12.06.2021 - 10:15 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Verdienstmedaillen für Menschen, die dem Landkreis Schwandorf Format geben

Bezirkstagspräsident Franz Löffler bezeichnet sie als "tragende Säulen der Gemeinschaft": 15 Bürger, die sich für die Menschen im Landkreis Schwandorf eingesetzt haben, sind mit der Verdienstmedaille gewürdigt worden.

Der Landkreis ehrte 15 Persönlichkeiten mit der Verdienstmedaille. Erste Reihe von links: Joachim Hanisch, Marianne Deml, Hans Hottner, Alois Seegerer und Emilia Müller. Zweite Reihe von links: Landrat Thomas Ebeling, Dr. Margit Berwing-Wittl, Sandra Loew, Leo Feichtmeier, Siegfried Damm, Michael Ebnet und Bezirkstagspräsident Franz Löffler. Dritte Reihe von links: Maria Baumer, Dr. Thomas Brandl, Georg Butz, Josef Biebl und Herbert Krauthann.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Der Landkreis zeichnete 15 Personen, denen stets das Gemeinwohl am Herzen lag, mit der Verdienstmedaille aus. Zu ihnen gehörten Politiker, Kulturschaffende, Jagdberater und soziale Dienstleister.

Landrat Thomas Ebeling hieß zur Feierstunde am Freitag in der Oberpfalzhalle neben den Geehrten deren Partner und eine Reihe von Kreisräten willkommen. In seiner Festrede würdigte Bezirkstagspräsident Franz Löffler das Engagement der geehrten Persönlichkeiten und bestätigte ihnen: „Sie sind keine Wichtigtuer, sondern haben den öffentlichen Auftrag mit Überzeugung erfüllt“. Die Überreichung der Verdienstmedaille sei kein Selbstzweck, sondern diene als Ansporn für die Mitmenschen zur Nachahmung. Löffler erachtet den ehrenamtlichen Einsatz als „unverzichtbar“ für den Zusammenhalt der Gesellschaft. „Die Geehrten gehören zu den tragenden Säulen der Gemeinschaft“, sagte der Bezirkstagspräsident. Ehrenamtliches Engagement sei in vielen Bereichen möglich, in der Politik, im Sport, bei der Feuerwehr, den Rettungsdiensten oder in der Kirche.

Franz Löffler wies auf die lange Tradition des Ehrenamtes „gerade in Bayern“ hin. „Hier engagieren sich 47 Prozent der Bevölkerung“, entnahm der Chamer Landrat der Statistik. Die meisten davon in den Sportvereinen (19 Prozent), gefolgt vom sozialen Bereich (zehn Prozent), von der Kultur, der Musik und der Kirche (je neun Prozent). Der Staat habe die Aufgabe, für günstige Rahmenbedingungen zu sorgen und das Ehrenamt zu fördern, könne aber keine „Vollkasko-Versorgung“ gewährleisten, so Löffler. Scharf kritisierte er die Anfeindungen gegenüber Mandatsträgern, der Polizei, der Feuerwehr und den Rettungsdiensten. Der Bezirkstagspräsident appellierte an die Menschen, sich auf gemeinsame Werte zu verständigen. Dazu gehörten die freie Meinungsäußerung und die körperliche Unversehrtheit, auch und gerade in einer Pandemie.

„Kreistags-Methusalem“ Alois Seegerer bedankte sich im Namen der Geehrten für die Würdigung, die er als „sehr wohltuend“ empfunden habe. Sollte er in seiner langjährigen Amtszeit jemanden verletzt haben, so bat er um Entschuldigung. Alois Seegerer bedankte sich für die Genesungswünsche und bei seiner Familie für die Unterstützung während seiner schweren Krankheit.

Die musikalische Gestaltung der Feier übernahm das „Ad-Hoc-Quartett“. Die Geehrten und deren Begleiter waren anschließend zum Abendessen eingeladen.

