07.08.2019 - 17:26 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Raser sucht sich seinen eigenen Weg auf der Autobahn

Der Mann bekommt einen Strafbefehl wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Was er gemacht hat, gleicht einem Manöver wie auf einer Formel-1-Rennstrecke.

Der Einspruch war nutzlos. Der Angeklagte muss wegen einer Drängelei auf der Autobahn zahlen.
von Autor HWOProfil

Das ganze Manöver hätte besser auf den Hockenheimring gepasst. Ein Mann aus Franken fühlt sich auf der A 6 durch ein vor ihm fahrendes Wohnmobil behindert. Er schert ganz nach rechts auf den Standstreifen aus, rast an einem Lkw vorbei und setzt sich vor den Lastzug. Dort aber ist soeben das Wohnmobil aufgetaucht.

Die ganze Sache, geschehen am 17. September letzten Jahres, war atemberaubend und zunächst für alle, die nicht dabei waren, schwer begreifbar. Für Staatsanwältin Vanessa Merl stand fest, dass sich da innerhalb weniger Sekunden etwas zugetragen hatte, das sich wie Verkehrsrowdytum in Reinkultur darstellte und an Rücksichtslosigkeit kaum zu überbieten war.

Die Beschreibung, erst sehr viel später von einem vor der Schwandorfer Amtsrichterin Franziska Bücherl sitzenden 37-Jährigen akzeptiert, sah so aus: Kurz vor 17.30 Uhr war der Mann aus Franken nach eigenen Angaben mit etwa 200 Stundenkilometern ("Recht zügig", wie er sagte) auf der A 6 zwischen den Anschlussstellen Amberg-Ost und Schmidgaden unterwegs. Da scherte dann ein Wohnmobil unvermittelt auf die Überholspur aus und stellte für ihn ein Hindernis dar.

Wohnmobil in Gefahr

Der 37-Jährige wollte scheinbar rasch weiter. Er steuerte den Wagen nach rechts, kam aber dort nicht voran, weil ein Lastzug seine Eile blockierte. Also lenkte er auf die Standspur, blieb auf dem Gaspedal und kam vor dem Lkw wieder auf den rechten Fahrstreifen. Dort aber hatte sich in diesen Augenblicken das Wohnmobil vor den Brummi gesetzt. Dessen Fahrer (55) erschrak, zog schleunigst wieder auf die Überholspur und konnte nicht verhindern, dass sein Gefährt dabei gewaltig ins Wanken geriet. "Um ein Haar wäre das Wohnmobil umgestürzt", war nun im Prozess zu hören.

Der Franke raste weiter. Vor der Richterin machte der Arbeiter nun geltend, dass er durch das plötzliche Einscheren des Wohnmobils vor ihm auf die Überholspur zu einer Vollbremsung gezwungen worden sei. "Es hat gequalmt", unterstrich er und fügte hinzu, nur dadurch sei er quasi ohne eigenes Zutun nach rechts auf den Standstreifen gedriftet: "Turbulente Momente, von mir nicht zu verhindern".

Zeugen zur Stelle

"Das glaube ich so nicht", machte die Richterin deutlich und spielte eine Trumpfkarte aus. Denn das ganze eher an ein Rennen der Formel 1 erinnernde Szenario hatten zwei Militärpolizisten aus der Tschechischen Republik beobachtet. Sie waren auf der Rückkehr in ihr Heimatland und wurden Augenzeugen des jetzt als gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr eingestuften Manövers. Am Rastplatz Stocker Holz waren die Tschechen damals ebenso abgebogen wie der Mann im Wohnmobil. Ihm gaben sie ihre Adressen und Telefonnummern.

Ein von dem Franken angefochtener Strafbefehl hatte auf 60 Tagessätze Geldstrafe und vier Monate Fahrverbot gelautet. "Jetzt könnte die Ahndung höher werden", signalisierte die Amtsrichterin. Daraufhin nahm der 37-Jährige seinen Einspruch zurück. Er hätte, weil nicht geständig, mit noch mehr Geldstrafe und einem Führerscheinentzug rechnen müssen.

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