15.04.2021 - 15:50 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Rentnerin vor Gericht: Ohne Versicherung unterwegs

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Wer seine Post nicht öffnet, weil nur Rechnungen und Mahnungen in den Kuverts stecken, kann in fatale Situationen geraten. Oder, wie sich am Beispiel einer 59-Jährigen aus dem nördlichen Kreis Schwandorf verdeutlichte, im Gefängnis landen.

von Autor HWOProfil

Die Frau mag ungern lesen, was ihr der Briefträger bringt. So blieb dann einiges bei ihr daheim liegen. Darunter befand sich auch eine Vorladung zum Prozess vor dem Amtsgericht. Als sie nicht kam, wurde ein sogenannter Sitzungshaftbefehl erlassen. Mit der Folge, dass Polizisten bei ihr vorfuhren, die 59-Jährige festnahmen und für einige Tage ins Regensburger Frauengefängnis brachten. Von dort wurde sie nun zur Verhandlung vor die Richterin Jennifer Jäger geführt.

Was zur Debatte stand, wäre ohne weiteres vermeidbar gewesen. Streifenbeamte der Polizei hatten die Rentnerin zwei Mal gestoppt und festgestellt, dass ein von ihr benutztes Auto keinen Versicherungsschutz hatte. Mehr noch: Bei einer der Kontrollen stellte sich heraus, dass gegen sie ein Fahrverbot verhängt worden war.

"Warum ohne Versicherung?", fragte die Richterin und erhielt bei ihren eher mühsamen Befragungen die Antwort, dass zum Zulassen der Fahrzeuge Deckungskarten bei der Verkehrsbehörde vorgelegt worden waren. Doch Verträge mit Versicherungen kamen anschließend nicht zustande. Die Assekuranzen hatten Briefe geschrieben und den Abschluss solcher Kontrakte bei ihr angemahnt. Als diese Schreiben, weil von der Adressatin ungeöffnet, ohne Antwort blieben, erlosch per Mitteilungen an die Zulassungsstelle der vorübergehend gewährte Versicherungsschutz.

Prozess gegen Damen, die einen Liebhaber prellen

Schwandorf

Beim Blättern in den Unterlagen stieß Richterin Jäger auf den Umstand, dass die Frau in der Vergangenheit schon öfter auf ähnliche Weise mit dem Gesetz in Konflikt geraten war. Die Folge war unter anderem ein damals erster Aufenthalt in der Frauenhaftanstalt. Von daher packte Staatsanwalt Jakub Uhlik nun in seinem Plädoyer größeres Geschütz aus.

Die Richterin, so verlangte er, möge sechs Monate Haft mit Bewährung und ein Jahr Führerscheinentzug verhängen. Das tat die Vorsitzende dann auch und setzte noch 1 000 Euro Geldauflage hinzu. Verteidiger Heinz Ettl blieb angesichts der Lage nur übrig, "ein mildes Urteil" zu erbitten.

Nach der Entscheidung redete Ettl seiner Mandantin ins Gewissen. "Wenn Sie jetzt noch einmal etwas anstellen, sitzen Sie ein halbes Jahr hinter Gittern", verdeutlichte er der 59-Jährigen und meinte damit vorrangig das nun per richterlicher Anordnung untersagte Benutzen eines Kraftfahrzeugs.

Weitere Gerichtsberichte aus der Region

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.