27.06.2019 - 11:32 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Sortieren gegen den Müllberg

Kein Gewerbeabfall mehr ins Müllkraftwerk: Die Nachricht hat die Wirtschaft teils überrascht. Dennoch halten sich im Landkreis die Folgen in Grenzen. Teils wird sogar Nachbarn ausgeholfen.

Die Bunker des Müllkraftwerks sind voll. Gewerbeabfall wird deshalb wohl noch bis Ende des Jahres nicht angenommen.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Das Müllkraftwerk arbeitet an seiner Auslastungsgrenze. Die ist mit dem Hausmüll aus dem Gebiet des Zweckverbands Müllverwertung Schwandorf (ZMS) und der vertraglich zugesicherten Abnahme von Gewerbeabfall über die ZMS-Tochter OVEG erreicht. Die Entsorgung des Haus-und Sperrmülls - und nur die ist Pflicht des Zweckverbands (wir berichteten) - ist gesichert. Weitere Gewerbeabfälle nimmt der Verband nicht an, wohl bis zum Ende des Jahres.

Die Lage des ZMS

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Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) für die Oberpfalz und Kelheim sind schon einige "Notrufe" eingegangen, vor allem aus dem verarbeiteten Gewerbe und der Bauwirtschaft. Das bestätigte Abteilungsleiter Thomas Genosko den Oberpfalz-Medien.

"Unter anderem haben die gute Konjunktur und demografische Faktoren wie der Bevölkerungszuwachs zu Engpässen bei den Verbrennungsanlagen vor Ort geführt. Trotz verstärkter Abfalltrennung durch die Betriebe bleibt eine unvermeidbare beziehungsweise technisch oder wirtschaftlich nicht trennbare Restmenge an Gewerbeabfall zur Beseitigung. Bis neu angedachte Lösungen greifen, bedarf es hier auch pragmatischer Übergangslösungen, um stellenweise Entsorgungsengpässe zu vermeiden", so Genosko auf eine Anfrage der Redaktion. Die IHK rate den Unternehmen, so weit möglich, den Abfall bereits am Anfallort konsequent zu trennen. Neben den Abfallberatern der Kommunen und des ZMS stünden auch die Entsorgungsfirmen für Hilfen bereit. Genau so eine betreibt Johannes Lober in Neunburg vorm Wald. "Die Lage im Landkreis ist noch entspannt", sagte der Geschäftsführer der Lober GmbH und Co. Abfallentsorgungs KG. Grundsätzlich hätten die Unternehmen den gleichen Sortieraufwand wie Privathaushalte betreiben, sieben Fraktionen sind zu trennen. "Entweder gleich vor Ort oder in einer Sortieranlage, wie wir sie haben," erläuterte Lober.

Sein Unternehmen erstellt für Firmen Entsorgungskonzepte und übernimmt die Verwertung der Reste. Die nicht stofflich zu verwertenden Abfälle kann Lober als Vertragskunde an den ZMS oder als Ersatzbrennstoff in ein Zementwerk liefern. "Im Laufe der vergangenen zehn Jahre haben wir auch Kontakte anderen Müllkraftwerken aufgebaut."

"Ich habe grade 30 Anfragen für Entsorgungskonzepte auf dem Tisch", sagte Lober. Offenbar hätten sich einige Unternehmen die vergangenen Jahre darauf verlassen, ihren unsortierten Müll zu günstigen Preisen problemlos ins Kraftwerk oder eine Umladestation des ZMS liefern zu können. Über Mülltrennung aber lasse sich viel Material wieder dem Stoffkreislauf zurückführen, sagte Lober. Er nennt ein Beispiel: So hatte ein großes Unternehmen laufend erhebliche Mengen an Einmalpaletten in bestimmten Maßen zu entsorgen. Statt sie in den Abfall zu schicken, wurden mit Lobers Hilfe Firmen gefunden, die die Paletten nun wiederverwenden.

Warnung schon im Dezember

Schwandorf

Insgesamt sieht Lober eine große Aufgabe der nächsten Jahre darin, "von dem Müllberg runter zu kommen". Sein Eindruck: "Umso besser es uns geht, um so weniger kümmern wir uns um den Abfall". Derzeit hilft Lober auch den Nachbarn im Landkreis Cham aus. Dort stelle sich die Situation etwas kritischer dar als im Kreis Schwandorf, weiß Lober aus Gesprächen. "Wir haben noch Kapazitäten", so Lober.

"Hygienisch kritischer Abfall", etwa aus Krankenhäusern, wird vom ZMS weiter angenommen. Das Krankenhaus St. Barbara beispielsweise arbeitet mit Lober als Entsorger zusammen. Da gab und gibt es keine Probleme, bestätigte die Sprecherin des Hauses, Caroline Kappes. Auch Abfall aus Alten- und Pflegeheimen ist vom Annahmestopp ausgenommen. "Wir haben keine Schwierigkeiten", bestätigte stellvertretender Geschäftsführer Josef Siml vom Elisabethenheim Schwandorf. Auch die Kreishandwerkerschaft Schwandorf treibt das Thema um. Das bestätigte Geschäftsführerin Claudia Mendel. Man sei in Gesprächen, so Mendel, mehr könne sie allerdings momentan nicht sagen.

Noch Kapazitäten

"Pragmatische Lösungen"

Der Anlieferstopp

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