16.07.2021 - 12:52 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Schwarzfahrten: Zweifache Mutter mit sechs Vorstrafen muss ins Gefängnis

Die Mutter zweier Kinder bricht in Tränen aus: Wegen mehreren Zugfahrten ohne Ticket muss sie ins Gefängnis. Das ist auch in ihren Vorstrafen begründet.

von Autor HWOProfil

Der Gesetzgeber überlegt schon seit geraumer Zeit, ob er Schwarzfahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus oder Bahn in den Bereich einer Ordnungswidrigkeit verweisen soll. Bis möglicherweise eine Gesetzesnovelle in Kraft tritt, bleiben solche Delikte ein Vergehenstatbestand und sind somit Fälle für Staatsanwälte und Strafrichter. Das Erschleichen von Leistungen, wie Touren ohne Ticket im verschnörkelten Amtsdeutsch genannt werden, ist einer zum Schluss bitterlich weinenden Frau zum für sie tragisch endenden Verhängnis geworden.

Die Mutter zweier Kinder war im vergangenen Jahren gleich vier Mal von Kontrolleuren dabei ertappt worden, wie sie "ohne gültigen Fahrausweis" in Nahverkehrszügen von Schwandorf nach Regensburg unterwegs war. Die Ticketkosten hatte sie später, als Ermittlungen begannen, an den Betreiber einer Regionalbahn überwiesen.

Im Prozess vor der Schwandorfer Amtsrichterin Jennifer Jäger blieb nicht im Verborgenen, dass die 45-Jährige sechs Vorstrafen hatte. Diebstähle und Betrügereien waren darunter, auch Leistungserschleichungen fand die Richterin im Ahndungsregister. Zehn Monate Haft zur Bewährung standen noch offen. Das ließ Ungutes ahnen für das Urteil.

Über der Frau braute sich ein Gewitter zusammen. Zwölf Wochen Gefängnis verlangte Staatsanwältin Jasmin Hertel. Zu erneuter Bewährung sah sie keinen Anlass. Richterin Jäger verhängte zehn Wochen Haft zum Absitzen.

Dabei sagte sie der Angeklagten: "Ich kann es mir nicht aussuchen, wie ich mit Bewährungen verfahre." Denn dazu bedürfe es einer günstigen Prognose. Und die sei nicht vorhanden.

Zu den zehn Wochen hinter den Gittern einer Frauenhaftanstalt kommen nun noch weitere zehn Monate. Denn die noch offene Bewährung aus einer Verurteilung wegen Betrugs dürfte jetzt widerrufen werden. In ihrer Begründung sagte die Richterin: "Sie haben es darauf ankommen lassen und sind zu Schwarzfahrten aufgebrochen, obwohl Geld für die Tickets vorhanden gewesen wäre."

In dieser Verhandlung gab es einen Freispruch

Schwandorf

"Sie haben es darauf ankommen lassen und sind zu Schwarzfahrten aufgebrochen, obwohl Geld für die Tickets vorhanden gewesen wäre."

Amtsrichterin Jennifer Jäger

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