20.08.2020 - 09:08 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Mundart: Einen "Houhou" kennen viele, vertraut ist der Ausdruck wenigen

Der Dialekt zeichnet sich einerseits durch eine hemdsärmelige Derbheit aus und weist andererseits viele lautmalerische Elemente auf. Wenn beides zusammenkommt, entstehen Wörter, die in ihrer Originalität wesenstypisch sind.

„Hädschhädsch“ sagt man auch, wenn man mit einer entsprechenden Geste der zwei Zeigefinger seine Schadenfreude zum Ausdruck bringen möchte.
von Autor SLUProfil

Der Dialekt zeichnet sich durch eine hemdsärmelige Derbheit aus. Er weist aber auch viele lautmalerische Elemente auf. Wenn beides zusammenkommt, dann entstehen Wörter, die in ihrer Originalität wesenstypisch für die jeweilige Mundart sind. Gerade das Nordbairische ist damit reich „gesegnet“.

Zwei besonders markante Beispiele sind im Bereich der Personencharakterisierung angesiedelt. Es handelt sich um die Wörter „Houhou“ und „Hädschhädsch“. Beide bezeichnen sie auffällige Wesensmerkmale. Während im ersten Fall ein Mensch mit einer sehr polternden, direkten Art zum Ausdruck gebracht wird, handelt es sich im zweiten Fall um jemanden, der mit geistigen Gütern nicht gerade üppig ausgestattet ist.

In beiden Beispielen werden die beschriebenen Wesenszüge durch die Form der Wortbildung wiedergegeben und hervorgehoben. Bei „Houhou“ ist es die Nachahmung der markigen Sprechweise der betreffenden Person, unterstrichen durch die Verwendung eines der typischsten Laute des Nordbairischen, nämlich des so genannten gestürzten Diphthongs „ou“. Dieser wird übrigens grundsätzlich immer dann gerne zitiert, wenn die Oberpfälzer veräppelt werden sollen, und zwar in der Form der Imitation von Hundegebell.

Reserl und Säpperl: Hier geht es zum Artikel über Verniedlichungen im Dialekt

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Bei „Hädschhädsch“ soll durch die Wortschöpfung mit dem Umlaut „ä“ und dem weichen Konsonanten „d“ eine Anspielung auf die wenig ausgeprägt vorhandene geistige Beweglichkeit erzielt werden. In beiden Wörtern liegt eine Verdoppelung derselben Komponente („Hou“ und „Hädsch“) vor. Diese sorgt für die entsprechende Prägnanz und verstärkt den gewünschten Effekt.

In den beiden Beispielen zeigt sich, wie mit einfachen sprachlichen Mitteln ein Sachverhalt treffend auf den Punkt gebracht wird. Ob deren Sinn jedem immer klar ist, darf bezweifelt werden, denn Wörter wie „Houhou“ und „Hädschhädsch“ sind nicht mehr vielen Zeitgenossen vertraut. Sie geraten immer mehr in Vergessenheit und damit auch ein Stück sprachlicher Kulturgeschichte. O tempora, o mores! 

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