02.06.2020 - 10:44 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Durch die Tür ins Gefängnis

Die Geschichte gleicht einem Schwank aus dem Bauerntheater. Eine aufgebrochene Haustür spielt die Hauptrolle. Die Frage, die im Raum steht: Was ist eine 25 Jahre alte Haustür jetzt noch wert?

Vor Gericht war die Rede von einem Bagatell-Fall. Er führte dann aber doch zu einer Freiheitsstrafe.
von Autor HOUProfil

Das Wort "Bagatellkriminalität" fiel öfter in dieser Verhandlung vor der Dritten Strafkammer des Amberger Landgerichts. Auf der Anklagebank saß ein 44-Jähriger, der es offenbar nicht so genau nahm mit Mietzahlungen und Ordnung in seiner Schwandorfer Wohnung. Samt seiner Familie wurde der Mann vom Vermieter auf die Straße gesetzt. Zwar ohne gültigen Räumungsbeschluss, aber mit der nun vom Hausbesitzer fast schon stöhnend vor Richter Peter Hollweck gemachten Bemerkung: "Wir haben 14 Kubikmeter Müll ausgeräumt."

Der Vermieter ließ an der Haustür das Schloss auswechseln. Doch der Mieter wollte noch einmal hinein. Also brach er mitten in der Nacht die Tür auf. Ob das durch Tritte, Abschrauben von Brettern oder sonstwie geschah, war später nicht mehr genau zu klären. Wichtig allein erschien der später in Unterlagen auftauchende Schaden. Lag er bei 200 Euro, wie niedergeschrieben? Oder doch nur 10 oder 20 Euro, wie Rechtsanwalt Helmut Miek (Sulzbach-Rosenberg) in die Debatte warf.

Um ein Haar wäre deswegen ein Sachverständiger für Türen um Rat gefragt worden. Verteidiger Miek stellte einen entsprechenden Antrag. Doch die Strafkammer lehnte diese Experten-Beauftragung ab. "Das können wir schon selbst einordnen", unterstrich Richter Hollweck.

Dass er etliche Vorstrafen mitbrachte, erwies sich für den Angeklagten als unvorteilhaft. Vor seiner Attacke auf die mit neuem Schloss versehene Tür hatte er bei der Polizei angerufen, sein Problem geschildert und erfahren: "Wir können da nicht helfen. Holen Sie einen Schlüsseldienst. Aber brechen sie ja nicht auf."

Das Problem war nun: Der 44-Jährige saß schon im Knast und durfte deshalb bei einer ersten Verhandlung vor dem Schwandorfer Amtsgericht nicht auf Bewährung hoffen. Der Richter schickte ihn acht Wochen ins Gefängnis. Dabei blieb es nun auch in der Berufungsinstanz. Die Sachbeschädigung sei erwiesen, gab der Kammervorsitzende Hollweck zu verstehen. Dabei spiele es keine Rolle, wie hoch der Schaden an der Tür war.

Ein Mann aus Schwandorf will eine 13-Jährigen beim Sterben helfen

Amberg
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.