02.09.2019 - 17:48 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Partnerlandkreis Görlitz: CDU und AfD holen je zwei Direktmandate

Sein persönliches Ergebnis im Schwandorfer Partnerlandkreis Görlitz hätte sich Michael Kretschmer sicher auch für seine Partei gewünscht. Nun hat der sächsische Ministerpräsident schwierige Verhandlungen vor sich.

Die Stadt Görlitz gibt dem Schwandorfer Partnerlandkreis den Namen. Die Stadt gehört zum Wahlkreis des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU).
von Clemens Hösamer Kontakt Profil
Michael Kretschmer, Ministerpräsident von Sachsen, trinkt bei der CDU-Wahlparty in Dresden ein Bier. Er hat allen Grund dazu: Er hat sein Direktmandat in Görlitz gewonnen, die CDU bleibt stärkste Partei in Sachsen.

Kretschmer, gebürtiger Görlitzer und seit Dezember 2017 Ministerpräsident des Freistaats Sachsen, bewarb sich im Wahlkreis Görlitz 2 um das Direktmandat. Er gewann mit 45,8 Prozent, vor seinem AfD-Konkurrenten Sebastian Wippel (37,9 Prozent).

Das Ergebnis im Wahlkreis war mit einiger Spannung erwartet worden. Nicht zuletzt deshalb, weil Wippel erst im Juni die Oberbürgermeisterwahl in Görlitz in der Stichwahl knapp gegen CDU-Kandidat Octavian Ursu verloren hatte. Kretschmer selbst hatte 2017 bei der Bundestagswahl nach 15 Jahren sein Bundestagsmandat gegen Tino Chrupalla (AfD) verloren und sein politisches Waterloo erlebt. Nur wenige Wochen später die politische "Wiedergeburt": Der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich trat zurück, schlug Kretschmer als Nachfolger vor. Am 13. Dezember wählte ihn der Sächsische Landtag zum Ministerpräsidenten des Freistaats.

So klar das Ergebnis für Kretschmer bei den Direktstimmen (Erststimmen) - es ist das Beste aller Direktkandidaten in Sachsen -, so knapp das Rennen an der Spitze bei den Listenstimmen (Zweitstimmen). Hier lag im Wahlkreis Görlitz 2 die AfD mit 37,9 Prozent vor der CDU (35,2 Prozent). Die Grünen (8 Prozent), die Linke (6,3 Prozent), die SPD (4,6 Prozent) und die FDP (2,5 Prozent) landeten abgeschlagen auf den Plätzen. Während im gesamten Freistaat die CDU mit gut 32 Prozent stärkste Kraft bleibt, hat ihr die AfD diesen Rang in zwei von vier Wahlkreisen im Landkreis Görlitz abgejagt: Auch im Wahlkreis Görlitz 3 lag die AfD mit 37,2 Prozent vor der CDU (35,7). Im Norden des Landkreises liegt der Wahlkreis Görlitz 1, den die CDU mit 36,7 (AfD: 35,4 Prozent) für sich entschied. Das Direktmandat ging hier allerdings an die AfD. Im südlichen Wahlkreis Görlitz 4 holte die CDU das Direktmandat und lag mit 36,9 Prozent auch bei den Zweitstimmen vor der AfD (32,6 Prozent).

In Kretschmers Wahlkreis (Stadt Görlitz, Markersdorf, Reichenbach/Oberlausitz, Königshain und Vierkrichen) hielten sich die Verluste für die CDU gegenüber den zurückliegenden Landtagswahlen mit 3,3 Prozentpunkten in Grenzen. Mit einem Plus von 24,1 Prozentpunkten hat hier die AfD deutlich zugelegt, größte Verlierer sind die Linke ( minus 11,6 Prozentpunkte) und die SPD (minus 6,2). Bei den Erststimmen konnte Kretschmer offenbar vom Bonus als Ministerpräsident zehren. Sei Ergebnis lag 8,8 Prozentpunkte über dem der zurückliegenden Wahl. Den größten Sprung machte auch hier die AfD (plus 22,7 Prozentpunkte).

Kretschmer regierte bisher mit einer schwarz-roten Koalition. Nach dem Wahlergebnis am Sonntag wird ein Dreierbündnis nötig sein, da der Ministerpräsident die CDU eine Zusammenarbeit mit der AfD und auch der Linken ausschließt. Vieles spricht aktuell für eine "Kenia-Koalition" aus CDU (45 Sitze), SPD (10 Sitze) und Grünen (12 Sitze). Der Sächsische Landtag hat normalerweise 120 Sitze. 60 werden über Direktstimmen, 60 über die Listenstimmen vergeben.

Nach einem Formfehler der AfD bei der Listenaufstellung kann die AfD nur 38 statt der ihr zustehenden 39 Abgeordneten in den Landtag entsenden. Der Sächsische Landtag wird deshalb laut vorläufigem Endergebnis nur 119 statt 120 Abgeordnete zählen.

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Kommentare

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Joachim Datko

Der AfD-Kandidat hat gegen den Ministerpräsidenten ein sehr gutes Ergebnis eingefahren.

Zitat: "Ministerpräsident des Freistaats Sachsen, bewarb sich im Wahlkreis Görlitz 2 um das Direktmandat. Er gewann mit 45,8 Prozent, vor seinem AfD-Konkurrenten Sebastian Wippel (37,9 Prozent)."

02.09.2019