01.06.2021 - 09:11 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Meinungsaustausch zwischen Landwirten und Naturschützern

Gewöhnlich reden sie übereinander, die Bauern und die Umwelt- und Tierschützer. Der Ton ist dabei nicht immer freundlich. Bei einem gemeinsamen Spaziergang hatten sie nun die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Mitglieder des Bauernverbandes und der Natur- und Tierschutzverbände nutzten eine gemeinsame Wanderung zum Gedankenaustausch.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Den traditionellen „Tag des offenen Hofes“ organisierte der Bauernverband am Sonntag als Wanderung. Daran nahmen neben Landwirten auch Umwelt- und Tierschützer teil. Ziel war ein Meinungsaustausch, um die Sichtweise des jeweils anderen besser kennenzulernen.

Treffpunkt war der Betrieb von Martin Mayer in Freihöls, der vor sieben Jahren einen Teil seiner Hofstelle ausgesiedelt und einen Laufstall mit Melkroboter für 100 Kühe geschaffen hat. „Es läuft sehr gut“, versicherte der 25-jährige Jungbauer und erklärte den 20 Teilnehmern „seine Philosophie von einem geschlossenen System“. Der Familienbetrieb besitzt ausreichend Fläche für die Futtererzeugung und achtet darauf, dass die Tiere bis zur Schlachtung am Hof bleiben.

Von Freihöls marschierte die Gruppe hinüber nach Lindenlohe zum Hof von Peter Bäuml, der neben einer Bullenmast eine Biogasanlage betreibt, den Strom ins Netz einspeist und mit der Wärme einen Teil des Dorfes versorgt. BBV-Kreisgeschäftsführer Josef Wittmann zeigte am Beispiel des Bäuml-Hofes die Möglichkeiten der „Diversifizierung“, also der Veränderung und Erweiterung in der Landwirtschaft, auf. Der Bauer werde zum „Lebenswirt“, wenn er neben Lebensmitteln auch Energie erzeuge und zusätzlich die Kulturlandschaft pflege.

Auf dem Weg von Lindenlohe nach Asbach thematisierte der Bauernverband die Nutzung der Äcker und Wiesen. Der Raps enthält neben Öl auch eiweißhaltigen Schrot zur Fütterung. „Die Kartoffel bleibt der Klassiker für Spezialisten“, erklärt Josef Wittmann den Teilnehmern. Und die Sommergerste liefere den Rohstoff für die Brauereien. Nach dem Motto: „Aus der Region für die Region“.

Am Rande einer gemähten Wiese trat der Interessenskonflikt der Landwirte und der Tierschützer zutage. Der Vorsitzende der Kreisgruppe im Landesbund für Vogelschutz, Zeno Bäumler, macht deutlich, dass eine häufige Mahd der Wiese den Lebensraum für Vögel und Insekten zerstöre und es Blumen und Kräutern unmöglich mache, sich zu entwickeln. Das Gegenargument von BBV-Kreisobmann Josef Irlbacher: „Wenn das Gras zu lange steht, verliert es an Nährstoffen“. Der Leiter des Landwirtschaftsamtes, Georg Mayer, sucht den Kompromiss und verweist auf die Blühflächen und Blühstreifen, die über die staatlichen Agrarumweltmaßnahmen gefördert würden.

Der Kreisvorsitzende im Bund Naturschutz, Klaus Pöhler, will die wirtschaftlichen Einbußen einer extensiven Bewirtschaftung nicht den Bauern aufbürden, sondern sieht den Gesetzgeber und den Verbraucher in der Pflicht, die Mindereinnahmen auszugleichen. Seine Meinung: „Wer die Kulturlandschaft pflegt, soll dafür Geld bekommen“.

Kreisbäuerin Sabine Schindler und stellvertretender Kreisobmann Johann Hahn begrüßten „den Meinungsaustausch auf Augenhöhe“, der es ermögliche, „die Sichtweise der anderen Seite“ kennenzulernen. Letzte Station war der Fischerhof Schießl in Asbach, der nach 14-monatiger Corona-Pause die ersten Gäste empfing und ihnen geräucherte Forelle servierte. Der Bauernverband hatte zur Brotzeit eingeladen.

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