10.01.2021 - 12:08 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Über blauen Knopf in den Unterricht

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Schüler, Eltern und Lehrer sind ab kommendem Montag wieder besonders gefordert: Distanzunterricht. Abc-Schützen gilt dabei besonderes Augenmerk, erläutert Schulamtsdirektor Johann Hilburger.

Lehrerin Anja Pongratz an der Eisenbarth-Schule Oberviechtach nutzt schon vor der Schulschließung die Notebooks in ihrer Klasse, um die Schüler auf die Anforderungen der digitalen Welt vorzubereiten. Das können sie jetzt gut gebrauchen.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Digitale Lernangebote – das schreibt sich leicht hin. Wie aber unterrichtet man Kinder auf Distanz, die das Lesen und Schreiben, die wichtigsten unserer Kulturtechniken, gerade erst lernen? Vier wichtige Punkte erläutert Schulamtsdirektor Johann Hilburger.

Erfahrungsgemäß hänge der Lernerfolg neben gutem Distanzunterricht durch die Lehrkraft stark von einer Unterstützung durch die Eltern oder Betreuungspersonen ab, so Hilburger mit Blick auf die ersten und zweiten Klassen. Drei weitere Schwerpunkte gelte es zu bedienen: klare, strukturierte Arbeitsaufträge, multimediale Unterstützung auch der Eltern - etwa mit Erklärvideos - und stetige Kommunikation.

Insbesondere für Erstklässler werde herkömmliches Arbeitsmaterial ausgegeben - klassisch als Arbeitsblatt – wieder eingesammelt und korrigiert. "Gerade das Schreiben auf Papier in Zeilen und das Lesen von Schrift sind ja ein Schwerpunkt im Anfangsunterricht", so Hilburger.

Erklärvideos

Damit die Schüler zurecht kommen und die Eltern unterstützt werden können, haben sich laut Schulamtsdirektor ergänzend zu den Arbeitsmaterialien, wie Arbeitshefte und Arbeitsblätter, Erklärvideos bewährt, in denen die Lehrkraft anschaulich Inhalte und Aufgaben erläutert. Solche Videos helfen Schülern in den ersten beiden Klassen besonders, weil die Lehrkraft des Kindes zu hören und zu sehen ist - es werde an der Beziehungsebene angeknüpft. "Die Arbeit mit Erklärvideos wurde seit September auch mit den Erstklässlern eingeübt", so Hilburger.

Besonders wichtig sei die direkte, engmaschige Kommunikation mit Eltern und Kindern. Aus den Erfahrungen im ersten Lockdown wurden verschiedene Kanäle eröffnet: Messenger-Dienste etwa, aber auch Videokonferenzen. Neben der Elternkommunikation sei es besonders wichtig, die Schüler trotz geringer Lese- und Schreibfähigkeiten zur Kommunikation anzuregen. Dabei geht es nicht nur um Lerninhalte. Sozialer Austausch und Beziehungspflege in Schülertelefonsprechstunden, Klassenvideochats und tägliche Lerntagebuch-E-Mails (natürlich unter Mithilfe der Eltern) gehören laut Hilburger auch dazu. Seit Dezember können die Schulen "BigBlueButton" (BBB, zu Deutsch "Großer blauer Knopf") nutzen - eine Videokonferenz-Plattform, das der Landkreis finanziert und das Medienzentrum (früher Kreisbildstelle) aufgesetzt hat. Zwei Server wurden dafür angemietet.

Neue Plattform

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Videokonferenzen haben sich laut Hilburger als sehr effektives Werkzeug erwiesen, um die Schüler von Zuhause in den Unterricht zu holen. Bereits bis zu Beginn der Weihnachtsferien hatten alle Grund- und Mittelschulen an BBB-Fortbildungen teilgenommen. Diese Fortbildungen werden laut Hilburger in den kommenden Wochen weiter verstärkt angeboten, ebenso Fortbildungen zu weiteren digitalen Tools. Die Grund- und Mittelschulen nutzen darüber hinaus Mebis - die viel kritisierte Lernplattform, die nun besser funktionieren soll.

