24.05.2020 - 16:09 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Staubtrocken: Dürre bereitet Bauern Sorgen

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Meteorologen und Klimaexperten sagen den nächsten Dürresommer voraus. Den Landwirten im Landkreis Schwandorf wird angst und bang. Der Regen der vergangenen Wochen ist nur ein bisschen Balsam für die ausgetrockneten Böden.

Staubwolken zieht dieser Traktor auf einem Acker zwischen Pfreimd und Nabburg hinter sich her.
von Irma Held Kontakt Profil

Den Regen der vergangenen Woche will der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) Josef Irlbacher nicht gering schätzen. "Er hilft unmittelbar, aber füllt nichts auf." Der Landwirt meint damit die Wasserspeicher im Boden. Fehlendes Wasser erschwere die Nährstoffaufnahme der Pflanzen, führe zu einer verringerten Blattmasse und Bestandsdichte und somit zu Ertragseinbußen, erläutert Irlbacher auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. Jedem Hobbygärtner ist das nicht fremd.

Trockene Jahre hat's immer wieder gegeben, ist dagegen von denen zu hören, die den Klimawandel nicht wahrhaben wollen. Landwirte allerdings führen die Dürre 2015 sowie die Trockenjahre 2018 und 2019 mit Hitzerekorden ins Feld. Heuer sieht es nicht gerade besser aus. Für den BBV ist diese Häufung zusammen mit lokalem Starkregen ein Ausdruck dessen, "dass der Klimawandel voll im Gang ist und auch für die heimische Landwirtschaft nichts Gutes verheißt".

Rückgriff auf Reserven

Die unzureichende Grundwasserneubildung erfordert zunehmend den Rückgriff auf Reserven. Genauso verhält es sich nach Angaben des BBV im Landkreis Schwandorf mit den Wasservorräten in den Böden. Diese seien mit einigen Ausnahmen auf einem Minimum angelangt. "Das Wintergetreide konnte sich bisher bis auf leichte Standorte noch einigermaßen entwickeln", betont der Kreisobmann. "Die Niederschläge der vergangenen Woche sind gerade noch rechtzeitig gekommen, die Bestände leben aber von der Hand in den Mund." Jetzt sei entscheidend, was im Mai und Juni runterkomme.

Das vergangene Jahr

Oberpfalz

Regen ab Mitte Mai tut Not

"Die Bodenfeuchte ist einfach zu gering, um eine weitere Trockenphase bis zur Ernte überbrücken zu können", erklärt Irlbacher. Für Frühjahrssaaten, wie Sommergerste und Hafer, auch für die in den vergangenen Wochen gelegten Kartoffeln und den gesäten Mais, seien die letzten Niederschläge ausreichend. Die Kartoffeltriebe zum Beispiel würden anfangs noch von der gepflanzten Knolle versorgt. Spätestens ab Mitte Mai brauchen sie Wasser, also Regen, um zügig wachsen zu können. Den Frühkartoffeln setzen im Gegensatz dazu eher die Spätfröste (Eisheilige) zu.

Das Frühjahr 2020

Weiden in der Oberpfalz

Die Trockenheit macht laut BBV auch Rinderhaltern zu schaffen. Das Futter wird knapp, die Vorräte schwinden. Wer Milchkühe hält, schaut besonders auf den ersten Grünfutter-Schnitt. Und damit ist es, angesichts der Trockenheit im April, nicht weit her. Um 20 bis 30 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt fuhren die Landwirte nach Wissen des Kreisobmanns weniger ein. "Auf Waldwiesen und kälteren Standorten ist bisher kein erntewürdiger Futterbestand vorhanden." Hier sei Abwarten angesagt.

Die Landwirte setzen auf den Wachstumsmonat Mai mit ergiebigen Regenfällen. Für diese Woche bleibt das ein frommer Wunsch. Regen ist nicht in Sicht. Die Bauern fahren auf Sicht. Sie sind es gewohnt mit der Natur zu arbeiten, auf sie angewiesen. Gegen das fehlende Nass von oben ist kein Kraut gewachsen, da können die Anbausysteme noch so ausgeklügelt und die Sorten noch so angepasst sein.

"Die Hoffnung gehört mit zu unserer Arbeit." Der Kreisobmann fügt an, "dass ein Schöpfen aus dem Vollen, wie es unsere Bevölkerung kennt, nicht selbstverständlich ist." Die zunehmenden Klimarisiken stuft er als gesamtgesellschaftliches Problem ein, das nicht alleine die Bauern betreffe.

Irlbacher und BBV-Geschäftsführer Josef Wittmann verweisen auf den Dürremonitor des Helmholtzinstituts. "Auf diesen Karten ist für unsere Region eine extreme Bodendürre ausgewiesen. Das bedeutet, dass bei ausbleibenden Regen in den nächsten Wochen die Pflanzenbestände schnell von beginnenden Trockenstress beziehungsweise sogar Trockenstress mit deutlich negativen Auswirkungen auf den Ertrag betroffen sein können." Unter der Trockenheit leidet nach Aussagen der Beiden unter Umständen auch die Qualität. Übersichtskarten des Helmholtzinstituts: https://www.ufz.de/index.php?de=37937

Die Niederschläge der vergangenen Woche sind gerade noch rechtzeitig gekommen, die Bestände leben aber von der Hand in den Mund.

Josef Irlbacher, BBV-Kreisobmann

Josef Irlbacher, BBV-Kreisobmann

Genehmigung für Beregnung:

Genehmigung erforderlich

Pumpe an und das angrenzende Kartoffelfeld mit Wasser aus der Naab bewässern, wenn der nasse Segen von oben ausbleibt. So einfach geht's nicht. Jede Form der künstlichen Beregnung muss nach den Worten von BBV-Kreisobmann Josef Irlbacher genehmigt werden. Da ist es ganz egal, ob das Wasser aus Flüssen, Bächen, dem eigenen Teich oder Brunnen entnommen wird, das Landratsamt muss dies erlauben. Das geht Irlbacher zufolge relativ kurzfristig. Der Landwirt müsse aber mit Einschränkungen rechnen, wenn es der Wasserstand nicht zulasse. Im Juni und Juli hält Irlbacher eine Beregnung der Kartoffelfelder bei Trockenheit für sinnvoll. Knallt die Sonne auf die Felder, sei es ratsam mit Wasser die Dämme zu kühlen. "Bei über 30 Grad wächst die Kartoffel nicht mehr". Es gehe darum, "vielfach die Kultur über die Trockenphase rüber zu retten". Bei Sonderfrüchten, wie Erdbeeren, sei eine Beregnung ebenso zu empfehlen.

Der Grünlandwuchs lässt zu wünschen übrig.
Risse im Boden, auf dem dieser Winterweizen wächst, zeugen von der Trockenheit.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.