15.10.2020 - 15:35 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Müllkraftwerk Schwandorf: "Keine versteckte Aufrüstung"

Der Zweckverband Müllverwertung Schwandorf steht vor der größten Investition seiner Geschichte: Zwei neue sollen drei alte Öfen ersetzen. Die Grünen im Kreistag befürchten eine Kapazitätserhöhung durch die Hintertür.

Die drei älteren Ofenlinien des Schwandorfer Müllkraftwerks (Bild) werden durch zwei leistungsfähigere ersetzt. Die Grünen befürchten eine Kapazitätserhöhung durch die Hintertür.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Die Grünen drängen seit Jahren immer wieder darauf, die Müllmengen, die in Schwandorf verbrannt werden, möglichst zu verringern. Als bekannt wurde, dass der Zweckverband Müllverwertung Schwandorf (ZMS) drei alte durch zwei neue, leistungsfähigere Öfen ersetzen wird, schrillten bei Kreisrat Rudi Sommer deshalb die Alarmglocken: Wächst die Kapazität, trotz einer Linie weniger?

Per Antrag an den Ausschuss für Kreisentwicklung, Umweltschutz, Touristik und Kultur (KUTA) wollte Sommer erreichen, dass das Thema im Kreistag diskutiert wird. Dort sei das Thema bislang nicht aufgeschlagen, obwohl es erhebliche finanzielle wie ökologische Auswirkungen haben könne. Sommers Parteifreundin Ulrike Pelikan-Rossmann begründete den Antrag am Montag im Gremium.

"Hat keinen Sinn"

Auch wenn bislang beteuert würde, dass sich an der täglichen, maximalen Durchsatzleistung von 1500 Tonnen nichts ändern werde: Es sei doch zumindest davon auszugehen, dass die mögliche Kapazität auch eingesetzt wird. Es habe doch betriebswirtschaftlich keinen Sinn, neue Öfen mit einer rund 20 Prozent höheren Leistungsfähigkeit zu bauen, wenn man sie dann nicht auch ausnutze. In ihren Hochrechnungen gehen die Grünen von einer möglichen Kapazität nach der Sanierung von 650000 Tonnen aus.

Besonders die letzte Zahl machte Landrat Thomas Ebeling, gleichzeitig ZMS-Vorsitzender, "beinahe sauer". Denn: Sie sei "einfach falsch". Tatsächlich wurden in den vergangenen Jahren regelmäßig unter 450000 Tonnen verbrannt. Wer die 1500 Tonnen Tagesdurchsatz mal 365 Tage rechne, so Ebeling, werde erkennen, "dass das nicht 450000 ergibt." Stimmt: Tatsächlich ergibt die Rechnung das 547000 Tonnen. Der Unterschied kommt zustande, weil das Werk nicht permanent in Volllast verfügbar sein kann, etwa wegen Revisionen.

Schon jetzt 1500 Tonnen

Mehr als die 1500 Tonnen pro Tag "gibt die Peripherie nicht her", sagte Ebeling, auch die mögliche maximale Stundenleistung der neuen Öfen sei eine theoretische. Die 1500 Tonnen mögliche Tagesleistung habe das Müllkraftwerk schon jetzt. Damit sei der Beschluss zur Sanierung keine "grundsätzliche Angelegenheit", die im Kreistag vorzubringen sei. Außerdem, erinnerte Ebeling, habe er den Bauausschuss des Kreistags im Februar auf eine Anfrage von Alfred Damm (ÖDP) hin informiert.

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"Das ist ein Riesenprojekt. Drei Ofenlinien austauschen, das kostet ein Schweinegeld", sagte Ebeling. Er verglich den "Triphönix" getauften Ersatzneubau mit einer "Operation am offenen Herzen", weil er während laufenden Betriebs erledigt werden soll. Bis 2028 soll das Projekt abgeschlossen sein. Ebeling betonte nochmal: An der Tagesmenge von 1500 Tonnen werde nichts geändert. "Das ist keine versteckte Aufrüstung", sagte der Landrat. Den Antrag der Grünen unterstützte nur Harald Bemmerl (SPD). Neun Kreisräte waren dagegen.

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