23.06.2020 - 17:46 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Kreis Schwandorf: Handyverbot trotz Corona-App?

Umso mehr Menschen die Corona-Warn-App herunterladen, um so besser können Infektionsketten zurückverfolgt werden. So die Theorie. Doch wie ist das in Bereichen, in denen das Handy tabu ist? In der Schule oder hinter der Ladentheke?

Nützlich ist die Corona-Warn-App allemal. Doch nicht in allen Bereichen ist der ständige Blick auf das Handy auch praktikabel.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Die Corona-Warn-App ist da. Die Bundesregierung wirbt dafür und hofft, dass sie sich so viele Menschen wie möglich herunterladen. Schon auf den ersten Blick scheint sich die Empfehlung aber mit einigen herkömmlichen Regeln zu beißen. Stichwort Handyverbot. Was ist mit Menschen, die im Einzelhandel Kontakt mit Kunden haben, die im Werk am Fließband arbeiten oder denen, die in der Schule sitzen?

So nahe liegend diese Frage auch scheint, im Oberviechtacher Ortenburg-Gymnasium jedenfalls hat man sich darüber noch keine Gedanken gemacht, sagt Schulleiter sagt Ludwig Pfeifer. Eine Handlungsempfehlung vom Kultusministerium liegt dem Oberstudiendirektor bislang ebenfalls noch nicht vor. Grundsätzlich gelte, dass Schüler das Handy zu Hause lassen sollen oder es im Unterricht ausschalten müssen. Im Kollegenkreis werde ab und an über die App gesprochen. Dabei gehe es aber weniger um die Nutzung im Unterricht, sondern viel mehr darum, dass die Anwendung auf den Telefonen einiger Kollegen gar nicht funktioniere.

Mit der App vor der Kundennase?

Das ist nicht nur in der Schule so. Die Frage, ob die Mitarbeiter die App während der Arbeit nutzen dürfen, ist auch bei Mode Bauer noch nicht aufgekommen. Das Unternehmen hat ein Modehaus in Pfreimd und zwei in Schwarzenfeld. Eine Angestellte sagte der Redaktion gegenüber am Telefon, dass für sie bislang Handyverbot am Arbeitsplatz herrsche. Sie wolle aber die Frage in die nächste Mitarbeiterbesprechung mitnehmen.

BMW: Bluetooth und Produktion

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Amberg

Bei BMW in Wackersdorf dagegen ist die App längst Thema. "Der Vorstand hat sich klar dafür ausgesprochen, dass die Mitarbeiter sich die App aufs Handy laden und diese auch nutzen", erklärt Pressesprecher Eric Metzler auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. Soweit so gut. Nutzen können die Mitarbeiter in der Produktion das Programm allerdings nicht. Das habe rein technische Gründe. Denn hat jemand in diesen Bereichen auf seinem Dienst-Mobiltelefon die Wlan- oder Bluetooth-Verbindungen angeschaltet, dann läuft er Gefahr, den Produktionsablauf der Maschinen damit zu stören und einen Ausfall zu verursachen. "Das weiß auch jeder Mitarbeiter in der Produktion", sagt er.

Auch im Krankenhaus kein Thema

In den Asklepios-Kliniken in Schwandorf, Burglengenfeld und Oberviechtach ist die Frage nach der App-Nutzung bei der Arbeit wiederum kein Thema. "Die Mitarbeiter tragen ihre Handys in der Tasche mit sich rum. Solange jeder seine Arbeit gewissenhaft erledigt, gibt es kein Problem", sagt Bernhard Krebs, der die Presseanfragen der Kliniken bearbeitet. Einzige Voraussetzung sei, dass sich die Mitarbeiter an die ohnehin hohen Hygienestandarts hielten.

Zwar gibt es im Kreis Schwandorf seit 19 Tagen keinen neu bestätigten Infektionsfall mit dem Coronavirus mehr . Krebs weist aber berechtigter Weise darauf hin, dass die App ohnehin sinnfrei wäre, wenn sie Mitarbeiter auf einer Covid-Station nutzten. Denn dass sie es dort mit Infizierten zu tun haben, ist logisch.

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