08.02.2019 - 17:27 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Tierquäler muss Strafe zahlen

Die Ahndung trifft ihn dort, wo es heftig schmerzt: am Geldbeutel. Trotz der 1800 Euro Geldbuße steht allerdings nach wie vor die Frage im Raum, was das für ein gefühlloser Mensch sein muss, der seinen Hund nahezu verhungern lässt.

Im Mittelpunkt eines Prozesses stand, wie Herrchen mit seinem Hund umging.
von Autor HWOProfil

Es gibt Momente, in denen man als Beobachter hofft, dass Tierquälerei den Verursacher hinter Gitter führt. Da saß ein Ignorant vor Amtsrichter Thomas Heydn, der am Donnerstag mit 2,58 Promille im Sitzungssaal eingelaufen und dann in die polizeiliche Ausnüchterungszelle verfrachtet worden war. Am Freitag wurde ein neuer Prozessanlauf gestartet. Diesmal war der 53-Jährige aus dem Raum Nabburg zwar nüchtern. Aber er blieb unbelehrbar hinsichtlich seiner wohl schon lange vorhandenen Trunksucht.

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Schwandorf

Frau in Fuß gebissen

Im Mai 2018 waren zwei Polizeibeamte im Haus des Mannes bei Nabburg erschienen. Sie brachten Beauftragte des Tierschutzvereins mit und wollten den Hund des 53-Jährigen sehen. Der Vierbeiner war auf die Hälfte seines Normalgewichts abgemagert, ihm hatte man wohl auch kein Wasser vorgesetzt, und die Krallen seiner Pfoten bohrten sich schmerzhaft ins Fleisch.

Dem Border-Collie-Mischling geht es heute gut, er hat auf Vermittlung des Schwandorfer Tierheims ein neues Zuhause gefunden. "Der Hund war hungrig ohne Ende", berichtete eine Veterinärin.

"Ich hatte damals nichts getrunken, als die Polizei kam", versicherte der Tierquäler. Doch das widerlegte sich durch Aussagen von Uniformierten. Sie kannten den von staatlicher Unterstützung lebenden Hundehalter schon vor diesem Abend als "ständig betrunken". Dann schilderten sie, wie er das angesichts des unverhofften Besuchs völlig irritierte Tier nicht an die Leine nahm und es im Gegenteil noch anspornte, Rabatz zu machen. Die Hündin biss dann auch eine 30-Jährige vom Tierschutzverein in den linken Fuß.

Geld- vor Haftstrafe

Tierquälerei, Körperverletzung und schließlich auch noch Beleidigung. Denn der 53-Jährige, der seine Ausfallerscheinungen auf eine Diabetes-Erkrankung schob, nannte die Uniformierten "A...löcher". Später sagte ihm der Richter: "Sie waren betrunken."

Staatsanwältin Raphaela Etzold verlangte in ihrem Plädoyer sechs Monate Haft zur Bewährung, nannte den Mann "völlig uneinsichtig" und bat den Richter, im Urteil auch Beratungsstunden zur Entwöhnung von der Trunksucht zu verhängen. Das aber tat der Richter nicht. Er hielt es wohl für aussichtslos. Denn da saß einer, der nicht erkennen wollte, dass er am Abgrund steht.

Richter Thomas Heydn verhängte 1800 Euro Geldstrafe. Damit wollte er den 53-Jährigen offensichtlich am Geldbeutel packen. Denn nun wird es wohl ziemlich eng für den von Hartz IV lebenden Tierquäler bei der Frage, wie er seine nächsten Alkoholrationen finanziert.

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