20.11.2018 - 09:39 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Lange Haft für Sexualstraftäter

Er will die sexuellen Übergriffe verharmlosen. Doch die Richter nehmen dem 63-Jährigen das nicht ab und schicken ihn für knapp sechs Jahre hinter Gitter. Das Gericht ist überzeugt, dass der Rentner seine Stief-Enkelin missbraucht hat.

Das Gericht verurteilte einen 63-jährigen Rentner als Sexualstraftäter.
von Autor HOUProfil

In Strafprozessen wie diesem wird von der Justiz darauf geachtet, dass man dem Opfer eine Vernehmung erspart. Doch als der Angeklagte am ersten Verhandlungstag seine Version der Dinge dargelegt und mitgeteilt hatte, er habe wohl immer mal wieder an den Oberkörper seiner Stief-Enkelin gegriffen und dies ("Mehr war nicht") quasi im Spaß getan, blieb keine andere Wahl: Die heute 16-Jährige musste vernommen werden (wir berichteten).

Plädoyers nicht öffentlich

Diese Anhörung geschah, wie es das Gesetz vorschreibt, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ab dann aber waren die Erkenntnisse für Beobachter lückenhaft. Gleichwohl aber lässt sich dem Urteil entnehmen, dass die Erste Strafkammer des Landgerichts Amberg dem Mädchen, zum Zeitpunkt der Vorkommnisse noch im Kindesalter, glaubte. Mit anderen Worten: Da war viel mehr als nur ein Hinlangen an den zu diesem Zeitpunkt nicht entwickelten Oberkörper.

Staatsanwältin Barbara Tutsch, bei der Ermittlungsbehörde für Sexualstraftaten zuständig, hatte zum Prozessauftakt von 70 Fällen des schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes gesprochen. Sie geschahen zunächst in einem Haus bei Schwandorf und setzten sich später, als die Mutter des Mädchens zusammen mit ihrem Mann und weiteren Kindern wegzog, in einer Regensburger Wohnung fort.

Der heute 63-Jährige war der Stief-Großvater der Schülerin, und er kam offenbar regelmäßig zu Besuch. Dann verschwand er im Zimmer seiner Stief-Enkelin und tauchte erst nach einiger Zeit wieder auf. Das hatte er in seiner Vernehmung zwar eingeräumt, heftige Sexualattacken aber, die im wahrsten Sinn des Wortes unter die Gürtellinie gingen, strikt von sich gewiesen. "Das wäre auch gar nicht gegangen. Sie saß ja meist am Computer", sagte er den Richtern.

Die zwischenzeitlich 16-Jährige verfolgte den zweitägigen Prozess als Nebenklägerin und saß dabei an der Seite ihrer Anwältin Wayumi Weinmann (Regensburg). Was von Weinmann und darüber hinaus von Staatsanwältin Tutsch sowie von Verteidiger Matthias Trepesch (Regensburg) in den Plädoyers geäußert und verlangt wurde, blieb ebenfalls verborgen. Denn wenn ein Teil des Prozesses nichtöffentlich abläuft, müssen nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) auch die Schlussvorträge unter Ausschluss von Zuhörern erfolgen.

Strafe und Schmerzensgeld

Die Erste Strafkammer unter Vorsitz von Richter Christian Frey schickte den seit März dieses Jahres in U-Haft sitzenden 63-Jährigen für fünf Jahre und neun Monate hinter Gitter. Der Stief-Großvater muss seinem Opfer ein Schmerzensgeld bezahlen und bleibt nun weiter im Gefängnis.

Artikel zum ersten Verhandlungstag

Schwandorf
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.