28.11.2018 - 19:22 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Tödliches Drama im Reihenhaus

Als die Polizei kommt, ist das Opfer schon seit vielen Stunden tot, erwürgt im Bett vom eigenen Ehemann. Finale eines häuslichen Geschehens, das nur unter Berücksichtigung einer Vorgeschichte juristisch eingeordnet werden kann.

Vor dem Schwurgericht in Amberg läuft ein Mordprozess. Angeklagt: ein 59-jähriger Schwandorfer.
von Autor HOUProfil

Was über das Schwurgericht in Amberg hereinbricht, erweist sich als eine schier unglaubliche Fülle an Dramatik. Vor den drei Berufsrichtern und zwei Schöffen sitzt ein Schwandorfer (59), der mit versteinertem Gesicht und unter Tränen zugibt, seine Ehefrau heuer am Abend des 21. Februar getötet zu haben. Sein Sohn (31) und seine beiden Schwestern, die alle nicht aussagen mochten, strafen ihn mit Missachtung.

Plötzlich vor dem Nichts

Das Geschehen baute sich langsam auf. Vor weit über drei Jahrzehnten die Ehe geschlossen, immer im Einvernehmen geblieben. Geburt des Sohnes, vor 14 Jahren Bezug eines angemieteten Reihenhauses im Süden Schwandorfs. Immer ein gutes finanzielles Einkommen, keine Not. Doch dann schlug das Schicksal unbarmherzig zu. Die Frau erkrankte. Sie wurde von zwei Gehirninfarkten zum Wrack gemacht. Das schuf Probleme für ihren sie umsorgenden Mann. "Sie konnte nicht mehr kochen", hörte nun die Vorsitzende Richterin Roswitha Stöber. Doch das erschien eher zweitrangig neben dem, was der Ehemann ansonsten nicht bewältigen konnte. Wäschewaschen nur noch gelegentlich, Putzen und Reinigungsaufgaben wie eine Wand, die sich nicht übersteigen ließ. Und daneben eine Frau, die sich durchs Haus schleppte, in den Fernseher starrte und im Bett lag. Fremde Hilfe lehnte sie ab.

Die Welle des vom Leben geschickten Orkans wurde noch heftiger: Der 59-Jährige sollte ins Krankenhaus zur Schulteroperation, und er bekam die Kündigung seines Mietvertrags. Der Mann suchte nach neuem Zuhause, gab Anzeigen auf, wandte sich verzweifelt an Behörden. Doch dort erfuhr er nach eigenem Bekunden, dass es solche Sozialfälle zuhauf gebe. Die Obdachlosigkeit stand bevor.

Wegen Mord angeklagt

In dieser Lage ging der Arbeiter heuer am Abend des 21. Februar hinauf ins erste Obergeschoss und tötete seine Frau. Er drückte der im Ehebett liegenden 65-Jährigen den Hals zu, das schlafende Opfer leistete keine Gegenwehr. "Hätte sie das getan, hätte ich sofort aufgehört", erfuhren die Richter im Prozess.

Weiterer Artikel zum Prozess

Amberg

Der wegen Mordes angeklagte Arbeiter, nach dem Verbrechen mit einem Selbsttötungsversuch gescheitert und zur Tatzeit erheblich unter Alkohol stehend, hat sich auf der Anklagebank als einer gezeigt, der ehrlich alle Fragen beantwortet. Zum Beispiel diese: "Hat Ihre Frau einmal davon gesprochen, dass sie nicht mehr leben möchte?" Seine Antwort: "Nein. Aber sie war bedrückt." Weil das, was da nach langer perfekter häuslicher Gemeinschaft passierte, für sie unerträglich gewesen sei. Erst viele Stunden nach dem Tötungsdelikt wurde am 22. Februar gegen 16 Uhr die Schwandorfer Polizei angerufen. Der Täter meldete sich und sagte: "Ich habe meine Frau erwürgt." Als Funkstreifenbesatzungen eintrafen, stand er vor dem Reihenhaus. Er hatte die Leiche zugedeckt und ließ sich festnehmen.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.