28.09.2020 - 11:51 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Raubprozess: Verfahren eingestellt

Das Landgericht Amberg hat das Verfahren gegen drei junge Männer eingestellt. Angeklagt waren sie wegen schweren Raubes in einer Asylbewerberunterkunft in Dachelhofen. Für eine weitere Anklage gab es Bewährungsstrafen.

Nachdem nicht genau geklärt werden konnte, was sich genau in der Asylbewerberunterkunft abgespielt hat, wurde das Verfahren wegen schweren Raubes gegen drei junge Männer eingestellt.
von Autor HWOProfil

Vier Tage wurde vor der Großen Jugendstrafkammer verhandelt. Drei junge Männer im Alter von 28, 24 und 21 Jahren saßen auf der Anklagebank. Sie standen im Verdacht, am 28. Dezember vergangenen Jahres im Asylbewerberheim Dachelhofen einen wie sie aus einem arabischen Staat stammenden 29-Jährigen mit einer Glasflasche niedergeschlagen und dann beraubt zu haben. Die Beute bestand angeblich aus der Jacke des Opfers. In diesem Kleidungsstück sollen sich neben einem Handy auch mehrere Geldscheine befunden haben.

Angeklagte mit Alibis

Die Staatsanwaltschaft nahm zunächst ein besonders schweres Raubverbrechen an. Delikte dieser Art sind mit einer Mindeststrafe von fünf Jahren Haft bedroht. Im Prozess zeigte sich dann, dass es enorme Schwierigkeiten gab, die Tat nachzuweisen.

Die drei Beschuldigten machten Alibis geltend. Einer sagte, er sei zum Zeitpunkt des Geschehens nicht im Haus gewesen. Der zweite ließ wissen: "Ich stand gerade unter der Dusche". Und der dritte ließ über seinen Anwalt mitteilen, dass er zwar die Auseinandersetzung mitbekam, aber keineswegs als Täter. Im Gegenteil: "Ich bin geschlagen worden."

Das Opfer, damals angeblich aus Regensburg nach Dachelhofen zu einer im Asylbewerberheim stattfindenden Party bestellt, identifizierte das auf der Anklagebank sitzende Trio zwar als Täter. Doch es gab Widersprüche, die letztlich darin gipfelten, dass die mutmaßlich geraubte Jacke auch verloren gegangen sein könne. Die danach vernommenen Zeugen, ebenfalls Gäste der ominösen Party, konnten wenig zur Aufhellung beitragen.

Schwerer Raub oder Körperverletzung?

Amberg

Über ihren Vorsitzenden Harald Riedl ließ die Jugendkammer zunächst mitteilen, dass womöglich nur eine gefährliche Körperverletzung abgeurteilt werden könne. Doch auch davon rückten die Richter im weiteren Prozessverlauf mehr und mehr ab. Am vierten Verhandlungstag kam dann der Vorschlag, das Verfahren gänzlich einzustellen. Weil es nicht möglich sei, die Abläufe klar aufzuhellen .

Weiterer Fall in Regensburg

In der Debatte blieb anschließend aber ein anderer Vorfall: Am 17. Januar dieses Jahres soll das Trio auf der nachtdunklen Königstraße in Regensburg einen 26-Jährigen übel misshandelt und rund 1000 Euro aus dessen Rucksack erbeutet haben. Zwei wollten zunächst nicht am Tatort gewesen sein. Der dritte ließ über seinen Verteidiger wissen, er sei zwar zufällig in der Nähe gewesen, habe aber nichts mit der Sache zu tun.

Am dritten Verhandlungstag revidierten die Männer ihre Angaben. Jetzt hieß es: Einer von ihnen habe von dem als Drogenhändler bekannten 26-Jährigen Marihuana erwerben wollen. "Da hat er wegen des Kaufpreises eine Schlägerei angefangen". Mit der Folge, dass die beiden anderen ihrem in Not geratenen Kumpel zu Hilfe geeilt seien. Das Opfer, mit Nasenbeinbruch ins Krankenhaus gebracht, blieb dabei: "Sie haben mich überfallen und beraubt." Und woher stammte das Geld in seinem Rucksack? "Es war Erspartes und kam nicht aus Drogenverkäufen."

Staatsanwalt fordert Haftstrafe

Der Staatsanwalt verlangte unter Zugrundelegung von Raub und gefährlicher Körperverletzung für den 28-Jährigen und dessen 24 Jahre alten Landsmann Haftstrafen in Höhe von jeweils zwei Jahren und neun Monaten. Für den noch unter das Jugendstrafrecht fallenden 21-Jährigen forderte der Anklagevertreter zwei Jahre Gefängnis. Von einer ursprünglich angenommenen bandenmäßigen Vorgehensweise rückte der Staatsanwalt ab. Gleichwohl aber unterstrich er: "Sie müssen fühlbar zur Rechenschaft gezogen werden."

Nach dreistündiger Beratung verkündete die Jugendkammer, dass sie zwar bei den körperlichen Attacken von gefährlicher Körperverletzung ausgehe, bei der Entwendung von knapp 1000 Euro aber eine Diebstahlshandlung und kein Raubdelikt sehe. Dafür erhielten die drei Angeklagten Bewährungsstrafen zwischen 18 und 20 Monaten. Sie saßen seit Januar in U-Haft und konnten nun ihrer Wege gehen. Auch die Verteidiger hatten sich dafür ausgesprochen, den Männern Bewährungschancen zu geben.

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Amberg
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