19.08.2020 - 17:46 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Sportabzeichen unterm Hygiene-Diktat

Corona bremst den Ehrgeiz. Sportler, die ihre Leistung gern mit dem Sportabzeichen krönen wollen, verzichten wegen der Infektionsgefahr. Vielen Vereinen ist die Prüfung unter diesen Bedingungen nicht geheuer.

Das Deutsche Sportabzeichen motivierte in den vergangenen Jahren große und kleine Sportler zum Leistungs-Check. In diesem Jahr fällt allerdings wegen Corona auch im Breitensport so manche Olympiade aus.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Die Olympischen Sommerspiele 2020 sind auf 2021 verschoben. Im Landkreis Schwandorf wird heuer trotzdem um "Gold" gekämpft, allerdings nicht überall. Das Deutsche Sportabzeichen, eine Auszeichnung im Breitensport, hat treue Fans. Und einige sehen sich fit genug für den Kampf mit Abstands- und Hygieneregeln - mit individuellen Lösungen.

In der Kreisstadt sind die Verantwortlichen bedingt durch die Corona-Pandemie später und in reduzierter Form in die Sportabzeichen-Abnahme eingestiegen. "Es gibt je auch relative viele Personen, die das machen müssen, weil sie den Leistungsnachweis für Zoll, Bundeswehr oder Feuerwehr brauchen", berichtet Walter Zilch, der in den Schwandorfer Sportabzeichen-Treff involviert ist. Voraussetzung dafür, dass man überhaupt loslegen konnte, war ein Hygienekonzept, das Thomas Fink vom Stadtverband für Sport erstellt hat. Von den insgesamt sechs Terminen im Sepp-Simon-Stadion bleiben nur noch zwei (2. und 19 September) für die Leistungs-Abnahme.

In Neunburg startet das Prüferteam erst im September (Mittwoch und Donnerstag 18 bis 20 Uhr am Realschul-Sportplatz). "Normalerweise sind wir schon im Juli aktiv", sagt Vorsitzender Franz Seidl. Doch in diesem Jahr musste zunächst geklärt werden wie der Infektionsschutz aussehen soll. "Wir füllen als Prüfer alle Formulare aus, da wird kein Stift weitergereicht", erklärt Seidl. Bei den Sportgeräten habe man sich darauf geeinigt, grundsätzlich die Hände zu desinfizieren.

Hände desinfizieren, "das ist auch unsere Lösung", berichtet Heidi Schwendner vom FC Wernberg, wo der Donnerstagabend für den Leistungs-Check reserviert ist - allerdings nur nach Terminvereinbarung (09604/2691), damit die Gruppen nicht zu groß werden. Fürs Schwimmen stehen die Weichen eher schlecht. "Dazu müsste man ins Freibad, und das ist heuer auch kompliziert." Ein kleiner Trost: Einmal erbrachte Leistungen in dieser Disziplin gelten fünf Jahre lang, bei Kinder bis zum 18. Lebensjahr. Das Echo auf das Angebot ist noch etwas verhalten, die Teilnehmerzahl von über 100 wird in diesem Jahr kaum erreicht. Aber so mancher "Wiederholungstäter" ist froh, wenn er an den Start gehen kann.

Zulauf dank Corona

In Nabburg, wo der SV Diendorf unter Regie von Markus Raab die ehrgeizigen Breitensportler unter seine Fittiche nimmt, läuft es dagegen gut. "Heuer sind besonders viele Kinder aktiv, der Sport ist eine willkommene Abwechslung", hat Raab bei den Treffen, jeweils Montags um 18 Uhr auf dem Sportplatz des Nabburger Gymnasiums, festgestellt, "ein paar Ältere fehlen zwar, aber wir haben heuer mehr Abnahmen als in den letzten Jahren." Ob sich der Leistungs-Check realisieren lasse, das hänge auch vom Ort ab. "Wer da in einer Kaserne untergekommen ist, der könnte es heuer schwer haben", meint er.

Prüfer mit Risiko

"Wir werden einen Weg finden, wenn es brennt", verspricht Wolfgang Bernert für alle willigen Sportler in Pfreimd, wo normalerweise der 3000-Meter-Lauf auf dem Bundeswehr-Gelände erfolgt. "Aber bis jetzt ist auch die Schulsportanlage gesperrt", stellt er fest und verweist auf den enormen Aufwand. "Bis jetzt sind keine Anfragen da", erklärt Silvia Beck, die sich in Schwarzenfeld fürs Sportabzeichen engagiert. Machbar sei es aber schon, nur eben mit viel mehr Zeit als sonst." "Viele, die da ehrenamtliche mitarbeiten sind Rentner", gibt der Sportabzeichen-Referent für den Landkreis, Alexander Süß, zu bedenken, "die gehören auch in die Risikogruppe". Und dann ist da noch die Sache mit der Verantwortung: "Den ehrenamtlich Tätigen im Breitensport fehlt es oft an Rückhalt", sagt Süß. "In dieser Situation will sich dann keiner etwas vorwerfen lassen." Überhaupt sei oft viel von Förderung des Breitensports die Rede, "aber am Ende kommt nichts dabei raus."

Ob nun die Hände oder wie in Schwandorf doch die Bälle desinfiziert werden, die Abzeichen-Fans haben eigene Wege aus der Krise gefunden. "Klar, der Aufwand ist größer", sagt Thomas Fink vom Schwandorfer Stadtverband für Sport. Das sei in Kultur, Einzelhandel und Gastronomie nicht anders, zieht er Parallelen und macht Mut: "Man darf jetzt den Kopf nicht in den Sand stecken."

Beim Sportabzeichen gibt es heuer eine zusätzliche "Disziplin" zu beachten: Hände desinfizieren. Vor allem beim Ballkontakt achten die Prüfer darauf, dass die durch Corona bedingten Hygiene-Regeln eingehalten werden. Einige Vereine verzichten allerdings ganz auf eine Teilnahme.

Den ehrenamtlich Tätigen im Breitensport fehlt es oft an Rückhalt. In dieser Situation will sich dann keiner etwas vorwerfen lassen.

Alexander Süß, Sportabzeichen-Referent im Landkreis

So beliebt ist das Sportabzeichen in einem normalen Jahr

Neunburg vorm Wald
Deutsches Sportabzeichen:

Deutsches Sportabzeichen

Das Deutsche Sportabzeichen ist ein Abzeichen für bestimmte sportliche Leistungen, das vom Deutschen Olympischen Sportbund verliehen wird. Die erforderlichen Leistungen sind nach Altersstufen, Geschlecht und Leistungsklassen gestaffelt. Grundsätzlich gibt es vier Bereiche, die abgedeckt werden sollen: Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination. Auch Seilspringen, Radfahren und Nordic Walking zählen zu den Disziplinen, in denen die Breitensportler brillieren können. Überblick auf www.deutsches-sportabzeichen.de.

 

 

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