06.04.2021 - 15:40 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Prostitution in Schwandorf: Rotlicht brennt im Verborgenen

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Die Polizei erwischt Prostituierte und Freier in einem Schwandorfer Anwesen. Das horizontale Gewerbe läuft offenbar – obwohl es in der Kreisstadt seit Jahrzehnten generell und wegen Corona erst recht verboten ist.

Eine Frau steht im Eingangsbereich einer Animierbar und eines Bordells. Die Ausübung der Prostitution ist in Bayern in Gemeinden unter 30000 Einwohnern verboten. Die Polizei hat in den vergangenen Monaten in Schwandorf mehrere Fälle aufgedeckt, zuletzt am Karfreitag.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Sie nennen sich "Annabell4love", "Deea69", oder "Sexy_bi", werben im Internet für ihre Dienste. Die eindeutigen Angebote reichen von Abendbegleitung bis zum Sex, die halbe Stunde zu 100 Euro oder mehr. Das angeblich älteste Gewerbe der Welt hat in Schwandorf seine Anlaufpunkte: In entsprechenden Foren im Netz werden mehr oder minder offen Termine genannt, welche Dame wo und wie lange ihren Körper anbietet. In kleinen Hotels etwa, oder auch in Ferienwohnungen.

Nur: Die Ausübung der Prostitution ist in der Kreisstadt verboten. Man kann das für prüde oder überholt halten oder nicht, fest steht: Die Stadt hat weniger als 30000 Einwohner, es greift eine Verordnung des Freistaats (siehe Kasten). Aber nicht nur die: Wegen der Pandemie sind die Dienste der Damen komplett untersagt. Harte Zeiten also auch für Damen und Freier.

Wochenweiser Wechsel

Die "Terminkalender" der Damen zeigen, dass dieses Verbot wenig kümmert. Wochenweise wurden im Herbst Termine in Schwandorf angeboten, konnten Treffs in Unterkünften gebucht werden, "diskret von 10 bis 2 Uhr", mit konkreten Anlaufpunkten. Auffallend dabei: Bestimmte Adressen in der Schwandorfer Innenstadt tauchten immer wieder auf, die Damen wechselten sich regelrecht ab. Bis die Polizei aktiv wurde. Ende vergangenen Jahres liefen Ermittlungen gegen zwei Damen, die in einer Herberge in der Innenstadt ihre Dienste anboten. Eine 22- und eine 28-Jährige, beide aus Osteuropa, seien angezeigt worden, bestätigte Hauptkommissar Florian Beck, Sprecher des Präsidiums Oberpfalz. Ein Strafverfahren gegen eine der Damen sei zwischenzeitlich eingestellt.

Karfreitag: Polizei erwischt Prostituierte und Freier

Schwandorf

Das Landratsamt – zuständig für Ordnungswidrigkeiten – leitete Bußgeldverfahren ein. Aber nicht wegen des Prostitutionsverbots: Da wären die Damen mit 1000 Euro Bußgeld noch günstig davon gekommen. Das Landratsamt habe seine Bescheide aber auf die damals geltende Infektionsschutz-Verordnung gestützt, teilte Behördensprecher Hans Prechtl mit. "In beiden Fällen wurde ein Bußgeldbescheid erlassen. In beiden Fällen geht es um ein Bußgeld in Höhe von 5000 Euro", so Prechtl, das sei der Regelsatz für einen solchen Verstoß. Ein Bescheid sei bereits rechtskräftig.

Als gehörigen "Schuss vor den Bug" hat mindestens eine der Frauen den Bescheid offenbar nicht verstanden. Denn am Karfreitag war sie wohl wieder dabei, als die Polizei ein Anwesen in der Kantstraße unter die Lupe nahm, "Damen des horizontalen Gewerbes" und "Männer, welche die käufliche Liebe suchten" antraf, wie es im Polizeibericht heißt (wir berichteten). "Die Wohnung wurde zu einem anderen Zweck angemietet", teilte Oberkommissarin Franziska Meinl mit, Sprecherin des Polizeipräsidiums Oberpfalz. Zwei Frauen boten ihre Dienste in der Wohnung an.

Bordell abgelehnt

Eine von ihnen sei deshalb bereits "wiederholt im Stadtgebiet aufgefallen", gegen sie sei deshalb ein Strafverfahren eingeleitet worden. Die zweite Frau wurde wegen einer Ordnungswidrigkeit angezeigt, so Meinl. Die Kriminalpolizei Amberg hat die Ermittlungen übernommen. Aktuell ist die Werbung der Damen für Treffen in Schwandorf verschwunden. Stattdessen wird für "Autodates" geworben. Vor vier Jahrzehnten beschäftigte das Rotlicht-Gewerbe den Stadtrat: Im damals noch bestehenden Bahnhofshotel – dort steht heute ein Parkhaus – sollte ein Bordell samt Bar entstehen. Das Ansinnen schmetterte das Gremium nichtöffentlich ab, beantragte bei der Regierung der Oberpfalz, ein ausdrückliches Verbot zu erlassen: "Zum Schutze der Jugend und des öffentlichen Anstands sowie zur Verhinderung der mit einem Bordellbetrieb einhergehenden Kriminalität." Die daraufhin erlassene Verordnung sei außer Kraft, bestätigte der Sprecher der Regierung der Oberpfalz, Markus Roth. Das ändert nichts am Prostitutions-Verbot in der Kreisstadt: Es greift die Verordnung des Freistaats.

Hintergrund:

Verbotene Prostitution

  • Landesregierungen können die Prostitution "zum Schutz der Jugend oder des öffentlichen Anstandes" in Gemeinden bis 50000 Einwohnern ganz oder teilweise verbieten. Das regelt Artikel 297 des Einführungsgesetzes zum Strafgesetzbuch.
  • In Bayern gilt nach einer entsprechenden Verordnung: In Gemeinden bis zu 30 000 Einwohnern ist es verboten, der Prostitution nachzugehen. Ausnahmen sind möglich, für Schwandorf (29116 Einwohner) existiert keine.
  • Ein Verstoß gegen das Verbot ist eine Ordnungswidrigkeit.
  • Wer "beharrlich", gegen das Verbot verstößt, macht sich strafbar: Laut Paragraf 184f Strafgesetzbuch drohen bis zu sechs Monate Haft oder 180 Tagessätze Geldstrafe.
  • Wegen der Pandemie ist Prostitution in Bayern nach der geltenden Infektionsschutzmaßnahmenverordnung derzeit generell verboten. Das Regelbußgeld bei einem Verstoß liegt bei 5000 Euro. Das Landratsamt Schwandorf hat bereits entsprechende Bußgelder verhängt.

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