04.07.2019 - 08:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Mehr Mühe, viel Dankbarkeit

Eine Lehre im Handwerk bietet jungen Flüchtlingen und deren Betrieben Chancen, stellt sie aber auch vor Herausforderungen. Der neue Ausbildungsakquisiteur über seine Arbeit.

Ausbildungsakquisiteur Simon Treppmann.
von Reiner Wittmann Kontakt Profil

Junge Flüchtlinge stellen im Ausbildungsmarkt eine relevante Größe dar. Zum Stichtag 31. Dezember 2018 gab es im Oberpfälzer Handwerk 7288 Lehrlinge, davon 324 "mit vermutetem Fluchthintergrund". Sie auszubilden stellt die Betriebe oft vor Herausforderungen, doch werden diese in der Regel gemeistert. Das legt zumindest die Quote der vorzeitigen Lösung von Ausbildungsverhältnissen bei "vermutetem Fluchthintergrund" nahe. Die lag zum Jahreswechsel im gesamten Kammergebiet Niederbayern-Oberpfalz bei 18,56 Prozent. Über alle Lehrlinge gerechnet ergab sich eine Quote von 12,95 Prozent. Es gibt also Unterschiede, die allerdings sind nicht weltbewegend.

"Die Rückmeldungen, die wir aus den Betrieben bekommen, die junge Flüchtlinge ausbilden, reflektieren diese Zahlen", sagt Simon Treppmann. Treppmann arbeitet bei der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz seit Anfang April als neuer Ausbildungsakquisiteur für junge Flüchtlinge. Er berät die Betriebe und junge Menschen, vermittelt, bringt Angebot und Nachfrage zusammen. Treppmann hat seinen Schreibtisch in Schwandorf-Charlottenhof, zuständig ist er für die ganze Oberpfalz.

Erste Eindrücke: "Für die Betriebe geht die Ausbildung junger Flüchtlinge in der Regel mit mehr Arbeit und Aufwand einher. Zugleich wird hier eine bewusste Entscheidung getroffen und viele Betriebe zeigen sich dankbar dafür, dass wir ihnen einen Auszubildenden mit Fluchthintergrund vermitteln konnten."

Blick in Ausweispapiere

Im Idealfall wenden sich Betriebe direkt an Treppmann, oder auch Privatpersonen, die einen Flüchtling kennen, der in ihren Augen für eine Ausbildung im Handwerk geeignet sein könnte. "Viele Betriebe sind bereits gut informiert, andere haben einen Bewerber und fragen konkret, worauf sie bei einer Einstellung achten müssen", erzählt Treppmann. Hier zu helfen, ist sein Job. "Am wichtigsten ist im Grunde ein Blick in die Ausweispapiere des Bewerbers, die Auskunft über den Aufenthaltsstatus geben. Bewerber mit einem positiven Asylbescheid dürfen arbeiten. Wird eine Ausbildung während eines laufenden Asylverfahrens begonnen und der Asylantrag abgelehnt, kann der Ausbildungsbetrieb eine sogenannte Ausbildungsduldung beantragen, die es dem Azubi ermöglicht, seine Lehre zu beenden und daran zwei Berufsjahre anzuschließen. Dies setzt die Genehmigung der Ausländerbehörde voraus, die eine Ermessensentscheidung trifft. "Uns ist kein Fall bekannt, in dem eine laufende Ausbildung abgebrochen worden wäre."

Ein Knackpunkt sei weiterhin die Sprachkompetenz. "Je höher die im Herkunftsland erworbene Vorbildung ist, umso einfacher ist bei den meisten der Spracherwerb", gibt Treppmann eine Beobachtung wieder. Um sprachliche Barrieren zu beseitigen, müssten auch die Betriebe dran bleiben, sich informieren und ihrem Schützling beistehen. "Es gibt beispielsweise sogenannte ausbildungsbegleitende Hilfen, die Sprachunterricht beinhalten. Die müssen aber aktiv beantragt werden. Automatisch bekommt man das nicht."

Das Prinzip der dualen Berufsausbildung ist in den Herkunftsländern unbekannt. "Das hat zur Folge, dass viele Flüchtlinge auch keine Notwendigkeit sehen, eine Ausbildung zu beginnen. Sie wollen oft einfach schnell Geld verdienen", sagt Treppmann und bringt als Beispiel seinen Friseur:

"Hassan ist Syrer, schon Mitte 40, topfit. Er möchte zwar keine Lehre machen, aber gerne seinen eigenen Betrieb eröffnen. Dass man in Deutschland dafür einen Meistertitel benötigt, ist für ihn schwer zu verstehen. Er sagt: ,In Syrien schaut dein Chef darauf, ob du die Haare gut schneidest und was du kannst. Papiere sind nicht wichtig.' Da wird verkannt, was der Inhalt der Ausbildung ist. Die ist bei uns bekanntlich breit angelegt. So sollte der Friseur sicherlich auch Wissen über den Umgang mit für ihn relevante chemische Stoffe parat haben, um nur ein Beispiel herauszugreifen." Flüchtlinge über die Vorteile der dualen Berufsausbildung aufzuklären und sie entsprechend zu beraten ist für Treppmann daher eine wichtige Aufgabe.

Unterschiede verstehen

"Ein zentraler Punkt ist, kulturelle Unterschiede zu verstehen. Da kann es zwischen Ausbildungsbetrieb und Azubi schnell zu Missverständnissen kommen", weist Treppmann auf ein Problem hin, dessen Bedeutung nahe liegt. "Wir als Handwerkskammer betreuen zusammen mit der Uni Passau ein Projekt zu diesem Thema, aus dem die Broschüre ,Junge Geflüchtete im Handwerk - interkulturelle Herausforderungen in der Ausbildung erkennen und meistern' entstanden ist. Dabei geht es um ganz zentrale Fragen: Welche Religionen gibt es in den Herkunftsländern? Welche Vorbildung kann ich erwarten? Wie gehe ich mit kulturellen Unterschieden um? Welche Unterstützungsangebote gibt es? Sich damit auseinanderzusetzen, kann ich nur empfehlen."

Kontaktdaten: Simon Treppmann, simon.treppmann[at]hwkno[dot]de, Telefon 0 94 31 88 53 19.

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.