07.09.2018 - 16:03 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Der Oberpfälzer bellt, der Brite jedoch nicht

„A Bou mou dou, wos ã Bou dou mou.“ Der nordbairische Zungenbrecher ist für Hochsprache-Sprecher auch schwer zu verstehen. Er ist charakteristisch für diesen Dialekt.

Ob dieser Dackel auf Nordbairisch bellen kann, ist nicht erwiesen, denn er stammt aus Niederbayern.
von Autor SLUProfil

„A Bou mou dou, wos ã Bou dou mou.“ (Ein Bub muss tun, was ein Bub tun muss.) Diesen Satz zu verstehen, würde einem Zeitgenossen, der des Nordbairischen nicht mächtig ist, sicherlich nicht leicht fallen, und er würde ihm auch nicht leicht von den Lippen gehen. Dabei handelt es sich nämlich um eines der prägenden Merkmale dieses Dialekts, nämlich den so genannten gestürzten Diphthong „ou“. Zusammen mit einem weiteren Zwielaut, nämlich „aou“, wie etwa in „Daoud“ (Tod) oder „Naoud“ (Not), hat er dazu geführt, dass sich das Nordbairische gewissen Vorurteilen ausgesetzt sieht. So etwa jenem, die Sprache der Oberpfälzer erinnere an Bellen.

Gar nicht lustig fand dies der Amberger SPD-Landtagsabgeordnete Reinhold Strobl im Jahr 2007, als sich die Zeitschrift „Bunte“ in einem Text über den Hollywood-Schauspieler Nicolas Cage und sein Schloss Neidstein in Etzelwang in derartigen Witzeleien gefiel. Strobl lud daraufhin deren Redakteure in die Oberpfalz ein, um ihnen in Sachen Heimatkunde und Mundart Entwicklungshilfe zu leisten. Der damalige JU-Bezirksvorsitzende Alexander Fischer sprach sogar von einer verachtenswerten Geringschätzung der Dialekte unserer Heimat, die einen elementaren Bestandteil der Oberpfälzer Kultur und Tradition darstellten.

Diese Reaktionen sind durchaus verständlich, aber sie klingen nach Rechtfertigung, und dazu geben weder unser Regierungsbezirk noch sein Idiom Anlass. Vielmehr diskreditieren sich diejenigen, die solche Aussagen über das „Oberpfälzische“, besser gesagt das Nordbairische, tätigen, selbst, denn sie offenbaren eine gravierende Unkenntnis der Sachlage. In diesem Zusammenhang sei die Frage erlaubt, wie das britische „ou“, etwa im Wort „to go“, in ihren Ohren klingt.

Der Dialekt allgemein ist eine Sprachvarietät des Deutschen mit vielfältigen unterschiedlichen Ausprägungen. Diese verfügen über ein in sich geschlossenes Sprachsystem mit eigenen Gesetzmäßigkeiten. Die sich daraus für jede Mundart ergebenden spezifischen Charakteristika sind historisch bedingt und über Jahrhunderte überliefert. Gerade diese Vielfalt und Verschiedenheit sind es, die den Reiz des Dialekts bzw. der Dialekte ausmachen.

Es würde nicht verwundern, wenn ein Sprecher des Nordbairischen, der sich den oben genannten Klischees ausgesetzt sieht, sein Gegenüber als „Houhou“ bezeichnen würde, und zwar im intellektuellen Sinne. Dieser mag dann rätseln, was damit gemeint sein könnte, und sich weiterhin am Klang des ihm fremden Lauts ergötzen, dieses Mal jedoch mit dem Unterschied, dass er sich unbewusst über sich selbst lustig macht. Positiv ist ein „Houhou“ nämlich ganz und gar nicht. Vielleicht hilft ihm dann der folgende Satz aus der nördlichen Oberpfalz, um in das Wesen des Nordbairischen tiefer einzutauchen: „Am Buan druam henkt ã Huasn, dej haoud ã Luach.“ (Am Dachboden droben hängt eine Hose, die hat ein Loch.)

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