26.01.2021 - 10:18 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Landwirte beklagen fehlende Anerkennung

Die Landwirtschaft steht vor großen Herausforderungen – und fühlt sich zu wenig wertgeschätzt. Darauf macht Josef Wittmann bei einer Kreisversammlung des Bayerischen Bauernverbandes aufmerksam. Die Folge: Viele Landwirte resignieren.

Beim Thema "Tierwohl" sind die Landwirte gefordert. Die Umstellung vom Anbinde- zum Laufstall verlangt von den Milchbauern hohe Investitionen.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Der Landwirt gehört zu den systemrelevanten Berufen. Er versorgt die Bevölkerung auch in Corona-Zeiten mit Lebensmitteln, kümmert sich um seine Tiere, bestellt die Felder und pflegt die Kulturlandschaft. „Doch Handel, Politik und Verbraucher danken ihm das nicht“, bedauerte der Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes, Josef Wittmann, bei einer Online-Kreisversammlung. Resignation mache sich breit.

Die Teilnehmer an der Videokonferenz waren von zu Hause aus zugeschaltet. BBV-Bezirkspräsident Josef Wutz (Cham) sprach die neue Düngeverordnung an, die die Landwirte vor große Herausforderungen stelle. Vor allem jene, deren Felder in den „roten Gebieten“ mit hohem Nitratgehalt im Grundwasser lägen. „Sie müssen den Dünger reduzieren und Ertragsverluste in Kauf nehmen“, so der BBV-Funktionär. Im Landkreis Schwandorf seien hier vor allem Landstriche westlich der Naab betroffen. Der Bauernverband fordert hier eine „Binnendifferenzierung anhand geeigneter Stützmessstellen“.

Ein weiteres Thema, das die Landwirte beschäftigt, ist das Tierwohl. Die Umstellung vom Anbinde- zum Laufstall verlange von den Milchbauern hohe Investitionen, betonte BBV-Funktionär Josef Wutz. Der Markt mit ständig fallenden Erzeugerpreisen gebe das aber nicht her.

Landwirtschaft leidet unter Corona-Krise

Schwandorf

Diplom-Sozialpädagogin (FH) Regina Eichinger-Schönberger, Mitarbeiterin bei der „Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau“ (SVLFG), wies auf „die Summe der Belastungen hin, die das Krankheitsrisiko in der Landwirtschaft erhöht“. Zur steigenden Arbeitsbelastung bei sinkendem Einkommen, Bürokratie, Verbraucherkritik und Schuldenbelastung kämen häufig familiäre Probleme, vor allem wenn Angehörige plötzlich zum Pflegefall würden. „Wir helfen ihnen, aus der Notsituation herauszukommen“, verspricht Regina Eichinger-Schönberger. Der Sozialversicherungsträger versuche in persönlichen Beratungsgesprächen, den von Burnout bedrohten Landwirten die Ängste zu nehmen und sie auf dem Weg zurück zur Normalität zu begleiten.

Daniela Gehler, Referentin für ökologischen Landbau beim Bayerischen Bauernverband, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Arbeit der ökologisch wirtschaftenden Betriebe zu bündeln und den Anteil des Ökolandbaus an der gesamten Landwirtschaft zu stärken. Entscheidend sei am Ende nicht der Prozentanteil der Ökoflächen, so die Referentin, sondern „ein gesundes Wachstum, das den bayerischen Ökobetrieben die Zukunft sichert“.

Der Bauernverband hat die technischen Voraussetzungen geschaffen, um mit den Landwirten online in Kontakt zu bleiben und sie weiter mit Informationen zu versorgen. Geschäftsführer Josef Wittmann spürt das Interesse der Mitglieder, sich online auf dem Laufenden zu halten. „Die Hilfestellung aus der IT-Abteilung des BBV in München funktioniert dabei gut“, versichert der Kreisgeschäftsführer.

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