08.05.2020 - 15:57 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Muttertagsbesuch im Seniorenheim: So bereiten sich die Einrichtungen vor

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Sozusagen ein Muttertagsgeschenk: Zum Wochenende dürfen Besucher wieder in die Seniorenheime. Doch einfach wird das nicht. Verantwortliche aus dem Kreis Schwandorf sprechen über Maßnahmen, um die Bewohner vor einer Infektion zu schützen.

ARCHIV - 13.03.2020, Nordrhein-Westfalen, Heinsberg: Ein Desinfektionsmittelspender hängt im Johannes-Sondermann-Haus des AWO Altenzentrums während im Hintergrund Seniorinnen spielen. (zu dpa: «Ausblick auf den Besuchs-Sonntag im Altenheim an Muttertag») Foto: Jonas Güttler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Ab Samstag können die Menschen ihre Angehörigen in den Seniorenheimen wieder besuchen. Da das seit Dienstag erst bekannt ist, blieb für die Verantwortlichen wenig Zeit, ein Schutz- und Hygienekonzept für die Besucher und die Bewohner zu erstellen und umzusetzen. Hinzu kommt: Am Sonntag ist Muttertag. Einer der Tage im Jahr, an denen gewöhnlich die Angehörigen den Seniorenresidenzen buchstäblich die Hütte einrennen.

Während die Heimleiter im Kreis Amberg-Sulzbach teils empört sind über die kurzfristige Entscheidung des Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, die Seniorenheime zum Wochenende hin wieder zu öffnen, sehen die Verantwortlichen im Kreis Schwandorf die Lage etwas entspannter - auch wenn sie ebenfalls sagen, dass die es Zeit zur Vorbereitung auf Kante genäht war.

Erst am Mittwoch hatte Otto-Josef Langenhan das offizielle Schreiben, dass die Einrichtungen wieder öffnen dürfen, vor sich liegen. Er ist der Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) in Schwandorf und ist für die beiden Seniorenheime Arche Noah und St. Johannes sowie für das BRK-Seniorenwohn- und pflegeheim in Burglengenfeld verantwortlich.

Freude im Spannungsfeld

Langenhan zufolge liegt die Öffnung in einem "Spannungsfeld". "Natürlich besteht eine besondere Gefährdetheit älterer Menschen", sagt er mit Blick auf die Corona-Pandemie. Gleichzeitig ist er sich aber der psychologischen Folgen für die Bewohner bewusst, die ihre Liebsten lange nicht sehen.

Ähnlich beschreiben das auch Egon Gottschalk, der Chef im Schwandorfer Elisabethenheim, und Katharina Schneider, die Heimleiterin im Oberviechtacher Seniorenheim. Schneider: "Die Bewohner freuen sich auf den Besuch. Langsam merken wir immer stärker, wie sehr sie das vermissen." Alle drei sind sie sich einig, dass es an der Zeit war, das Besuchsverbot aufzuheben.

Dennoch ist es mit ein bisschen Desinfektionsmittel, Mund-und-Nasen-Masken und den obligatorischen 1,5 Metern Abstand nicht getan. "Wir mussten uns ein Hygienekonzept zurechtlegen. Wir wollen verhindern, dass die Besucher einfach so durch das Haus laufen", erklärt Langenhan. Konkret bedeutet das in Nabburg und Burglengenfeld, dass jeder Besucher zuvor per Telefon einen Termin mit den Einrichtungen vereinbaren muss, wenn er seinen Angehörigen für 30 Minuten sehen will und eine Selbstauskunft über mögliche Risikofaktoren aus seinem Umfeld geben muss.

Wir mussten und ein Hygienekonzept zurechtlegen. Wir wollen verhindern, dass die Besucher einfach so durch das Haus laufen.

Otto-Josef Langenhan, Kreisvorsitzender des BRK in Schwandorf

Otto-Josef Langenhan, Kreisvorsitzender des BRK in Schwandorf

Strenge Auflagen für Besuch

Wer dann hinein möchte, klingelt am Haupteingang, wo ein Mitarbeiter zunächst Fieber misst und den Besucher noch einmal auf die Desinfektion, die Maskenpflicht und den Mindestabstand hinweist. Geschenke für die Bewohner müssen zunächst bei den Mitarbeitern abgegeben werden. Dann führt eine Pflegekraft den Besucher bei gutem Wetter auf die Terrasse oder bei schlechtem in den Saal, wo er seinen Angehörigen treffen kann. Währenddessen kontrolliert der Mitarbeiter, ob beide den Abstand einhalten. Dabei sollen Absperrband und Klebemarkierungen am Boden helfen. Maximal zwei Personen dürfen einen Angehörigen gleichzeitig besuchen. Was die Organisation angeht, gesteht Langenhan: "Ich habe mir das schwieriger vorgestellt, als es tatsächlich war." Die Angehörigen würden sich diszipliniert daran halten, Termine auszumachen und fragten lieber einmal mehr als zu wenig nach.

Lesen Sie hier: Elisabeth L. (92) kann den Besuch ihrer Verwandten kaum erwarten

Regensburg

Unterschiedliche Umsetzung

Auch in Schwandorf bimmelt das Telefon fast ununterbrochen. Wer dort allerdings einen Verwandten besuchen will, muss seine Maske selber mitbringen. Gottschalk weist darauf hin, dass eine Alltagsmaske dabei nicht ausreicht. "Die Leute müssen eine medizinische Maske tragen. Die Gefahr geht ja nicht von den Bewohnern, sondern von den Besuchern aus", erklärt er. Gottschalk zufolge sollen die Besuche nach Möglichkeit im Freien stattfinden. Wenn das nicht geht, haben die Mitarbeiter drei Treffpunkte in der Bibliothek vorbereitet, die nach jedem Besuch desinfiziert werden.

In Oberviechtach sind Schneiders Auskunft zufolge auch Besuche am Zimmer möglich. "Wir bereiten die Zimmer so vor, dass der Abstand eingehalten werden kann", sagt sie. Nach dem Besuch desinfizieren die Mitarbeiter ebenfalls alle Flächen.

Lesen Sie hier: Den Seniorenheim-Verantwortlichen im Kreis Amberg-Sulzbach bereiten die Öffnungen große Sorgen

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