Es kommt eigentlich selten vor, dass eine Richterin männlichen Schutz herbei ruft, um Aggressionen abzuwehren. Wenn Franziska Bücherl beim Amtsgericht Schwandorf ihren Sitzungstag hat, geht es ausschließlich um Ordnungswidrigkeiten. Meist im Verkehrsbereich: Tempoüberschreitungen, verbotenes Überholen und nicht selten auch um Abstandsmessungen auf der Autobahn. Meist kurze Verhandlungszeiten und sehr oft Bestätigungen von behördlich erlassenen Bußgeldbescheiden.
Diesmal war der Fall besonders klar: Abstandsmessung auf der A 93 bei Teublitz und ein Mann im Visier, der mit seinem Wagen dicht an einen vorausfahrenden Pkw auffuhr. Die Richterin griff zu den vorhandenen Polizeiunterlagen und stellte fest: Fotos und auch ein Video vom Verkehrssünder waren vorhanden. Mit deutlicher Abbildung des Fahrzeugs und seines Fahrers. Kein Zweifel, dass es sich um den 63-Jährigen handelte, der mit geöffnetem Aktenkoffer vor ihr saß. Ab dann begann ein verbales Stakkato, das einher ging mit dröhnender Lautstärke und Einwänden, die nicht einzuleuchten vermochten. Mal behauptete der aus Regensburg angereiste Rentner, er sei da nicht unterwegs gewesen. Dann befand sich die Messstelle seiner Auffassung nach ganz woanders. Für ihn ein Skandal. Die Richterin nahm Bezug auf Lichtbilder und Videofilm. "Sind Sie das?", fragte die Juristin und bekam lautstark zur Antwort: "Eine Fälschung!" Für sie war damit die Beweisaufnahme beendet. Denn klarer konnte der Fall eigentlich nicht sein. "Ich schreibe jetzt mein Urteil", sagte Bücherl, ging hinaus und verkündete dann: "320 Euro Bußgeld und zwei Monate Fahrverbot."
Ab dann ging es endgültig rund. "Der größte Witz aller Zeiten", hörte sie. Gleichzeitig wurde eine Querverbindung zur Nazizeit hergestellt. Der Regensburger geriet völlig außer sich und tobte. Da rief die Vorsitzende über Telefon zwei Justizwachtmeister herbei. Noch bevor sie eintrafen, schritt ein vorher als Zeuge gehörter Polizist ein. Er führte den Mann hinaus. Nun, so hörte man noch, will der 63-Jährige Rechtsbeschwerde einlegen und bis zu allerhöchsten Stellen gehen.
Schwandorf
13.07.2018 - 15:49 Uhr
Eine Richterin braucht Schutz
von Autor HWO
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