04.08.2019 - 15:26 Uhr
SchwandorfOberpfalz

"Leberkäsjunkie" gewinnt Regen-Duell

Eigentlich will sich der Münchner Gerhard Wittmann mit Tochter Fiona einen gemütlichen Kinoabend machen. Doch pünktlich zum Hauptakt kommt der Regen. Heiter ist es trotzdem. Dank dem Leberkäsjunkie.

Die Open-Air-Kinobesucher sind mit Regenschirmen, Capes und wasserdichten Jacken für den heftigen Regenguss gerüstet und lassen sich ihren „Leberkäsjunkie“ nicht vermiesen.
von Irma Held Kontakt Profil

Gerhard Wittmann, besser bekannt als Leopold Eberhofer, als Dieter-Reiter-Double vom Nockherberg oder aus der "ING Diba"-Werbung mit Dirk Nowitzki, ist natürlich weder inkognito noch rein privat in die Kreisstadt gereist, sondern wegen des neuesten Eberhofers. Die Filme nach den gleichnamigen Romanen von Rita Falk sind längst Kult. Die Fans warten sehnsüchtig auf den nächsten Streifen, der jüngste heißt "Leberkäsjunkie". Die Komödie ist erst seit vergangenem Donnerstag in den Kinos. Das Lichtwerk-Kino, das die Filmnächte an der Naab zusammen mit der Stadt veranstaltet, meldet für die drei "Leberkäsjunkie"-Vorstellungen bereits seit längerem ausverkauft.

Mit Leopold Eberhofer und Hund Ludwig gibt sich ein Teil der Filmfamilie aus Niederkaltenkirchen den Schwandorfer Fans am Samstag die Ehre. Bereits um 19 Uhr stehen die Ersten vor der Naabecker-Lounge auf dem Stadtpark, die Schlange der Wartenden wird ständig länger. Die Autogramm- und Fotografierstunde beginnt um 20 Uhr. Einige haben sich den Rita-Falk-Roman unter den Arm geklemmt. Sie wollen sich das Buch signieren lassen. Das macht Gerhard Wittmann genauso bereitwillig wie er einer Mutter einen Wunsch erfüllt. Sie brauche unbedingt ein Autogramm für ihren Sohn, der könne nicht kommen, weil er sich verletzt habe. Für Leopold Eberhofer alias Gerhard Wittmann - er ist der korrekte und pflichtbewusste Gegenentwurf zu Franz Eberhofer - ist es Ehrensache, dem jungen Fan auch noch eine persönliche Widmung auf die Autogrammkarte zu schreiben.

Ludwig, der Eberhofer-Hund, lässt sich von dem Trubel nicht aus der Ruhe bringen. Joker, wie er im richtigen Hundeleben heißt, macht ein allzeit fotogenes Gesicht, wobei er folgsam auf seine Besitzerin und Trainerin Sandra Folgner hört. Der Ludwig ist gelinde gesagt eine Rampensau. Während Leopold Eberhofer und Ludwig - ungebührliches Verhalten fällt schlichtweg auf die ganze Familie zurück - ein schönes Gesicht aufsetzen und in unzählige Smartphone Kameras lächeln beziehungsweise treuherzig schauen, beobachtet die 16-jährige Fiona das Wetter außerhalb der Lounge mit Sorge. Sie begleitet ihren Vater öfters auch zu Premieren und möchte sich, wenn sie das Abitur hat, ebenfalls in Richtung Schauspiel, Theater oder Film orientieren.

Wie drei Tage zuvor auf dem Volksfestplatz bei Alvaro Soler beginnt es dann pünktlich um 21 Uhr kurz und heftig zu regnen. Kinobetreiber Frederik Hohrath macht allen Besuchern das Angebot, sich den "Leberkäsjunkie" in den nächsten Tagen im Lichtwerk-Kino anzuschauen. Die Karten würden ihre Gültigkeit behalte. Die meisten bleiben aber und bereuen keine Sekunde. Wer an diesem Abend keine Karten für die Filmnächte an der Naab bekommen hat, brauchte nicht auf die Eberhofers verzichten. Die ARD servierte fast zeitgleich "Schweinskopf al dente".

Für Gerhard Wittmann, den Filmbruder von Sebastian Bezzel, fühlt sich ein Dreh wie ein Familientreffen an.
Die Fans stellten sich lange an für ein Fotoshooting mit Leopold Eberhofer (Gerhard Wittmann, vorne) und Filmhund Ludwig. Autogramme gab es obendrein.
Zur Person:

Gerhard Wittmann

Gerhard Wittmann sitzt mit seiner Tochter im Zelt und unterhält sich, unverkrampft, unaufgeregt, entspannt. Der 1964 in Aindling (Landkreis Aichach-Friedberg) geborene und in München lebende Gerhard Wittmann spielt von Beginn der Verfilmungen an den Leopold Eberhofer, Franz’ braven Bruder. Emotional fühlt sich der Schauspieler am stärksten dem ersten Eberhofer-Streifen verbunden, dem „Dampfnudelblues“. „Da hängen ganz viele Erinnerungen dran“, sagt er im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. „Das ist wie mit der ersten Liebe, die man trifft, da passiert was.“ Und die Dreharbeiten „fühlen sich inzwischen wie ein Familientreffen an. Man freut sich, dass man die Kollegen wieder trifft.“

Gerhard Wittmann war jahrelang Theaterschauspieler, auch immer wieder bei den Luisenburg-Festspielen in Wunsiedel engagiert. „Das Theater ist momentan ein bisschen hinten angestellt, weil dadurch andere Projekte blockiert werden.“ Außerdem auf dem Nockherberg. Im Singspiel mimt er den Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter. „Der Nockherberg fühlt sich an wie ein Theaterengagement“. Vier Wochen werde geprobt. Gefragt nach einer Lieblingsrolle denkt er nach : „Irgendwas von Thomas Bernhard oder den Dorfrichter Adam“. (Der zerbrochene Krug von Kleist, Anmerkung der Redaktion). Gerhard Wittmann ist offen, will nicht auf bestimmte Typen reduziert werden. „Als ich begonnen habe, Vergewaltiger und Mörder zu spielen, war ich eine Zeit lang darauf festgelegt.“ Wenn er ein Drehbuch lese, wisse er, das möchte ich machen, Die Vorbereitung sehe dann so aus „Ich gehe mit der Figur schlafen und stehe mit der Figur auf.“

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