16.08.2019 - 09:34 Uhr
SchwandorfOberpfalz

So viel Dreck an Straßen und im Wald

Es schaut aus wie auf Müllhalden. Alles. was nicht in die Abfalltonne passt, entsorgen rücksichtslose Zeitgenossen auf Kosten der Allgemeinheit im Wald, auf Rastplätzen, im Straßengraben, in öffentlichen Müllkörben.

Häufig finden Mitarbeiter der Autobahnmeisterei am Wochenanfang derart versaute Rastplätze vor.
von Irma Held Kontakt Profil

Der Eindruck trügt nicht. Bauhöfe sowie Straßenmeistereien bestätigen ihn. Es liegt wieder mehr Müll rum. Achtlos werden Verpackungen, Styropor, Hausmüll, Altglas, Bildschirme weggeworfen - schnell und kostengünstig in den Straßengraben, in oder neben Container sowie Abfallkörbe. Allein die wenig appetitlichen Ausreißer, die Autobahnmeisterei, Bauhof oder Forstbetriebe fotografisch festhalten, sprengen eine Bilderseite.

Wenn es um den Abfall geht, fallen Hemmschwellen immer mehr. "Allgemein merken wir, dass der Müll wieder zunimmt", umschreibt Wilfried Schlosser, Leiter der Straßenmeisterei in Neunburg, das Problem. Er ist für Staats- und Bundesstraßen im Landkreis zuständig. Die Mülltonnen wurden bis auf zwei auf der B 85 aus Richtung Cham vor Jahren abgebaut. Auffällig: "Hausmüll wird verstärkt entsorgt." Laut Schlosser wird darauf geachtet, die Park- und Rastplätze sauber zu halten. "Wenn die Parkplätze gepflegt sind, wird nicht so leicht etwas hingeworfen." An den Kreisstraßen und der Autobahn wirkt das offensichtlich nicht.

Fast das Doppelte

Der Pressesprecher des Landratsamtes Hans Prechtl sagt auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien, "dass die Mitarbeiter unserer Kreisbauhöfe gegenüber den letzten Jahren nahezu die doppelte Menge an Müll vorfinden". Es gebe Zeitgenossen, die sich nicht an die Spielregeln halten würden. "Die Unvernunft einzelner Bürger kostet auch Geld. Denn das steigende Müllaufkommen auf Rastplätzen spiegelt sich auch in den Abrechnungskosten für die Abfallentsorgung wider." Prechtl erinnert daran: Abfalleimer auf Rastplätzen seien dazu da, denjenigen Müll aufzunehmen, der während der Fahrt oder bei den Fahrtpausen entstehe.

Zusätzlicher Müllsack

Im klassischen Sinne seien das Brotzeitreste, Lebensmittelverpackungen oder ein benutztes Papiertaschentuch. Sollte der Müll dort abgelagert werden, etwa um die geringen Kosten eines zusätzlichen Müllsackes zu sparen, werde versucht, den Übeltäter zur Verantwortung zu ziehen. Ähnlich äußert sich die Autobahndirektion Nordbayern. Die Schwandorfer Autobahnmeisterei ist für die A 93 von Luhe-Wildenau bis Ponholz zuständig. Die Ablagerungen seien konstant hoch. Auf Rastplätzen entsorgt würden Hausmüll, Bauschutt, Renovierungsabfall, Gewerbemüll bis hin zu Sperrmüll. Letzterer werde weniger. 400 Tonnen Müll haben die Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Schwandorf im vergangenen Jahr eingesammelt und für rund 50 000 Euro entsorgt. Besonders an Montagen sei es schlimm, weil neben mehr Reiseverkehr übers Wochenende Anwohner "anlieferten". Schwerpunkte sind laut Autobahndirektion die Parkplätze in der Nähe Schwandorfs.

Schwerpunkt Innenstadt

Doch die Umweltfrevler suchen nicht nur die Anonymität der Fernstraße. Wie Josef Fischer, stellvertretender Sprecher der Stadt Schwandorf, auf Anfrage mitteilt, habe nach Auskunft des Bauhofs die Hausmüllentsorgung in Abfallbehältern in der Innenstadt stark zugenommen, besonders am Marktplatz und in der Naabuferstraße. Einkaufstaschen würden gefüllt mit Essensresten und Verpackungsmüll neben die Eimer gestellt. Dabei, so Fischer, gebe es genug Alternativen um Müll kostenlos los zu werden. "Jeder will eine saubere Stadt haben", aber dieses Wegwerfen sei in Mode, empört sich Fischer. Noch eines treibt die städtischen Kosten in die Höhe. Wegen Verpackungen und Trinkbecher in Straßengräben gehe das Schnitt- nicht mehr als Grüngut durch. Es müsse gesondert entsorgt werden.

Steigende Mengen zulasten der Allgemeinheit kann Reinhard Schlosser von der Stadt Nabburg nicht feststellen, aber: "Mit dem Problem kämpfen wir seit 30 Jahren." "Nicht dass es zunimmt, es läuft ungebrochen fort, obwohl es Wertstoffhöfe gibt", sagt Thomas Verron vom Forstbetrieb Burglengenfeld. Man sei bestrebt, schnell aufzuräumen. Reifen, Kühlschränke oder Schutt lägen herum. "Man schüttelt nur mit dem Kopf. Beim Umweltbewusstsein der Leute fehlt es gewaltig."

Dieser Abfall hat am Straßenrand nichts verloren.
Müll
Müll
Um sich die Kosten für zusätzliche Müllsäcke zu sparen, wird Hausmüll auf Rast- und Parkplätzen entsorgt.
Das ist das Ergebnis einer einzigen „Ramadama“-Aktion im Staatswald.
Polizeibericht:

Essensreste aus dem Auto geworfen

Ein 25-jähriger Schwandorfer warf am 10. August gegen 19 Uhr in der Lampartstraße in Schwandorf eine Box mit asiatischem Essen aus seinem Auto auf die Fahrbahn. Ob’s ihm nicht geschmeckt hat, mag dahin gestellt bleiben. Ein Anwohner jedenfalls beobachtete dies nach Polizeiangaben. Da den Fahrzeugführer eine Aufforderung zur Beseitigung nicht interessierte, erstattete der Zeuge Anzeige. Den 25-Jährigen erwartet nun eine Geldbuße. (ihl)

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