24.09.2019 - 16:14 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Die "Prinzessin" der Herzen

Jetzt ist Erntezeit für das Oberpfälzer Gold. In die Kisten purzeln Tonnen von Kartoffeln mit schönen Namen wie "Prinzessin" und "Birthe". Daraus lassen sich die schönsten Gerichte kreieren.

von mvsProfil

Ausblick aus fünf Metern Höhe, Wind im Haar und das Schwanken, wenn sich die mannshohen Reifen zu drehen beginnen: Die Fahrt auf dem Kartoffel-Vollernter zum "Erpflgrrrrromm" fühlt sich an wie ein Törn auf Hoher See. Fahrer Hans, im Bulldog, steuert den Koloss zentimetergenau am Bifing entlang, der Reihe aufgeworfener Erde, in der das Gold der Erde ruht. Per Kamera prüft er, wie sich die Eisen des angekoppelten roten Riesen ins Erdreich graben. Zu tief würden sie zu viel Erde aufwerfen, zu hoch die Knolle anschneiden und dadurch unbrauchbar machen. Und auch das Förderband hat er im Blick. "Ich stelle es so sein, dass nicht alles auf einer Seite landet, sonst kommen sie oben nicht hinterher."

Er meint die vier Erntehelfer am Brunnerhof in Schwandorf, die in den nächsten Stunden nur beim Wenden am Ackerende Zeit zum Durchschnaufen haben. Ihr Job ist Aussortieren im großen Stil. "In der Reihenfolge: Faule, Stoana, Batzn und Greane", definiert Bauer Josef Brunner junior, was weg kann. Mal gemächlich, mal im Viertel-Sekunden-Takt packen und greifen die Helfer nach dem Ausschuss, der wieder aufs Feld geschleudert wird. Adrenalin pur, wenn plötzlich sehr viel Kartoffeln auf dem Band landen und man kaum hinterher kommt. Und Dopamin, das Glückshormon, bei jedem Griff. Arbeit im Team, bei der der Erfolg gleich zu sehen ist.

Faule Kartoffeln, nur zwei in vier Stunden - ein fürchterlicher Gestank. Steine landen nicht wieder auf dem Feld, sondern werden automatisch fürs Auffüllen von Wegen aussortiert. Richtig viele Lehmklumpen lauern im verdichteten Boden im Eck des Ackers. Für grüne Kartoffeln ist kaum Zeit, sie mogeln sich als blinde Passagiere größtenteils durch.

Kartoffeln rauschen vom Ernter in acht mal drei mal vier Meter große Kisten. Noch glänzen sie dunkel und erdfeucht, bald sonnengetrocknet und hell, wie golden. Die Sorte "Princess" tendiert zur Herzförmigkeit, in ruhigen Sekunden verschwinden besonders schöne Prinzessinnen in den Jackentaschen. Die Sorte "Birthe" ist rundlich und erstaunlich sauber. "Im Juni war's zu trocken, deshalb sind heuer recht viele Schusser dabei", kommentiert Josef Brunner junior die Kleinsten in Murmelgröße. Letzte blinde Passagiere sortiert der nächsten Arbeitsschritt am Verlesetisch aus. Nach der Arbeit ist vor der Arbeit, ist vor der Arbeit. Und dazwischen gibt es Kartoffeln in allen Variationen.

Rezept:

Krosse Kartoffel-Rosen

Festkochende Kartoffeln wie die Sorte „Princess“ eignen sich besonders für Gratins, Salate, Pell- und Bratkartoffeln, und für einen besonders schmucken Gaumenschmaus: Krosse Kartoffelrosen, entweder als Beilage zum Hauptgericht, oder mit einem Dip zum Snacken.

So geht’s:

700 Gramm festkochende Kartoffeln schälen und möglichst dünn hobeln. Je dünner desto besser. Optimal ist es, wenn man den Finger dahinter durchscheinen sieht.

In einer Reihe überlappend legen, aufrollen und in ein mit Butter oder Öl gefettetes oder mit Papier ausgelegtes Muffinförmchen geben. Wenn nötig mit weiteren Scheiben Lücken auffüllen und zum Abschluss eine gerollte Scheibe in die Mitte geben.

Im vorgeheizten Ofen (Umluft 170 Grad) auf mittlerer Schiene zirka 45 Minuten goldgelb backen.

Derweil das Hauptgericht zubereiten oder einen Dip zum Snack anrühren, beispielsweise Sour Cream. (mvs)

Rezept:

Sour-Cream-Dip

Zutaten:

1 Zwiebel

2 Knoblauchzehen

200 Gramm Quark

100 Gramm Schmand

50 Gramm Mayonnaise

ein Schuss Kräuteressig, etwas Zucker, Pfeffer und Salz nach Geschmack

Nach Belieben – ruhig üppig – kleingehackte Kräuter (zum Beispiel Petersilie oder Rosmarin)

Zubereitung:

Zwiebeln und Knoblauch fein würfeln und alle Zutaten vermengen. Mit den Kartoffelrosen servieren und genießen. (mvs)

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