18.11.2019 - 13:58 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Nächster Klinik-Streik: Beschäftigte in Lindenlohe bleiben kämpferisch

Die Mitarbeiter der Asklepios-Klinik Lindenlohe (Kreis Schwandorf) legten am Montag erneut die Arbeit nieder. Sie fordern weiter einen Tarifvertrag.

Verdi-Bezirksgeschäftsführer Alexander Gröbner (stehend) verglich vor den Streikenden der Klinik Lindenlohe den Kampf um einen Tarifvertrag mit der "Besteigung des Mount Everest".
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Der Kampf um einen Tarifvertrag für die Beschäftigten der Orthopädischen Klinik Lindenlohe ging am Montag in die nächste Runde. Robert Hinke (Gewerkschaft Verdi) wirft Betreiber Asklepios vor, dem "Frühkapitalismus" verhaftet zu sein.

Der Landesfachbereichsleiter Gesundheit der Gewerkschaft nannte es zwar einen "scheinbaren Erfolg", dass der Klinik-Betreiber mit dem Betriebsrat über eine Betriebsvereinbarung zu verhandeln wolle. Der Betriebsrat könne aber keinen Tarifvertrag aushandeln. "Ihr bleibt dann Bittsteller", sagte Hinke zu den rund 70 Streikenden im Turmrestaurant Obermeier. Absicht des Arbeitgebers sei es, die Belegschaft zu spalten. "Ihr müsst stark bleiben," sagte Hinke. Ziel bleibe, den Standard in Bayerns Kliniken auch für Lindenlohe zu erreichen: Nämlich einen Tarifvertrag nach den Regeln für den öffentlichen Dienst.

Mit der Ankündigung der Streiks eine Wochen vorher und der Vorlage einer Notdienstvereinbarung sei für die Sicherheit der Patienten gesorgt, der Arbeitgeber könne organisatorische Maßnahmen treffen, so Hinke. Zumal in Lindenlohe nur terminierte Operationen stattfinden, und keine Notfälle behandelt werden. "Wir gefährden keinen Patienten", sagte Hinke. Stattdessen versuche der Arbeitgeber, das Streikrecht der Mitarbeiter zu unterlaufen, indem trotz Streikankündigung Operationen terminiert würden. Den Mitarbeitern riet er, im Falle von Personalmangel Gefährdungsanzeigen an den Arbeitgeber zu schreiben.

"Wir sollten weiter auf Nadelstiche setzen", sagte er. Der Druck sei für den Arbeitgeber spürbar und solle verstärkt werden. Aus der Versammlung war die Forderung nach längeren Aktionen laut geworden. Am Montag war das Personal von drei Stationen zum Ausstand aufgerufen, für 24 Stunden. Bereits am vergangenen Mittwoch hatten die Beschäftigten für einen Tag die Arbeit niedergelegt (wir berichteten). Am kommenden Mittwoch, 27. November, wollen die Mitarbeiter der Klinik Lindenlohe erneut in den Ausstand treten.

Die Oberbürgermeister-Kandidatin der SPD, Karin Frankerl, wurde von der Versammlung mit Applaus begrüßt. Sie versicherte den Streikenden die Solidarität der SPD. "Ihr habt eine Vorreiterrolle." Verdi hatte mehrere Politiker zur Kundgebung eingeladen, einige hätten aus Termingründen abgesagt, hieß es von Gewerkschaftsseite.

"Wir fordern keine Reise auf den Mond, wir wollen einen Tarifvertrag", bekräftigte Verdi-Bezirksgeschäftsführer Alexander Gröbner die Forderung der Belegschaft. Das durchzusetzen, sei ein langer Weg. "Ihr habt den ersten Schritt gemacht", sagte Gröbner. Wie bei einer Besteigung des Mount Everest seien nun weitere Schritte zu tun.

Die Orthopädische Klinik Lindenlohe wurde vor 15 Jahren von Asklepios übernommen. Seither gilt laut Gewerkschaft für die Beschäftigten kein einheitlicher Tarifvertrag mehr. Vielmehr versuche Asklepios nun, Arbeitszeit- oder Urlaubsregelungen über eine Betriebsvereinbarung zu regeln. Die aber wäre aus Sicht der Gewerkschaft rechtsunwirksam. Fachbereichsleiter Robert Hinke verwies darauf, dass mit den Asklepios-Kliniken in München-Gauting und Lindau Tarifverträge ausgehandelt wurden. Verdi sei zu konstruktiven Gesprächen bereit.

Streik am Mittwoch

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