27.01.2019 - 13:18 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Stehender Beifall für Hans Schuierer

Als der Schwandorfer Altlandrat und WAA-Gegner Hans Schuierer zur Verleihung des Bayerischen Filmpreises erscheint, erheben sich die Gäste im Münchener Prinzregententheater und klatschen ihm stehend Beifall. Nur einer enthält sich.

Altlandrat Hans Schuierer (Mitte) übergab am Freitagabend im Münchener Prinzregententheater den Sonderpreis des bayerischen Filmpreises an Oliver Haffner (links), den Regisseur von „Wackersdorf“; rechts Moderator Christoph Süß.
von Autor HOUProfil

Bayerischer Filmpreis in München und alles da, was Rang und Namen hat. Die Prominenz gab Autogramme und Interviews am roten Teppich.

Hape Kerkeling war anwesend, Katastrophenfilm-Macher Roland Emmerich bekam eine Trophäe für sein Lebenswerk, Marie Bäumer wurde für schauspielerische Leistungen geehrt und "Quer"-Denker Christoph Süß moderierte.

Eine Galavorstellung, in deren Mittelpunkt dann ganz plötzlich der Schwandorfer Altlandrat Hans Schuierer stand. Aus gutem Grund: Der von Ingo Fließ produzierte und von Regisseur Oliver Haffner in Szene gesetzte Film "Wackersdorf" bekam einen Sonderpreis.

"Hoppla, Risiko"

Erst holte Süß mit Richard Loibl den Direktor des Hauses der bayerischen Geschichte auf die Bühne. Er beschrieb, wie da ein oberpfälzischer Landrat plötzlich Zweifel an einem Atomprojekt namens Wiederaufarbeitungsanlage bekam und sich wohl dachte: "Hoppla, da ist ein Risiko dabei". Nukleare Gefahren also für seinen Landkreis und weit darüber hinaus.

Soweit die historische Einordnung eines Milliardenprojekts, gegen das sich in den 1980er Jahren Hunderttausende stemmten. Mit einem Mann an der Spitze, der irgendwann vor Gericht landete. Mit dem Ziel einer sich an die Seite der Befürworter stellenden CSU-Staatsregierung, die den damaligen Schwandorfer SPD-Landrat seines Amtes entheben lassen wollte und wegen ihm Gesetze änderte.

Sonderpreis für "Wackersdorf"-Regisseur Oliver Haffner

München

Wer hätte diesen Sonderpreis für "Wackersdorf" sonst an den Regisseur überreichen sollen, als Hans Schuierer? Als er aus den Kulissen auf die Bühne kam, war das, was dann geschah, ein später Lohn für sein vor drei Jahrzehnten in die Mangel genommenes Demokratieverständnis. Die Gäste erhoben sich und anerkannten Schuierers Leistung mit langen Ovationen. Der am 6. Februar 88 Jahre alt werdende Sozialdemokrat nahm das mit sichtlicher Rührung zur Kenntnis.

Was Hans Schuierer danach redete, war Klartext: "Alles, was damals geschehen ist, gilt als Lehrbeispiel dafür, dass so etwas einfach nicht passieren darf." Dann zitierte der Schwandorfer Altlandrat den Autor Bert Brecht: "Wenn Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht." Erneut wurde lange geklatscht.

Kommentar: Der Preis für die anderen

Schwandorf

"Dieser Film war überaus wichtig", sagte Schuierer, als er an Regisseur Haffner den Sonderpreis übergab. Haffner dankte dem sich jeglicher Beifallskundgebung enthaltenden Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) für die Ehre der Verleihung und formulierte dann den Satz: "Eine Würdigung der damaligen Proteste steht von offizieller Seite her noch immer aus." Doch Bayern dürfe stolz sein auf den gegen die WAA geleisteten Widerstand.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Tobias Punzmann

Da ist Fremdschämen angesagt für unseren Sinisterpräsidenten!
Seehofer hätte wohl die selbe peinliche Figur wie Söder hier abgegeben, aber er hätte sich wenigstens noch selber geschämt.

28.01.2019
A. Schmigoner

Ministerpräsident Söder hat gegenüber Schuierer eine Gelegenheit verpasst Größe zu zeigen. Leider tut sich die CSU noch immer sehr schwer mit dem Thema WAA und den damaligen Fehlern der Staatsregierung. Manchmal kommt halt doch noch der "alte Söder" wieder durch. Schade!

27.01.2019