31.07.2019 - 09:31 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Ein Stück Wilder Westen mitten in der Oberpfalz

Revolverhelden, Banditen und Cowboys sind nur noch in alten Western zu sehen? Von wegen. Die gibt es sogar mitten in der Oberpfalz – in Wild Bunch - einer Westernstadt in einem alten Steinbruch bei Teublitz - nämlich.

Willkommen in Wild Bunch, der Westernstadt mitten in der Oberpfalz.
von Autor EWAProfil

High Noon in der Westernstadt: Während der Marshal noch zufrieden auf dem Schaukelstuhl vor dem Office sitzt und sich freut, dass ihm endlich der Bandit in die Falle gegangen ist, der schon lange steckbrieflich gesucht wurde, spitzt sich die Lage im Saloon zu. Denn hier treffen gerade Revolverheld Wild Bill und Rumtreiber Tom Dooley aufeinander. Bald könnten die Colts rauchen, doch zunächst trinkt man noch einen Whisky zusammen … „Das Schöne ist, dass man hier einfach seine Fantasie frei ausleben kann“, sagt Thomas „Tom Dooley“ Pecher. „Das ist jedes Mal wie eine Auszeit vom Alltag.“ Und die genießen alle Mitglieder des Western & Country Clubs Wild Bunch regelmäßig.

Historische Waffen

„Früher haben wir ‚Bonanza‘, ‚Western von Gestern‘ oder ‚Rauchende Colts‘ rauf und runter geschaut“, so Helmut Haas. Er war damals schon dabei, als der Verein 1972 gegründet wurde. „Das was heute die Ritter sind, waren damals eben noch die Cowboys“, sagt er und lacht. „Wir wollten alle Westernhelden sein …“ Und so wurden sie es eben. Der Verein pachtete den stillgelegten Steinbruch in Saltendorf bei Teublitz und errichtete dort nach und nach die Gebäude der Westernstadt. Jede Menge Arbeit, aber die hat sich gelohnt – wie man sieht. In Wild Bunch gibt es nicht nur einen gut ausgestattenen Saloon, sondern auch ein Sheriff’s Office, das sogar zwei Zellen für Banditen beherbergt, sowie einen funktionstüchtigen Schießstand. Natürlich ganz legal, denn der Western Club ist als Schützenverein angemeldet. Der Unterschied zu einem herkömmlichen Schießstand ist, dass hier tatsächlich mit historischen Revolvern und Gewehren geschossen wird. Ganz authentisch wie damals eben, im Wilden Westen. Auf Authentizität legen die Mitglieder des Western Clubs sehr viel Wert. Nicht nur die Waffen sind historisch, auch die Kleidung wird nach alten Fotos und Vorlagen nachgeschneidert. „In Jeans und Turnschuhen kommen, das geht gar nicht“, sagt Gerhard Haas, der auch schon fast von Anfang an dabei ist, und schüttelt streng den Kopf.

Hohe Sterblichkeitsrate

„Der größte Mythos überhaupt ist ja, dass das Cowboyleben schön war. Das ist ein absoluter Schmarrn. Die waren damals alle richtig arm, mussten extrem schwer arbeiten, die Sterblichkeitsrate war hoch. Und wenn die nach fünf Monaten mal wieder in eine Stadt kamen, dann reichten schon zwei, drei Gläser Whisky und die waren richtig betrunken.“ Da hat es dann durchaus seine Vorteile, ein moderner Cowboy zu sein. Als solcher übt man sich nicht nur im Schießen, sondern auch im Lasso-, Tomahawk und Messerwerfen, sitzt gemütlich am Feuer zusammen und freut sich über die nette Gesellschaft. „Das ist das Schöne“, sagt Christoph „Wild Bill“ Ludwig. „Die Gemeinschaft, die wir haben. Wir verstehen uns alle. Was vielleicht auch daran liegt, dass wir alle einen Revolver tragen …“ Er lacht – und der Marshal legt wieder zufrieden seine Beine hoch. All- mählich neigt sich der Tag in Wild Bunch dem Ende zu – und alle Revolverhelden, Banditen, Cowboys und Trapper gehen erst einmal nach Hause. Man sieht sich ja bald wieder, im Wilden Westen.

Die Mitglieder legen Wert darauf, das Leben im damaligen Wilden Westen so genau wie möglich zu imitieren. Da darf natürlich auch ein Salon nicht fehlen.
Mythos Wilder Westen:

Als „Wilder Westen“ bezeichnet man oftmals umgangssprachlich die westlich des Mississippi gelegenen Gebiete der heutigen Vereinigten Staaten, die im 19. Jahrhundert noch keine Bundesstaaten der Union der Vereinigten Staaten waren. Zwischen 1800 und 1890 eroberten Angloamerikaner den bis da- hin noch unbekannten Westen des nordamerikanischen Kontinents. Auf ihrem Weg nach Westen durchquerten sie die weiten Prärien und bezwangen die Rocky Mountains. Die Ersten, die sich damals in die Wildnis hinauswagten, waren Trapper, also Pelztier-Jäger, und Waldläufer. Nach ihnen kamen die Planwagentrecks der Farmer und Rancher, die fruchtbares Land für Ackerbau und Viehzucht suchten. Inzwischen ist der Begriff „Wilder Westen“ mit einer bestimmten Verklärung verbunden. Revolverhelden, Banditen, Cowboys und Trapper sind nur noch in alten Western zu sehen? Von w gen. Die gibt es sogar mitten in der Oberpfalz – in Wild Bunch nämlich. Die Westernstadt in einem alten Steinbruch bei Teublitz wirkt so authentisch, dass man tatsächlich das Gefühl bekommt, mitten im Wilden Westen gelandet zu sein. „Wir tun hier das, was wir als Kin- der schon gern getan haben“, sagt Norbert „Doc“ Baumann und lacht. „Cowboy spielen.“ Das tun die Vereinsmitglieder auch heute noch. „Nur eben, das alles wirklich authentisch ist“, sagt „Doc“ und rückt seinen Marshal-Hut zurecht. Echt sind nicht nur die Colts, sondern auch der Whisky in den Gläsern im Saloon.

Eine Nacht hiner Gittern - im Wilden Westen alles andere als ein Vergnügen.
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