29.11.2018 - 18:50 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Staatsanwalt: Der Täter soll elf Jahre in Haft

Wenn einer Mörder ist, kann er nur unter besonderen Umständen einer lebenslangen Freiheitsstrafe entgehen. Das trifft nach Ansicht der Staatsanwaltschaft auf einen 59 Jahre alten Schwandorfer zu. Er soll elf Jahre hinter Gitter.

In diesem Haus im Süden der Stadt Schwandorf hatte sich am 21. Februar der Vorfall abgespielt, der zur Mord-Anklage führte.
von Autor HOUProfil

Was sich am Abend des 21. Februar 2018 in einem Reihenhaus an der Lindenstraße in Schwandorf abspielte, ist an zwei Prozesstagen vor dem Amberger Schwurgericht ausführlich erörtert worden. Dabei war unstrittig, dass sich ein 59-Jähriger, der seine Frau im gemeinsamen Ehebett erwürgte, in einer Ausnahmesituation befand. Die Umstände offenbarten sich dramatisch: Die Gemahlin durch erlittene Hirninfarkte schwer krank, das Mietverhältnis gekündigt, eine Obdachlosigkeit drohte.

Bis zum Schluss blieb ungeklärt, wieviele Flaschen Bier der Täter vor dem Verbrechen getrunken hatte. Er selbst machte in Vernehmungen unterschiedliche Angaben. Hinzu kam: Eine Blutentnahme konnte erst viele Stunden nach der Tat erfolgen. Fest aber stand zweierlei: Er war Alkohol seit Jahrzehnten gewohnt und er ging unter Alkoholeinwirkung ins gemeinsame Schlafzimmer, um seine schlafende Frau zu töten.

Am zweiten Prozesstag bestätigte der Nürnberger Psychiater Thomas Lippert dem geständigen Beschuldigten, dass sich bei ihm eine depressive Stimmung durch die häusliche Lage entwickelt habe. Trotz genossenen Alkohols hielt Lippert die Einsichts- und Steuerungsfähigkeit bei dem Mann nicht für aufgehoben. Mit anderen Worten: Er wusste schon irgendwie, was er tat, als er sich dazu entschloss, die seit 35 Jahren mit ihm verheiratete Frau umzubringen.

In seinem Plädoyer ließ Leitender Oberstaatsanwalt Joachim Diesch keinen Zweifel daran: "Er hat heimtückisch gehandelt und die Wehrlosigkeit seiner schlafend im Bett liegenden Frau ausgenutzt." Von daher also ein Verbrechen mit klaren Mordmerkmalen und im Regelfall mit lebenslanger Haft zu sühnen.

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Der Anklagevertreter beschrieb aber auch die prekäre Lage des Angeklagten und äußerte Verständnis dafür, dass er sich mehr und mehr um die Zukunft sorgte. "Er wollte ein Problem lösen und hat neue geschaffen", beschrieb Diesch das Verbrechen. Das Gesetz lässt unter besonderen Voraussetzungen eine sogenannte Strafrahmenverschiebung bei Mord zu. Auf diese Regelung stützte sich der Chefermittler und verlangte elf Jahre Haft für den Mann, "der sich überfordert sah und deshalb in seinem Kopf das Bild einer endgültigen Lösung formte." Danach beschrieb Verteidiger Gunther Haberl eineinhalb Stunden lang die Situation seines Mandanten. Er führte den Richtern vor Augen, wie der Mann sich sofort zu seiner Tat bekannt habe, den Polizisten von seinen panikartigen Sorgen erzählte und dabei auch den regelmäßigen Bierkonsum nannte. Der Anwalt sprach von einer Verzweiflungstat und sah darin keinen Mord gegeben. "Es war Totschlag", gab Haberl dem Schwurgericht mit auf den Weg zur Urteilsberatung und hielt dafür einen Freiheitsentzug von maximal neun Jahren für ausreichend.

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