Computer und Handy? Und außerdem: Waren beide Geräte womöglich einem Hackerangriff zum Opfer gefallen? Richter Jung ging den Verdachtsmomenten über Stunden hinweg nach. Er vernahm zwei Sachverständige und ließ sich deren Nachforschungen eingehend schildern. Dabei wurde deutlich, dass sich etliche der Dateien schon seit Jahren auf dem PC und dem Handy befanden. Eine Expertin der Polizei hatte sich der Zusatzaufgabe unterzogen, Prüfungen hinsichtlich von Hacker-Attacken vorzunehmen. Das schloss sie aus.

Der Pädagoge blieb bis zum Schluss dabei: „Ich habe gehofft, hier in der Verhandlung eine Antwort zu bekommen. Denn ich selbst weiß bis heute nicht, wie diese Bilder auf meinen PC und auf mein Handy gekommen sind“. Der aus Bamberg angereiste Anklagevertreter verlangte ein Jahr Haft zur Bewährung und 2500 Euro Geldauflage. Verteidiger Oertel plädierte auf Freispruch und begründete seine Forderung: „Es hat Zugriffsmöglichkeiten von anderen auf die Geräte gegeben.“

Das Urteil orientierte sich weitgehend am Strafantrag des Staatsanwalts: Ein Jahr Haft, ausgesetzt auf zwei Jahre zur Bewährung. Außerdem muss der 57-Jährige 2000 Euro Geldauflage bezahlen. „Das können nur Sie gewesen sein“, sagte Richter Jung in der Urteilsbegründung. Jetzt muss der Mann, der täglich schulischen Umgang mit Kindern und Jugendlichen hatte, um seinen Job bangen. Freigestellt ist er ohnehin schon.

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