25.11.2021 - 15:23 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Klärschlammtrocknung: Schwandorfer Zweckverband nimmt drei neue Mitglieder auf

Die Klärschlammtrocknungsanlage in Schwandorf läuft noch nicht wie geplant. Dennoch nimmt der Zweckverband thermische Klärschlammverwertung, ZTKS, weitere Mitglieder auf. Geschäftsführer Thomas Knoll erläutert die wirtschaftlichen Gründe.

Die Klärschlammtrocknungsanlage in Schwandorf setzt momentan 3000 Tonnen pro Monat durch. Die geplante Kapazität ist damit noch nicht erreicht.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Rund 3000 Tonnen Material konnte die Klärschlammtrocknungsanlage (KTA) in Schwandorf zuletzt verarbeiten. Das ist zwar eine Steigerung gegenüber den Werten von Angang des Jahres, aber mit umgerechnet 36000 Tonnen pro Jahr deutlich weniger, als die geplante Kapazität von 50000 Tonnen. Das ergibt sich aus dem Bericht, den ZTKS-Vorsitzender, Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller, am Mittwoch der Verbandsversammlung vorlegte. Trotzdem nimmt der Zweckverband thermische Klärschlammverwertung Schwandorf, ZTKS, weitere Mitglieder auf. Wie passt das zusammen?

Der ZTKS geht davon aus, dass die Anlage nach den Anlaufschwierigkeiten bald ihre volle Kapazität fahren kann. Dann, so Geschäftsführer Thomas Knoll, sei es betriebswirtschaftlich sinnvoll, mehr Klärschlamm angeliefert zu bekommen, als die KTA verarbeiten kann. Denn: Der Schlamm kommt ja nicht täglich in gleicher Menge. Mit dem rechnerischen "Überangebot" soll sichergestellt werden, dass die Anlage immer in Volllast laufen kann. Was zu viel ist, könne an andere Anlagen umgeleitet werden. "Ziel ist die Anlage immer zu 100 Prozent zu fahren. Dadurch wird sich auch in Zukunft ein hoffentlich kleiner werdender Umleitungsbedarf ergeben." Langfristig werde sich das rechnen, so Knoll.

Markt entspannt sich

Aktuell entspanne sich der Entsorgungsmarkt für Klärschlamm, sagte Feller. Höhere Düngemittelpreise machen Klärschlamm auch für die Landwirtschaft wieder interessant. Außerdem seien einige Trocknungsanlagen fertiggestellt worden. Hochgetrockneter Klärschlamm, wie auch aus der KTA Schwandorf bleibt, sind begehrter Brennstoff. Er gilt als CO2-neutral biogener Brennstoff. Deshalb könne er in der Zementindustrie oder in Kohlekraftwerken ohne Zukauf von CO2-Zertifikaten eingesetzt werden.

Langfristiges Ziel ist aber, dass der getrocknete Klärschlamm in Monoverbrennungsanlagen verbrannt wird, um aus der Asche Phosphor – ein endlicher Dünger – zurück zu gewinnen. Dazu wollte sich der ZTKS zunächst an einer Anlage in Straubing beteiligen, das zerschlug sich. Laut Feller hat der ZTKS nun andere Eisen im Feuer.

Keine Beteiligung in Straubing

Schwandorf

Eine Investorengruppe will in Großheirath (bei Coburg) eine Monoverbrennungsanlage bauen, mit einer Kapazität von mindestens 40000 Tonnen. Hier verhandle der ZTKS wegen einer Beteiligung, so Feller. Auch das Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurth will laut Feller in die Branche einsteigen und auf lange Sicht ein Steinkohlekraftwerk durch eine Monoverbrennung ersetzen – die Kapazität würde bei 65000 Tonnen liegen. Angesichts der steigenden Kapazitäten rundherum dürfte es kaum Probleme geben, Absatz für den getrockneten Schlamm aus Schwandorf zu finden. In Großheirath soll laut Feller auch noch nicht hochgetrockneter, sondern lediglich maschinell entwässerter Schlamm verarbeitet werden – was letztlich ein Umleitungsweg für den ZTKS wäre, sollte mehr Rohschlamm anfallen als gerade verarbeitbar.

Weitere Interessenten

Das Interesse an einem Beitritt zum ZTKS ist nach wie vor hoch: Kommunen und Abwasser-Zweckverbände drängen in den Schwandorfer Verband. Offenbar ist hier wie auch bei der Müllentsorgung kommunale Zusammenarbeit der Weg der Wahl. Die Verbandsversammlung nahm den Markt Geisenhausen (Kreis Landshut), die Stadt Hemau und das Kommunalunternehmen der Gemeinde Sinzing (beide Kreis Regensburg) einstimmig in den ZTKS auf. "Gegenwärtig verhandelt der ZTKS mit rund einem Dutzend weiterer, potenzieller Verbandsmitglieder über eine Aufnahme", sagte Feller.

