02.06.2021 - 10:30 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Verabschiedung mit Verspätung am Schwandorfer Amtsgericht

Eigentlich ist der ehemalige Direktor des Schwandorfer Amtsgerichts, Ewald Ebensperger, schon länger im Ruhestand. Die offizielle Verabschiedung fand aber erst jetzt statt. Das hat einen einfachen Grund.

Wegen Corona weit auseinander und doch im engen beruflichen Schulterschluss: Der ehemalige Amtsgerichtsdirektor Ewald Ebensperger, die amtierende AG-Direktorin Petra Froschauer und Oberlandesgerichtspräsident Dr. Thomas Dickert (von links).
von Autor HOUProfil

Amtswechsel gingen vor der Pandemie mit größeren Feierlichkeiten einher, jetzt werden sie in denkbar kleinem Rahmen vollzogen. Noch genauer: Beim Amtsgericht Schwandorf hat es ein Jahr gedauert, bis der ehemalige Direktor Ewald Ebensperger von Thomas Dickert, dem Präsidenten des Oberlandesgerichts Nürnberg, in den Ruhestand verabschiedet wurde.

Dem Chefpräsidenten, wie er in Fachkreisen genannt wird, unterstehen 17 Amtsgerichte. Von daher dauerte es eine Weile, bis er jetzt dem AG Schwandorf seine Aufwartung machte und sich dort zunächst dem von seinem Wohnort Amberg angereisten Ewald Ebensperger zuwandte. Dickert sprach von einer "außergewöhnlichen Richterpersönlichkeit", nannte Direktor a. D. Ebensperger einen "klugen und überlegt handelnden Juristen."

Ewald Ebensperger hatte im Vorjahr mit dem Ziel des Ruhestands seinen Direktorenposten in Schwandorf verlassen und tat das nach einer Vielzahl von Verwendungen bei der bayerischen Justiz. Schwandorf sei ihm ans Herz gewachsen, bekannte Ebensperger, lobte die über 80 Bediensteten des Amtsgerichts und ließ erkennen, dass es sich bei seiner Nachfolgerin Petra Froschauer "um die Wunschkandidatin handelte."

Petra Froschauer ist nun seit genau einem Jahr im Amt als Direktorin. Das fiel nach ihren Worten genau in die Zeit der Pandemie und damit in eine Phase des Umbruchs, der auch Schwandorfs Justiz vor zunächst unüberblickbare Herausforderungen gestellt habe. Die Direktorin schilderte, wie man sich in neue Situationen buchstäblich hineintastete und es trotzdem schaffte, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Mit Maßnahmen innerhalb des Hauses, aber auch durch Homeoffice eines Teils der Belegschaft. "Für uns gab es viele neue Erfahrungen", unterstrich die Direktorin. Ihr hatte OLG-Präsident Dickert zuvor Durchsetzungskraft und Gestaltungsvermögen attestiert.

"Wir mussten vieles lernen", bilanzierte Petra Froschauer das zurückliegende Jahr. Hinzu kam ein sich nahezu permanent vollziehender Richterwechsel, vornehmlich bedingt durch Elternzeiten. 13 Richterstellen hat das Amtsgericht Schwandorf, zehn davon sind momentan besetzt. Die AG-Chefin schilderte dem OLG-Präsidenten, dass es nicht selten zu personellen Rochaden kam, um den Betrieb lückenlos fortzuführen. Ganz nebenbei ließ sie anklingen, dass Corona-Verfahren im Zuge von Einsprüchen gegen Bußgeldbescheide für Mehrarbeit sorgten und das bis heute tun.

Für den Präsidenten folgte danach eine generelle Information zum Personalstand des Amtsgerichts. Nach Worten von Petra Froschauer gibt es 13 Richterstellen, dazu 16 Rechtspfleger, acht Gerichtsvollzieher, 15 Beamte der zweiten Qualifizierungsebene, 21 Justizangestellte, sechs Justizwachtmeister und sechs Anwärter.

Platzbedarf am Schwandorfer Amtsgericht

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Tierische Begrüßung am Amtsgericht

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Hintergrund:

Zahlreiche Verfahren am Amtsgericht

  • Verfahren: Die Zivilabteilung erhielt im vergangenen Jahr 1156 neue Verfahren aus dem Landkreis Schwandorf. Hinzu kamen 1907 Strafverfahren, 776 Fälle aus dem Bußgeldbereich und 1120 Familiensachen. Außerdem gab es 303 Neuverfahren im Betreuungsbereich, 12 426 sogenannte Grundbuchsachen, 3090 Vollstreckungsverfahren, 1614 Nachlassangelegenheiten und 1500 Testamentssachen.
  • Bearbeitungsdauer: Einer Statistik entnahm Oberlandesgerichtspräsident Thomas Dickert, dass die Bearbeitung weitgehend im Landesdurchschnitt lag: Sie dauerte bei Zivilverfahren 4,2 Monate, bei Strafsachen 5,7 Monate und bei Verhandlungen um Bußgeldeinsprüche 3,7 Monate.
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