07.04.2020 - 18:38 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Das Kreuz mit dem Kreuz

"Viele Wähler verschenken Stimmen oder wählen ungültig". Das ist die Quintessenz, die Hans Prechtl, Pressesprecher des Landratamtes, aus einer Analyse der Kommunalwahlen zieht

Der Kreistagsstimmzettel hatte schon enorme Ausmaße. Hans Prechtl analysiert, wer bei den Kommunalwahlen mehr Fehler gemacht hat: Urnen- oder Briefwähler. Sein Ergebnis ist salomonisch.
von Externer BeitragProfil

Die Kommunalwahlen samt Stichwahlen sind gelaufen, die Ergebnisse ausgezählt und festgestellt und nach Freude und Enttäuschung kehrt wieder Normalität ein. Oder auch nicht, denn in Zeiten von Corona kann nicht von "Normalität" gesprochen werden. Dabei gab es deutliche Zusammenhänge zwischen Kommunalwahl und Corona: Die Stichwahlen wurden ausschließlich als Briefwahl durchgeführt.

Viele Briefwähler begründen ihre Entscheidung, Briefwahl machen zu wollen, mit dem Wunsch, die Stimmzettel in aller Ruhe zu Hause ausfüllen zu können. Das gilt in besonderer Weise für die Kreistagswahl.

"Ein Stimmzettel mit 92 mal 64 Zentimetern, der elf Wahlvorschläge mit insgesamt 520 Namen enthält, ist gewiss eine Herausforderung", zeigt Pressesprecher Hans Prechtl Verständnis für die Zunahme der Briefwahl, "und die Zeiten, wo nur derjenige Briefwahl macht, der krank oder am Wahltag verhindert ist, sind längst vorbei". Im Landkreis Schwandorf gab es 120 453 Wahlberechtigte, von denen 76 408 gewählt haben. Die Wahlbeteiligung liegt bei 63,4 Prozent. Wenn von 76 408 Wählern jeder die maximale Stimmenzahl von 60 für den Kreistag vergeben hätte, wären das 4 584 480 Stimmen. Gültig vergeben wurden aber nur 3 777 740 Stimmen. "Das heißt, dass im Durchschnitt jeder Wähler nur 49,4 Stimmen gültig vergeben hat", berechnet Prechtl. Im Durchschnitt hat also jeder Wähler fast elf Stimmen nicht abgegeben.

Von den 76 408 Wählern haben 24 129 am Wahlsonntag im Wahllokal gewählt und 52 279 per Brief. Der Anteil der Briefwähler lag damit bei 43,4 Prozent der Wahlberechtigten, aber sogar bei 68,4 Prozent der Wähler. "Von denen, die gewählt haben, haben mehr als zwei Drittel Briefwahl gemacht", bringt es Prechtl auf den Punkt.

Doch wählen Briefwähler auch "besser", also weniger oft ungültig? Prechtl wirft einen Blick hinter die Zahlen: "Bei der Urnenwahl hatten wir insgesamt 24 129 Stimmzettel, davon waren 1 082 ungültig". Das sind 4,5 Prozent. Bei der Briefwahl waren es insgesamt 52 279 Stimmzettel, davon 1 809 ungültige. Das sind 3,5 Prozent. Insgesamt gab es also 2 891 ungültige Stimmzettel zur Kreistagswahl. "Auch bei der Briefwahl waren auffällig viele Stimmzettel dabei, bei denen mehr als 60 Stimmen vergeben waren", so Prechtl.

Auf den ersten Blick habe man bei der Briefwahl nur eine Ungültigkeitsquote von 3,5 Prozent und damit ein Prozent weniger als bei der Urnenwahl. "Wenn man zu den 3,5 Prozent aber noch diejenigen hinzurechnet, die nicht ungültig, sondern verspätet gewählt haben, dann ist die Abweichung noch kleiner", weist das Landratsamt auf den Umstand hin, dass Wahlbriefe, die erst am Montag oder Dienstag nach dem Wahltag im Rathaus eingegangen sind, von der Statistik überhaupt nicht erfasst sind. Der Pressesprecher fällt ein salomonisches Urteil: "Urnenwähler und Briefwähler sind gleich gut". Die oft gehörte Meinung, dass bei der Briefwahl generell weniger Fehler als bei der Wahl im Wahllokal gemacht würden, lässt er aber nicht gelten. Denn die Zahlen sagen das nicht aus.

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