20.10.2020 - 10:27 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Müll aus Atomkraftwerken: JU kommen Fakten zu kurz

Mehrere Parteien und Gruppierungen fordern den sofortigen Stopp der Verbrennung von Müll aus Atomkraftwerken in Schwandorf. Die Junge Union will auf diesen Zug nicht einfach aufspringen.

Bei einer Sitzung informierten sich die Mitglieder der Jungen Union bei ZMS-Verbandsdirektor Thomas Knoll über die Verbrennung von Müll aus Atomkraftwerken in Schwandorf.
von Externer BeitragProfil

"Im Schwandorfer Müllkraftwerk werden jährlich um die 100 Tonnen Müll aus den Kernkraftwerken Ohu und Grafenrheinfeld verbrannt", heißt es in einer Pressemitteilung des Kreisverbandes der Jungen Union (JU). Linke, Grüne, ÖDP und SPD würden einen sofortigen Stopp der Verbrennung fordern.

"In der Diskussion, ob die Verbrennung eine Gesundheitsgefahr für die Schwandorfer darstelle, kommen nach Ansicht des Kreisverbands der Jungen Union Schwandorf die Fakten zu kurz", betont die politische Jugendorganisation in der Mitteilung. Deshalb wolle man laut Kreisvorsitzendem Jonas Rester nicht einfach auf diesen Zug aufspringen.

Deshalb sei ZMS-Verbandsdirektor Thomas Knoll zur Online-Kreisausschuss-Sitzung des Verbandes eingeladen worden. Thomas Knoll habe dort die Sachlage geschildert und sich den kritischen Fragen der JU gestellt. Wichtig sei es Knoll gewesen, klarzustellen, dass im Schwandorfer Müllkraftwerk kein Atommüll verbrannt werde, da dies auch gesetzlich streng verboten sei.

Gesetzliche Vorgaben

Bei dem angelieferten AKW-Müll müsse man zwei Arten von Müll unterscheiden: Zum größten Teil handele es sich um gewöhnlichen Gewerbemüll, der wie bei jedem anderen Unternehmen auch anfalle. Bei rund 35 Tonnen der angelieferten Masse handle es sich um den sogenannten freigemessenen Abfall, bestehend aus Schutzkleidung, Putzlappen oder Isoliermaterial. Dieser könne aufgrund seiner niedrigen Strahlung unter Einhaltung gesetzlicher Vorgaben mit dem gewöhnlichen Müll verbrannt werden.

Der Vorgang bedarf laut Mitteilung der Freigabe und der regelmäßigen Messkontrolle durch die Landesanstalt für Umwelt. Die freigesetzte radioaktive Strahlung liege jährlich bei 0,01 Millisievert. Die ortsübliche terrestrische Strahlung in unserer Region sei mit 2 Millisievert bereits 200 Mal höher als das verbrannte Material.

Verbrennung auch Thema im Planungs- und Umweltausschuss

Schwandorf

Knoll führte in diesem Zusammenhang das Beispiel eines Kettenrauchers, der 20 Zigaretten pro Tag konsumiert, an. Dieser sei einer Belastung von rund 9 Millisievert ausgesetzt. Freigemessene Abfälle würden auch in Krankenhäusern anfallen. Folglich dürfe man froh sein, dass der freigemessene Abfall, der beispielsweise auch aus dem Krankenhaus Amberg angeliefert werde, gefahrlos verbrannt werden könne.

Bereits seit 2009

„Anhand dieser Zahlen sehen wir recht deutlich, dass sich die Argumente gegen die Verbrennung mehr an Emotionen als an Fakten orientieren“, betonte Rester laut JU-Mitteilung. Auf Nachfrage sei aufgefallen, dass die derzeitige Praxis nichts Neues sei: Wie die JU mitteilt, sei bereits unter SPD-Führung des Landkreises spätestens seit 2009 freigemessener Abfall in Schwandorf verbrannt worden.

Gerade derartige Themen erfordern für die JU eine hohe Sensibilität im Landkreis Schwandorf. Diese dürfe aber nicht von einigen Akteuren ausgenutzt werden, um politischen Profit zu schlagen.

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