10.09.2021 - 15:21 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Knallerei im Raum Schwandorf: Jet-Lärm aus über 12 000 Metern Höhe

Der "Schuldige" für die Überschall-Knallerei am Donnerstag im Raum Schwandorf ist gefunden. Es war kein Jet der Luftwaffe.

Ein Eurofighter der Luftwaffe bei einem Übungsflug. Für den Überschall-Lärm in den vergangenen Tagen war aber nicht die Bundeswehr verantwortlich.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Mitten am Nachmittag schreckten am Donnerstag drei laute Kracher die Bevölkerung rund um Schwandorf auf, ließen Fensterscheiben wackeln. Gleichzeitig war das Geräusch eines Jets zu hören. Wie schon am Dienstag war ein Überschallflug die Ursache. Außer dem Militär betreibt eigentlich niemand Flugzeuge, die so schnell – also mehr als 1200 Kilometer pro Stunde – fliegen. Die Luftwaffe war's aber nicht.

Das Luftfahrtamt der Bundeswehr überwacht den militärischen Luftverkehr im Lande, und ein Sprecher verschafft Klarheit: "Die Auswertung der Radardaten vom 9. September 2021 zeigt erneut einen Überschalltestflug der Airbus Group mit einem Eurofighter." Das Amt gibt auch Auskunft über die genauen Flugwege des Jets: Um 15.16 Uhr und um 15.28 Uhr sei das "Luftfahrzeug" in Entfernungen von 5,7 und 5,3 Nautischen Meilen (das entspricht etwa 10,6 und 9,8 Kilometern) südwestlich am Zentrum von Schwandorf vorbei. "Das Luftfahrzeug befand sich dabei in Flughöhe von circa 12190 Meter über dem Meeresspiegel", teile das Luftfahrtamt der Bundeswehr mit.

Der Flug stehe deshalb auch nicht in Zusammenhang mit Aktivitäten auf den Truppenübungsplätzen in Grafenwöhr und Hohenfels, so das Luftfahrtamt. Grafenwöhr liegt Luftlinie etwa 40, der Übungsplatz Hohenfels etwa 20 Kilometer entfernt. Die Distanz nach Hohenfels schafft ein Jet mit Schallgeschwindigkeit in etwa einer Minute.

"Die Testflüge werden nach Bedarf und in der Regel kurzfristig geplant durchgeführt", so der Sprecher des Luftfahrtamts. Eine belastbare Aussage, wie oft diese Flüge stattfinden, sei daher nicht möglich. "Nach den uns vorliegenden Daten erfolgte der Einsatz unter Beachtung der flugbetrieblichen Bestimmungen", so das Amt. Test- und Übungsflüge im Überschallbereich sind laut Bundeswehr oberhalb einer Höhe von 36 000 Fuß (rund 11 000 Meter) und nur werktags zwischen 8 und 12.30 Uhr sowie von 14 bis 20 Uhr zulässig. Ausgenommen sind natürlich reale Einsätze wie die der Alarmrotte der Luftwaffe. Diese bewaffneten Abfangjäger sichern den deutschen Luftraum und steigen bei Zwischenfällen auf.

Knall versetzt Pfau in Panik

Hohenburg
Hintergrund:

Überschallknall

  • Der Überschallknall ist ein physikalisches Phänomen.
  • Schall breitet sich mit rund 340 Metern in der Sekunde, also etwa 1200 km/h, aus. Fliegt ein Flugzeug schneller, breiten sich die Schallwellen nicht mehr gleichmäßig nach allen Seiten aus.
  • Die Luft wird vor dem Flugzeug verdichtet, es schiebt Schallwellen vor sich her.
  • Durchbricht der Jet diese "Mauer", entstehen Stoßwellen. Wenn diese Wellen auf den Boden auftreffen, hören wir einen Knall, manchmal auch zwei: Das hängt von der Entfernung zum Flugzeug ab.
  • Der Knall entsteht nicht an einem Ort, das Flugzeug schleppt die Stoßwellen kegelförmig hinter sich her.
  • Ist ein Flugzeug genauso schnell wie der Schall, ist es mit Mach 1 unterwegs. Die Einheit ist nach dem österreichischen Physiker Ernst Mach benannt.
  • Der Knall von Peitschen ist ein Überschallknall.
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