30.06.2019 - 18:23 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Rechtsextremistisches Vexierbild "Combat 18"

Von den NSU-Untersuchungsausschüssen bis hin zur Ermordung Walter Lübckes. Immer wieder taucht der Name "Combat 18" auf - Verbindungen gibt es auch bis in die Region.

Sichergestellte Waffen und ein Schild der Neonazi-Gruppe "Combat 18" liegen im schleswig-holsteinischen Landeskriminalamt (LKA).
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Die Mitglieder der Neonazi-Truppe "Combat 18" sind offensichtlich sehr nervös. Vergangene Woche veröffentlichte die Gruppe im Internet ein Video, in dem sie sich von Stephan E., dem mutmaßlichen Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU), distanziert. Allerdings pflegte der Verdächtige aus Kassel nicht nur in seiner Heimatstadt viele Jahre enge Kontakte zu Personen, die bis heute eine zentrale Rolle bei der "Kampftruppe Adolf Hitler" spielen, wie der Name "Combat 18" in der Neonazi-Szene verstanden wird.

Da ist Stanley R., mit dem Stephan E. früher Kontakt hatte. Beide sind auf einem Bild aus dem Jahr 2002 in Kassel zu sehen. R. war mit anderen von "Combat 18" im September 2017 auf dem Rückweg von einem Schießstand in Tschechien, als er bei Schirnding von der Polizei gestoppt wurde, weil er illegal Patronen mitführte. Die Gruppe kam von demselben Schießstand jenseits der bayerischen Grenze, den auch Oberpfälzer Neonazis nutzen.

Im Sprecher des "Combat 18"-Videos meinen Antifa-Aktivisten, Robin S. aus Dortmund zu erkennen. Dort ist "Oidoxie" zu Hause, eine Band aus dem Dunstkreis von "Combat 18". Von der Band führen Verbindungen in die Oberpfalz. Ein Mitglied trat vor eineinhalb Jahren bei einem Rechtsrockkonzert im Kreis Schwandorf auf - man kennt sich offensichtlich. Erst zu Ostern waren zudem Oberpfälzer Neonazis bei einem Rechtsrockkonzert in Italien, wo sich Anhänger der in Deutschland verbotenen Vereinigung "Blood & Honour" und von "Combat 18" getroffen haben.

Beide Gruppen hat Kanada vor zehn Tagen auf seine Terrorliste gesetzt. Dort steht die Neonazi-Gruppe nun unter anderem neben der islamistischen Terrorgruppe Al-Kaida. Kanada begründet die Maßnahme mit der Ideologie und den Terroranschlägen der Gruppe unter anderem in den USA und in Tschechien.

Zur Frage, ob auch das Bundesinnenministerium ein "Combat-18"-Verbot plane, teilte ein Sprecher mit, dass sich das Ministerium "grundsätzlich nicht zu etwaigen Verbotsüberlegungen im Einzelfall" äußere. Zuvor hatte es Berichte gegeben, Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) plane, die Gruppe zu verbieten. Laut Ministerium sei Seehofers Aussage allgemein zu verstehen. Demnach erfolge die Bekämpfung des Extremismus generell und des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland "durch eine Verstärkung der Sicherheitsbehörden personell und in der Sache", sowie "auch durch die Überlegung, welche rechtsextremen Organisationen und Institutionen wir verbieten können" und dadurch, "dass wir vor allem in der Analyse der Strukturen im Rechtsextremismus noch Verbesserungen herbeiführen müssen".

Robin S., der Sprecher des "Combat 18"-Videos sein soll, ist ein Brieffreund von Beate Zschäpe. Sie und ihre Mittäter Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt von der rechtsextremistischen Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) gehörten zum Netz "Blood & Honour". "Combat 18" gilt als bewaffneter Arm von "Blood & Honour". Und: Der verdächtige Stephan E. war auch Thema im NSU-Untersuchungsausschuss im Landtag in Hessen.

Die Verbindungen der Oberpfälzer Neonazis

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