Kämmerer Markus Decker legte die Endabrechnung für das Entsorgungsentgelt vor, dass die ZTKS-Mitglieder pro Tonne angelieferten Schlamms bezahlen müssen. Das Finanzierungsmodell des ZTKS sieht vor, dass die Investitions- und laufenden Kosten der KTA über die angelieferte Menge bezahlt werden. Der Tonnenpreis wird im Voraus kalkuliert, nach Abschluss des Geschäftsjahres spitz abgerechnet. 146 Euro (netto) bezahlten die ZTKS-Mitglieder im Voraus je angelieferte Tonne im Jahr 2020. In der Endabrechnung ergaben sich 139,13 je Tonne (netto). So ergab sich ein Überschuss von knapp 305000 Euro für den ZTKS. Er wird in die allgemeine Rücklage gesteckt. Das beschloss die Versammlung einstimmig.

Für das laufende Jahr rechnet Decker mit einer Nassschlamm-Menge von 45000 Tonnen. 127,40 Euro je Tonne bezahlen die Mitglieder in diesem Jahr. Bei Umsatzerlösen von knapp 6 Millionen Euro soll nach Abzug der Kosten ein Überschuss von 108500 Euro bleiben. Das Jahr entwickle sich "wie erwartet", meine Decker. Für die Investitionen in die Klärschlammtrocknungsanlage wurden bislang knapp 16,9 Millionen Euro ausgegeben.

Die Verbandsversammlung beschloss den Haushalt 2022. Der Erfolgsplan (laufendes Geschäft) ist wie folgt veranschlagt:

  • Entgelt pro angelieferte Tonne Klärschlamm: 127,40 Euro.
  • Umsatzerlöse: 6,04 Millionen Euro bei 46000 Tonnen angelieferten Schlamms
  • Ausgaben: Betriebsstoffe 800000 Euro, für bezogene Leistungen (darunter Umleitungen in andere Anlagen): 3 Millionen Euro. Abschreibungen: 900000 Euro, Betriebliche Aufwendungen 738000 Euro, Zinsaufwand 51000 Euro, Steuern 79000 Euro.
  • Jahresüberschuss: 414000 Euro.

Der Vermögensplan für 2022 mit einem Volumen von 4,268 Millionen Euro sieht folgende Punkte vor:

  • Einnahmen: Jahresüberschuss 414000 Euro, liquide Mittel 1,4 Millionen, Abschreibungen 920000 Euro, neue Kredite: 1,5 Millionen Euro.
  • Ausgaben: Neue Investitionen 1,53 Millionen Euro; aus den Vorjahren: 1,55 Millionen Euro; Kredittilgung 1,18 Millionen Euro.

In den neuen Investitionen auf der Ausgabenseite sind Kosten für Techniker des Zweckverbands Müllkraftwerk Schwandorf (ZMS) enthalten, die über die Bauzeit der Trocknungsanlage entstanden sind. Sie wurden buchhalterisch den Investitionen zugeordnet, und werden so über die kommenden Jahre mit den Krediten abfinanziert. Andernfalls hätten die Kosten das Entsorgungsentgelt in die Höhe getrieben, erläuterte Decker auf eine Nachfrage von Nabburgs Bürgermeister Frank Zeitler hin.

Klärschlammtrocknung: Einige Probleme ausgeräumt

Schwandorf
Hintergrund:

Klärschlammtrocknung

  • Die Klärschlammtrocknungsanlage in Schwandorf hat eine Soll-Kapazität von 50000 Tonnen pro Jahr.
  • Tatsächlich wurden 2020 nur 9500 Tonnen getrocknet.
  • Knapp 35000 Tonnen mussten umgeleitet werden.
  • Grund: Anlage lief noch nicht wie geplant.
  • Aktuell liegt der Durchsatz bei 3000 Tonnen je Monat.
  • Kommendes Jahr rechnet der ZTKS mit einem Aufkommen von 46000 Tonnen. 11000 Tonnen sollen umgeleitet werden.

"Ziel ist, die Anlage immer zu 100 Prozent zu fahren. Dadurch wird sich auch in Zukunft ein hoffentlich kleiner werdender Umleitungsbedarf ergeben."

Thomas Knoll, Geschäftsführer des ZTKS

Thomas Knoll, Geschäftsführer des ZTKS

 

 

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