21.09.2021 - 17:30 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Im Landkreis Schwandorf war der Sommer temperaturmäßig "normal", aber viel zu nass

Eines kann man diesem Sommer nicht nachsagen: Dass er zu heiß gewesen wäre. „Darüber haben viele geklagt,“ sagt Wetterexperte Andy Neumaier. Doch dieser Sommer war temperaturmäßig so normal, wie es nur geht. Trotzdem hatte er Schwächen.

Gut 30 sehr warme Tage stehen rund 50 Tagen gegenüber, an denen es in diesem Sommer geregnet hat. Meist war das Wetter durchwachsen, was die Biergartenbesuche in den letzten drei Monaten zu eher raren Ereignissen werden ließ.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Da die wenigsten Menschen ein Wettertagebuch führen, bleibt mit dem heutigen Ende des Sommers 2021 für die meisten Menschen im Landkreis Schwandorf wohl nur ein diffuses Gefühl, dass der Sommer nicht das gegeben hat, was er hätte geben können. Doch dieser Eindruck ist zumindest in wichtigen Teilen falsch.

Jemand, der über exakte Unterlagen zum Wettergeschehen verfügt, ist Andy Neumaier. Er zieht daraus einen erstaunlichen Schluss: „Dieser Sommer war normaler als die letzten fünf Sommer.“ Zum Beispiel lag in diesem Jahr die sommerliche Durchschnittstemperatur mit 17,1 Grad im östlichen Landkreis beziehungsweise mit 18,3 Grad im Naabtal bis auf das Zehntel hinter dem Komma im langjährigen Mittel. „Das war sozusagen eine Punktlandung,“ fasst es Neumaier zusammen. Oder anders herum: In den vergangenen Jahren war es zu warm. Vor allem im Hitzesommer 2018.

Heuer zehn Hitzetage

Natürlich hätte es wärmer sein können, zumindest dem Gefühl nach. Der Experte betont allerdings, dass zehn Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad wie heuer durchaus ausreichen, damit sich alles im Durchschnitts-Level bewegt. Es müssen nicht 30 Tage sein, die über 30 Grad aufweisen, wie es 2018 der Fall war. „Das ist vielleicht die bitterste Erkenntnis,“ versichert Neumaier und muss lachen, „dass wir heuer genau das bekommen haben, was von einem Sommer in der Oberpfalz zu erwarten war“.

Hitzetage sind das eine, Sommertage das andere. Sommertage, das meint Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad. „Aber auch von denen gibt es nur eine magere Ausbeute,“ weiß Neumaier. In Oberviechtach zum Beispiel verzeichnet die Statistik 22 Sommertage. Das ist deutlich weniger als 2018, als neben den 30 Hitzetagen auch noch 53 Sommertage registriert wurden. „Wir haben uns an die hohen Temperaturen der letzten Jahre gewöhnt, so dass uns der jetzige Durchschnitt unnormal erscheint.“ Kein Wunder, dass viele „gemottert“ hätten.

Sonne versteckt sich eher

Während Temperatur und Niederschlagsmenge durch Wetterstationen in Schwandorf und Oberviechtach gemessen werden, muss sich Neumaier beim Thema Sonnenschein-Dauer auf Werte aus Amberg stützen. Und die sagen aus, dass es die Sonne nicht so gut gemeint hat wie im langjährigen Durchschnitt. „Der beträgt nämlich 670 Stunden im Sommer, aber heuer waren es nur 605 Stunden.“ Zwar empfindet der Wetterexperte diese Abweichung als „gar nicht so schlimm“, aber wenn man jetzt auch noch die Menge des gefallenen Regens hinzurechnet, „dann muss ich sagen, ich habe den Sommer auch nicht so toll gefunden“. Es war nämlich heuer viel trüber und regnerischer als gewohnt. Nur ein Vergleichswert: Der Hitzesommer 2018 bescherte 808 Sonnenstunden.

Nun also zum Regen, „der der Natur sicherlich sehr gut getan hat, auch wenn mir Förster verraten haben, dass es für den Wald noch immer nicht ausreichend war“, so Neumaier. Dieser Sommer war deutlich nasser als andere. 175 Prozent der normalen Regenmenge fiel vom Himmel. In Schwandorf hat es an 51 Tagen geregnet, in Oberviechtach an 53 Tagen. „Das heißt, im Durchschnitt hat es an jedem zweiten Tag geregnet.“

Dabei war das Wetter nicht dauerhaft schlecht, sondern durchwachsen. „Es hat aber immer wieder gegossen.“ So gab es auch keine drei Wochen am Stück richtiges Badewetter. „Und wenn ich mich abends auf die Terrasse gesetzt habe, habe ich um 21 Uhr meinen Feuertopf angezündet, um mich zu wärmen.“ Mal schauen, wie es nächstes Jahr wird.

Rekordwerte von Juni bis August

Störnstein

„Ich muss sagen, ich habe den Sommer auch nicht so toll gefunden.“

 Wetterexperte Andy Neumaier

Wetterexperte Andy Neumaier

 

 

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