07.04.2021 - 19:28 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Schwandorf: Spargelsaison startet unter Corona-Bedingungen

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Die ersten weißen Köpfe ragen aus der Erde: Der Spargel sprießt. Erntehelfer stechen in Schwandorf seit kurz vor Ostern. Für sie gelten besondere Regeln.

Die Spargelernte in Schwandorf hat begonnen. Die Helfer arbeiten in kleinen Gruppen, um vor Corona geschützt zu sein.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Ohne seine Helfer wäre der Scharl-Hof in Dachelhofen auf verlorenem Posten. Die Familien Scharl und Feldmeier setzen seit Jahrzehnten auf Erntehelfer aus Rumänien, um den Spargel rechtzeitig zu ernten, der südlich der Kreisstadt wächst. "Sie sind zu Teil schon seit 20 Jahren da," erzählt Seniorchef Josef Scharl. Diesmal - wegen Corona - erneut unter besonderen Bedingungen.

Anmeldung beim Gesundheitsamt, negativer Test in der Heimat vor der Einreise: Schon bevor seine Mitarbeiter ins Land dürfen, ist einiges zu beachten. "Ohne Arbeitsvertrag gibt's keine Reisegenehmigung durch Österreich", erzählt Scharl. In Deutschland ging's auch gleich ins Testzentrum, dann in "Arbeitsquarantäne". Heißt: Die Trupps, die zusammen stechen, leben auch zusammen, natürlich mit Abstand und Masken. Außer zur Arbeit darf der Hof nicht verlassen werden.

Mehr Platz

"Wir haben sie versorgt", sagt Scharl, auch zusätzliche Wohncontainer wurden angeschafft, um die Corona-Abstände zu gewährleisten. Ein ziemlicher Aufwand also, aber der Seniorchef beklagt sich nicht: "Es sind schlimme Zeiten. Wir sind ja froh, dass wir die Leute haben." Er hofft, dass die Sicherheitsmaßnahmen wirken. Schließlich soll nur der Spargel sprießen, und nicht das Virus. Ein Teil der Mitarbeiter hatte die Einreiseformalitäten schon länger hinter sich: Sie haben im ausgehenden Winter schon bei Winzern gearbeitet, ehe es nach Schwandorf ging. Die volle "Mannschaftsstärke" ist in Dachelhofen auch noch nicht erreicht. "Zehn sind da, vier sollen noch kommen." Knapp 20 Leute helfen in normalen Jahren.

Wie die Ernte wird, hängt vom Wetter ab. "War ja wie Weihnachten", sagt Scherl beim Blick auf die vergangenen Tage. Sonne und etwas Wärme wären wichtig, damit die Stangen in den Folientunneln wachsen. Für 14 Euro wird das Kilo "erste Ware" aktuell verkauft, wie sich der Preis entwickelt, hängt auch von der Ernte ab. Und davon, wie es mit dem Lockdown weitergeht: Die Scharls liefern normalerweise viel an die Gastronomie, "bis nach Regensburg rein". Im vergangenen Jahr sei die private Nachfrage gut gewesen.

Nur wenige Kräfte

Saisonarbeiter spielen in der Landwirtschaft im Landkreis eine geringe Rolle. Im Gesundheitsamt seien gerade mal drei Anmeldungen von Betrieben eingegangen, so Landratsamts-Sprecher Manuel Lischka. Maßgeblich ist die Einreisequarantäneverordnung: Sie unterscheidet in ihren Vorgaben nach Einreisen aus "Hochinzidenzgebieten" und "Virus-Variantengebieten."

Die geringe Nachfrage nach Saisonkräften im Landkreis wundert Josef Wittmann nicht. "Sonderkulturen wie Spargel spielen im Landkreis eine geringe Rolle", sagt der Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands. Neben den Scharls pflanzt der Weilhammerhof nahe Ponholz noch Spargel in größerem Stil. "Bei der Kartoffelernte kommen noch Helfer als Lesepersonal", berichtet Wittmann.

Für den Spargelhof Scharl ist die Saison in diesem Jahr Premiere: Über den Winter investierten die Feldmeiers in eine neue Halle inmitten der Felder an der Hans-Kraus-Allee. Die komplette Aufbereitung (unter anderem Schälen und Sortieren) und der Verkauf ziehen von Dachelhofen hierher um. "Die Hofstelle war zu eng", so Seniorchef Scharl. Noch sind Familie und Mitarbeiter fleißig am werkeln, Kühlungen werden eingerichtet. Der Verkauf aber läuft schon.

Seniorchefin Ingrid Scharl vom gleichnamigen Dachelhofener Spargelhof bietet die ersten weißen Stangen in der neuen Halle an der Hans-Kraus-Allee an.
Hintergrund:

Gemüsepargel

  • Gemüsespargel ist eine von rund 220 Arten aus der gleichnamigen Gattung.
  • Die Erntezeit beginnt dank ausgeklügelter Anbaumethoden bereits Ende März, Anfang April.
  • Die Saison endet traditionsgemäß an Johanni, 24. Juni. Dann wächst die Pflanze aus und sammelt Kraft für den Winter in einem Rhizom.

Helfer aus der Slowakei

Weiden in der Oberpfalz
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