23.02.2020 - 14:40 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Starkes Stück Stadtgeschichte

Die Stadtmauerreste an der Schwandorfer Spitalstraße überraschten die Forscher nicht, wohl aber die Wuchtigkeit. Die Untersuchungen laufen weiter. Ob die Mauer sichtbar bleiben kann, ist fraglich.

Bei Ausgrabungen neben dem Spitalparkplatz wurden 2019 Reste der Stadtmauer gefunden. Die Untersuchungen werden heuer fortgesetzt und abgeschlossen, dann kann das Landesjugendamt bauen.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Die Stadt hat im 15. Jahrhundert eine Steuer erhoben, um eine Befestigung zu bauen. Das lässt sich im Archiv belegen. Holzproben, die an der Spitalstraße auf dem Baugrundstück für das Landesjugendamt entdeckt wurden, lassen darauf schließen, dass Mitte des 15. Jahrhunderts eine Mauer gebaut wurde. Sie schützte die Stadt zur Naab hin, daneben soll einmal das Amberger- oder Spitaltor Einlass gewährt haben.

Über 500 Jahre später stießen Archäologen im Sommer 2019 bei Befundungen auf Mauerreste. Rund 1,20 Meter lang, wuchtig. Grund für die Schürfe war der geplante Bau des Landesjugendamtes, der die klaffende Lücke in der Stadtansicht von Westen her füllen soll. Im Bauausschuss legte Dr. Christoph Steinmann vom Landesamt für Denkmalpflege am Dienstag erste Ergebnisse der Grabungen vor.

Fundgrube für Archäologen

Neben den Mauerresten entdeckten die Forscher eine Latrine. Was unappetitlich klingt, ist in der Regel eine Fundgrube für Archäologen. Denn die Altvorderen ließen auch so manchen Abfall in den Gruben verschwinden, der so die Jahrhunderte überdauerte. Keramikscherben aus unterschiedlichen Zeitstellungen tauchten auf, außerdem Hinweise auf einen möglichen Stadtmauerturm. Gerade einmal 30 bis 50 Zentimeter unter der Oberfläche lagen die ersten Funde. Die Bauherrn vom staatlichen Hochbauamt hatten damit gerechnet, dass an dieser exponierten Stelle historische Funde auftauchen würden (wir berichteten).

Der Baubeginn für die Außenstelle des Landesjugendamts ist auf 2021 terminiert. "Aus denkmalfachlicher Sicht steht dem nichts im Weg," erläuterte Steinmann. Aktuell sind die Funde wieder abgedeckt, um sie vor dem Winterwetter zu schützen. In diesem Jahr wird die Befundung und Dokumentation fortgesetzt. Steinmann hob hervor, dass früh in der Planungsphase alle Beteiligten an einem Tisch saßen und so der größtmögliche Erhalt der Mauerreste gesichert werden könne.

Problem durch Grundwasser

Allerdings: Der Wunsch der SPD-Fraktion, dieses Denkmal auch künftig sichtbar zu halten, wird wohl nicht erfüllt werden können. Steinmann führte den Grundwasserpegel in nur gut einem Meter Tiefe ins Feld. Hochwasser würde in das neue Gebäude drücken, ließe man die Mauerfunde offen. Auch einer Abdeckung mit einer Glasscheibe steht der Fachmann kritisch gegenüber. Neben dem Wasser-Problem könnten auch Licht, Luft und möglicher Bewuchs dem Denkmal schaden. Wie auch immer gearteten Hinweisen auf die archäologischen Funde steht der Fachmann aber offen gegenüber.

Wie sie aussehen könnten, hängt auch von den Plänen für das Amt ab, die derzeit noch mit der Stadt abgestimmt werden. Bedeutend für die Historie ist der Fund auf jeden Fall. Zwar war davon auszugehen, dass die Schwandorfer die Stadt ihre Stadt nicht ausgerechnet zur Naab hin ungeschützt gelassen hätten. Aber authentische Ansichten der Stadt von dieser Stelle existieren nicht, auch das Urkataster brachte keinen Hinweis.

Funde an der Spitalstraße

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Über den Winter gesichert

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