Laut Hilburger nahmen die Schulen im Landkreis seit den Sommerferien das Thema "Distanzlernen" in den Fokus, um die Kinder und Jugendlichen, aber auch Lehrer und Eltern auf einen mögliche Schulschließung vorzubereiten. "Im Präsenzunterricht wurden die digitalen Medien verstärkt eingesetzt, sinnvolle Programme aufgezeigt und mit diesen gearbeitet, um möglichst gut für Phasen des Wechsel- oder Distanzunterrichts vorbereitet zu sein", erklärt Hilburger.  Bis auf wenige Ausnahmen waren die schon vor den Ferien von Quarantäne-Maßnahmen, mussten Klassen also auf Distanzunterricht wechseln. Die Konzepte für die neuen Unterrichtsformen wurden schon vor dem Schulstart im September erarbeitet, nun über Weihnachten nochmal nachgeschärft, so Hilburger. Die Fortbildungen für Lehrer seien auch beinahe ausschließlich auf dieses Thema ausgerichtet.

Notbetreuung

An den Grund- und Mittelschulen wird für die Jahrgangsstufen 1 bis 6 eine Notbetreuung angeboten. Kinder können an der Notbetreuung teilnehmen, wenn Eltern keinen Urlaub mehr nehmen können oder vom Arbeitgeber nicht freigestellt werden. Alleinerziehende, selbstständig oder freiberuflich tätige Eltern haben ebenfalls Anspruch. Dazu kommen Eltern, die Anspruch auf Hilfen zur Erziehung haben. "Aktuell ist die Nachfrage im Schulamtsbezirk noch nicht absehbar", so der Schulamtsdirektor. Zur Organisation und zum personellen Einsatz der Lehrkräfte werde auf die Erfahrungen aus den Monaten des Lockdowns im Frühjahr zurück gegriffen.

Dass die Faschingsferien ausfallen, sieht Hilburger positiv: "Eine zusätzliche Unterrichtswoche, im Idealfall im Präsenzunterricht, trägt dazu bei, die Bildungschancen der Schülerinnen und Schüler in der derzeitigen Ausnahmesituation zu sichern."

"Die Möglichkeit der Videokonferenzen hat sich als ein sehr effektives Werkzeug erwiesen, um die Schüler von Zuhause in den Unterricht zu holen."

Schulamtsdirektor Johann Hilburger, Fachlicher Leiter des Schulamts Schwandorf.

Schulamtsdirektor Johann Hilburger, Fachlicher Leiter des Schulamts Schwandorf.

Auch für die Förderschulen im Landkreis Schwandorf sei gewährleistet, dass die Kinder auch ab der ersten Klasse am Distanzunterricht teilnehmen können. Das teilte der Sprecher der Regierung der Oberpfalz, Markus Roth, auf Nachfrage mit. Einerseits geben die Lehrkräfte an den Arbeitsblätter und Aufgaben in Papierform, per Email oder über Mebis aus. Zusätzlich werden den Schülerinnen und Schülern verschiedene Tools für Videokonferenzen angeboten, um direkt mit den Schülerinnen und Schülern in Kontakt zu treten. Auch die Förderschulen nutzen laut Roth BigBlueButton (BBB). Auch Videokonferenzen über "MS-Teams" können unabhängig von Mebis genutzt werden.

Zusätzlich würden, so Roth, von den Förderschulen Lizenzen für Spezialprogramme zur Förderung von Schülern mit besonderem Förderbedarf vorgehalten. Leseförderung finde obligatorisch in kleineren Gruppen und individuell statt und werde nun ab 11. Januar über Videokonferenzen angeboten und begleitet. "Sollten bei den Endgeräten in den Elternhäusern der Schülerinnen und Schüler Probleme auftreten, sind iPads als Leihgeräte vorhanden", so Roth. Die Schulen und Lehrkräfte haben im Rahmen der Vorgaben des Kultusministeriums einen eigenen Gestaltungsspielraum zur Umsetzung des Distanzunterrichts. Eine Notfallbetreuung wird es auch an den Förderschulen bis einschließlich zur sechsten Klasse geben.

Der Kultusminister zu Schulschließungen

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Hintergrund:

Über 7600 Schüler, 656 Lehrer

Einige Zahlen aus dem Schulamtsbezirk Schwandorf:

  • 49 Schulen, darunter eine private Grundschule, zählt der Schulamtsbezirk.
  • An den Grundschulen werden derzeit 4940 Kinder unterrichtet.
  • 1228 Abc-Schützen besuchen seit 8. September die ersten Klassen.
  • 15 Mittelschulen bestehen im Landkreis.
  • 2670 Mittelschüler weist die Statistik aus.
  • 656 Lehrer kümmern sich im Schulamtsbezirk um insgesamt 7610 Kinder und Jugendliche.
Ein Mund-Nasen-Schutz liegt auf dem Tisch einer Schülerin. Ab heute heißt es wieder: Distanzunterricht.
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