11.09.2018 - 17:46 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Neue Heimat für geplagte Hunde

"Nesko" und "Nora" geht es wieder gut: "Wir haben sie aufgepäppelt", sagt Tierpflegerin Sophie Peters. Die Hunde waren völlig verwahrlost aus einem Schweinestall befreit worden. Zu ihrer Besitzerin werden sie wohl nicht mehr zurückkehren.

Tierpflegerin Sophie Peters mit „Nesko“: Dem weißen Hund geht es dank der Pflege im Tierheim wieder gut – ebenso wie Labrador-Mix „Nora“. Er war gerade Gassi unterwegs.
von Benjamin Tietz Kontakt Profil

Nach der Befreiung zweier völlig verwahrloster Hunde aus einem Schweinestall (wir berichteten) gibt es nun Konsequenzen für die Halterin - in Form von Bescheiden.

Einer davon ist laut Hans Prechtl, Pressesprecher des Landratsamtes Schwandorf, bereits ergangen. Darin wird angeordnet, dass die beiden weißen Hunde fortgenommen, pfleglich untergebracht und - wie es im Amtsdeutsch heißt - "veräußert" werden. Das heißt konkret, "Nesko" und "Nora" werden dem Tierheim in Schwandorf unentgeltlich überlassen. "Eine Entschädigung für die Wegnahme der Hunde wird also nicht bezahlt", konkretisiert der Pressesprecher.

Dieser Bescheid ist zwar erlassen, aber laut Prechtl noch nicht bestandskräftig, da noch eine einmonatige Klagefrist zum Verwaltungsgericht Regensburg läuft. Die Besitzerin könnte also noch gegen diese Verfügung vorgehen. So lange in dieser Frage keine endgültige richterliche Entscheidung gefallen ist und die Hunde in das Eigentum des Tierheims übergehen, muss die vormalige Halterin allerdings dem Heim die Futterkosten erstatten.

Tierhalteverbot im Raum

Das ist aber nicht alles: Wie Landratsamts-Sprecher Prechtl weiter mitteilt, läuft zu einem zweiten Bescheid vor dem Erlass noch das Anhörungsverfahren. Dabei geht es darum, ob die Frau überhaupt noch Tiere besitzen darf: Es ist beabsichtigt, ein umfassendes Tierhalteverbot zu verfügen. Wie Pressesprecher Prechtl mitteilt, hat sich die Frau zwischenzeitlich einen Rechtsanwalt genommen, der sie in dieser Frage vertritt.

Ein generelles Tierhalteverbot würde bedeuten, dass die Frau nicht nur die beiden Hunde, sondern auch einen dritten Vierbeiner abgeben müsste. Dieser war nicht im Schweinestall eingesperrt, sondern lebte im Wohnhaus und war in einem deutlich besseren Zustand.

Außerdem würde das Verbot auch Pferde betreffen, die die Frau in einem benachbarten Landkreis hält. Diese sind laut Prechtl zwar nicht krank, aber ebenfalls in einem ungepflegten Zustand. "Uns ist bewusst, dass wir hier ein scharfes Schwert ziehen, aber wir halten das im konkreten Fall für notwendig", unterstreicht der Landratsamts-Sprecher die Notwendigkeit der Maßnahme.

"Uns geht es im Kern darum, dass künftige tierschutzrechtliche Verstöße durch geeignete und auch angemessene Maßnahmen verhütet werden. Jeder, der ein Tier hält oder betreut, muss dieses angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen", betont Prechtl.

Aus "Verlies" befreit

Die beiden Hunde waren Anfang August aus einem kleinen Schweinestall im nordöstlichen Landkreis befreit worden. "Man könnte es auch als Verlies bezeichnen", schilderte Prechtl gegenüber Oberpfalz-Medien damals den Ort, in dem die Hunde eingesperrt waren. Mitarbeiter des Veterinäramtes waren einem Hinweis nachgegangen und hatten die völlig verwahrlosten Tiere eingesperrt vorgefunden.

Ein dritter Hund befand sich im Wohnhaus und war in einem deutlich besseren Zustand als seine beiden Artgenossen. "Nesko" und "Nora" kamen ins Schwandorfer Tierheim, wo sie aufgepäppelt wurden und nun darauf warten, ein neues Zuhause zu finden - wenn der erste Bescheid bestandskräftig wird.

Hintergrund:

Sollte das Tierhalteverbot gegen die Hunde- und Pferdehalterin rechtskräftig werden, ist der Frau bis auf weiteres jegliche Form von Tierhaltung untersagt. Dazu müssen Veterinärmediziner zur Überzeugung gelangen, dass die Tiere nicht artgerecht gehalten werden. "In diesem Fall waren das ganz elementare Sachen", schildert Landratsamts-Sprecher Hans Prechtl.

Die Frau könnte das Haltungsverbot aber noch umgehen, indem sie ihre Hunde und Pferde freiwillig abgibt. Dann, so informiert Prechtl, werde kein Verbot ausgesprochen, weil sie ja überhaupt keine Tiere mehr hat.

Rechtlich gesehen wäre das ein großer Unterschied. Denn wenn sie die Tiere von sich aus abgibt, dürfte sie sich wieder welche kaufen. Anders wäre der Fall bei einem Verbot. Dieses gilt laut Pressesprecher Prechtl zunächst unbefristet.

Dennoch gibt es auch in diesem Fall eine Möglichkeit, in der Zukunft wieder Tiere zu halten: Die Frau müsste einen entsprechenden Antrag stellen, dann könne man das im Einzelfall prüfen, legt Prechtl dar. Fest steht aber natürlich, dass sich die Bedingungen bis dahin maßgeblich geändert haben müssen. "Die beste Lösung wäre eine freiwillige Abgabe der Tiere - aber ob das erreicht wird, muss die nähere Zukunft erweisen", betont der Behördensprecher.

Für die Tierhalterin könnte es außerdem noch weitere rechtliche Folgen geben: Wie Prechtl sagt, würden nun zunächst die rechtlichen Anordnungen für die Tiere und die Zukunft getroffen. Wenn das abgeschlossen ist, geht es in einem weiteren Verfahren um die Vergangenheit und die Ahndung des Verhaltens der Halterin gegenüber ihren Tieren.

Zur Vorgeschichte

Schwandorf
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp