05.05.2021 - 18:08 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Zwei Jahre nach Volksbegehren: Bienen noch lange nicht gerettet

Vor zwei Jahren schlug das Volksbegehren "Rettet die Bienen" alle Unterschriften-Rekorde. Wir haben nachgefragt, wie es mit der Umsetzung läuft.

Den Artenschutz, besonders auch von Insekten wie der Biene, sollte das erfolgreiche Volksbegehren per Gesetz deutlich stärken.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Ein breites Bündnis aus Naturschutzverbänden und Parteien hat vor zwei Jahren das Volksbegehren "Artenvielfalt und Naturschönheit in Bayern" auf den Weg gebracht. Unter dem griffigen Slogan "Rettet die Bienen" wurde es zu einem riesigen Erfolg. Die bayerische Staatsregierung stand dem Gesetzesentwurf zunächst ablehnend gegenüber, legte dann aber eine Kehrtwende hin.

Dem Begehren ging es von Anfang nie "nur" um die Bienen und andere Insekten, die Forderungen waren weit breiter angelegt: Von der Förderung des ökologischen Landbaus über den Erhalt der biologischen Vielfalt in den Wäldern bis hin zum Schutz unter anderem von Alleen, Hecken, Gewässerrandstreifen. Zeigen sich Erfolge?

Weiterer Flächenfraß

"Bäume zu umarmen, genügt nicht", sagt Klaus Pöhler. "Der Flächenfraß geht unvermindert weiter", kritisiert der Vorsitzende der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe und nennt das Interkommunale Gewerbegebiet an der A 93 bei Schwandorf und das Gewerbegebiet bei Teublitz als Beispiel. Da würden hektarweise Wälder und wertvolle Flächen verbraucht. Wenn dann dafür benötigte Ausgleichsflächen in Unterfranken geschaffen werden sollen, versteht der pensionierte Förster die Welt nicht mehr.

Protest gegen Industriegebiet

Schwandorf

"Gemeinden sollten Biobauern vor Ort helfen", fordert Pöhler, etwa in der Umstellungsphase auf Öko-Landbau. Das hätte, meint der Kreisgruppenvorsitzende, oft mehr Sinn als Ausgleichsflächen, die irgendwo ausgewiesen und dann kaum gepflegt werden. Zumal die Nachfrage nach Bio-Produkten steige, und aus Deutschland bislang nicht befriedigt werden könne. Vorhandene Biotope zu verknüpfen und so zu "Trittsteinen" für Tiere und Pflanzen in der Kulturlandschaft zu machen, gehörte ebenfalls zu den Forderungen des Begehrens. "Das läuft sehr hakelig", meint Pöhler.

Pflege und Erhalt von Biotopen sei viel Arbeit. "Wer fühlt sich dafür zuständig?", fragt der pensionierte Förster. Die Kommunen und Behörden hat der BN-Vorsitzende auch bei einem anderen Thema im Auge: Immer noch würde mit dem Argument der Verkehrssicherheit an Straßenrändern radikal gestutzt und gemulcht, statt zumindest hier Blumen und Gebüsch eine Chance zu lassen.

Gegen radikalen Rückschnitt

Nabburg

Dass ein Herbizid wie Glyphosat weiter erlaubt ist, sorgt beim BN-Vorsitzenden für Kopfschütteln. "Das schadet allen Insekten", sagt Pöhler. So sei in den vergangenen Jahren auch ein erheblicher Rückgang an Ameisenvorkommen zu verzeichnen. "Im Netzwerk Natur hängt alles mit allem zusammen", betont er, ob Kleinstlebewesen im Boden, Ameisen, Bienen, andere Insekten: Die alle haben ihre Aufgabe. Da könne ein Blühstreifen neben einem gespritzten Feld sogar zur Todesfalle werden, weil die Pflanzen die Gifte aufnehmen.

"Etwas mehr Farbe"

Das Interesse an der Imkerei ist schon vor dem Volksbegehren gewachsen. Die Nachfrage nach Kursen sei ungebrochen, sagt der Vorsitzende des Imker-Kreisverbandes, Ingo Schwieder. "Wir müssen Interessenten wegen Corona auf den Sommer vertrösten." Und wie geht's den Immen? "Es hat sich leider nicht viel verbessert", so der Imker. Landwirte gäben sich zwar Mühe, beobachtet er, "und ohne Landwirtschaft geht es nicht." Er habe im vergangenen Jahr mehr Unterpflanzungen auf den Feldern ausgemacht. "Da war etwas mehr Farbe", sagt er, "aber immer noch viel zu wenig." Wenn dann im Herbst Flächen mit Facelia oder Senf blühen, helfen die den Honigbienen nicht mehr viel. Gleiches gelte für Wildbienen und Hummeln, für die die "Saison" dann schon vorbei ist. "Das ist ein bisserl Augenwischerei."

Problem bleibe die Zeit nach der Rapsblüte, wenn auf vielen Felder nichts mehr blüht und Wiesen früh und häufig gemäht werden. "Dann haben die Bienen nichts mehr, bis der Wald kommt", sagt Schwieder. "Blühende Zwischenfrüchte wären dann gut." Der Imker hat aber nicht nur seine Völker im Blick, wenn er mehr Vielfalt in der Natur fordert, sondern genauso die anderen Insekten, die Nahrungsgrundlage für Vögel und viele andere Tiere sind. Die Natur sei eben ein Netzwerk, ist er sich mit Pöhler einig, "man muss immer das Ganze sehen".

Keine Steinwüsten anlegen

Das gilt auch für einen Appell, den der Imker-Vorsitzende an die Gartler und Häuslebauer richtet. Die leider modernen Kiesflächen, die immer häufiger angelegt werden, sind schlicht lebensfeindliche Wüsten für Flora und Fauna. "Und pflegeleicht sind sie auch nicht", meint Schwieder. Nach ein paar Jahren werde auch dort das ein oder andere Kraut sprießen, und möglicherweise mit Gift niedergezwungen. Wer kann, solle ein "wildes Eck" in seinem Garten stehen lassen, wo Gräser und Blumen blühen und Samen bilden können: "Wir können alle ein bisschen was tun."

Ergebnis des Begehrens im Landkreis

Schwandorf
Hintergrund:

"Rettet die Bienen"

  • Das Volksbegehren "Artenvielfalt und Naturschönheit in Bayern" lief unter dem prägnanten Titel "Rettet die Bienen."
  • Mit 1,741 Millionen Unterschriften (18,3 Prozent) zwischen dem 31. Januar und 13. Februar 2019 war es das erfolgreichste Volksbegehren in der Geschichte des Freistaats. Das Quorum liegt bei Volksbegehren bei 10 Prozent.
  • Im Landkreis Schwandorf sprachen sich 15 010 Stimmberechtigte für das Begehren aus (13,12 Prozent).
  • In 29 von 33 Kommunen wurde das Quorum von 10 Prozent übertroffen.
  • Anfang April 2019 kündigte Ministerpräsident Markus Söder an, die Staatsregierung werde den Gesetzesentwurf übernehmen.
  • Am 17. Juli 2019 verabschiedete der Landtag das Gesetz mit breiter Mehrheit. Es trat am 1. August 2019 in Kraft.

"Bäume zu umarmen, genügt nicht."

Klaus Pöhler, BN-Kreisgruppenvorsitzender.

Klaus Pöhler, BN-Kreisgruppenvorsitzender.

"Es hat sich leider nicht viel verbessert."

Ingo Schwieder, Vorsitzender des Imker-Kreisverbands.

Ingo Schwieder, Vorsitzender des Imker-Kreisverbands.

 

 

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