Mit der Verdienstmedaille, die höchste Auszeichnung, die der Landkreis zu vergeben hat, wurden folgende 15 Persönlichkeiten ausgezeichnet:

Maria Baumer (Winklarn)

Maria Baumer gehörte 24 Jahre lang dem Kreistag und von 1990 bis 2020 dem Marktgemeinderat Winklarn an. Sie war zwölf Jahre lang stellvertretende Bürgermeisterin ihrer Gemeinde. Die Trägerin der „Kommunalen Verdienstmedaille in Bronze“ engagiert sich in der „Lokalen Aktionsgemeinschaft Brückenland Bayern-Böhmen“ und im Arbeitskreis „Hinterglasmalerei“. Vor über 40 Jahren war Maria Baumer Mitbegründerin des „Katholischen Frauenbundes“ in Winklarn.

Dr. Margit Berwing-Wittl (Holzheim am Forst)

Dr. Margit Berwing-Wittl leitete von 1987 bis 2020 das Oberpfälzer Volkskundemuseum in Burglengenfeld, konzipierte eine Ausstellung zur Arbeiter- und Industriekultur und etablierte im Städtedreieck eine „neue Heimatkunde und Erinnerungskultur“. Die Kulturreferentin des Landkreises war Schriftführerin des Oberpfälzer Kulturbundes und verantwortlich für mehrere Ausgaben des „Jahresbandes für Kultur und Geschichte im Landkreis Schwandorf“.

Josef Biebl (Oberviechtach)

Josef Biebl gehörte von 1990 bis 2017 dem Stadtrat in Oberviechtach an, übte 15 Jahre die Funktion des SPD-Fraktionssprechers aus und war 18 Jahre lang stellvertretender Bürgermeister. 30 Jahre lang war der Lehrer am Ortenburg-Gymnasium Oberviechtach Mitglied des Kreistages und 16 Jahre Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Oberviechtach. Josef Biebl engagiert sich bei den Handballern, beim Obst- und Gartenbauverein und bei den Schützen seiner Heimatstadt.

Dr. Thomas Brandl (Teublitz)

Dr. Thomas Brandl blickt auf 24 Jahre Mitglied im Stadtrat Teublitz zurück. Sechs Jahre war er zweiter Bürgermeister. 18 Jahre lang gehörte er dem Kreistag und zehn Jahre dem Bezirkstag an. Der Träger der „Kommunalen Verdienstmedaille“ war Mitglied im „Gesundheits- und Pflegepolitischen Arbeitskreis der CSU“, engagierte sich im Katastrophenschutz der BRK-Bereitschaft Regenstauf und saß im Verwaltungsrat des kommunalen Bestattungsunternehmens Burglengenfeld-Teublitz.

Georg Butz (Wernberg-Köblitz)

Georg Butz war drei Jahre zweiter und 18 Jahre erster Bürgermeister der Gemeinde Wernberg-Köblitz. 16 Jahre gehörte er dem Kreistag an. Der Träger der „Kommunalen Verdienstmedaille in Bronze“ hatte lange Jahre das Amt des stellvertretenden Kreisvorsitzenden des Bayerischen Gemeindetages inne. Als Bürgermeister initiierte Georg Butz den Verein „Das Plus der Oberpfalz“ mit dem Ziel der Vermarktung des Autobahnkreuzes „Oberpfälzer Wald“.

Siegfried Damm (Teublitz)

Siegfried Damm war 36 Jahre lang in kommunalen Gremien aktiv, von 1984 bis 2014 im Stadtrat Teublitz, von 1990 bis 2020 im Kreistag und von 1984 bis 2008 im Zweckverband zur Abwasserbeseitigung. Seine Heimatstadt Teublitz verlieh ihm 2002 die Bürgermedaille in Gold. Siegfried Damm engagiert sich im Schützenverein Teublitz, im Geflügelzuchtverein der Höllohe und beim Obst- und Gartenbauverein Teublitz. Auf seine Initiative wurde 1982 die Blaskapelle Teublitz gegründet.

Marianne Deml (Neunburg vorm Wald)

Marianne Deml gehörte 36 Jahre dem Kreistag und 18 Jahre dem Neunburger Stadtrat an. Sie war ehrenamtliche Verwalterin des Marienheims und an der Gründung des Zweckverbandes „Oberpfälzer Seenland“ und des touristischen Informationszentrums in Nabburg beteiligt. Die langjährige Stimmkreisabgeordnete und Staatssekretärin im bayerischen Landwirtschaftsministerium wurde mit dem Bayerischen Verdienstorden und der Bayerischen Verfassungsmedaille ausgezeichnet.

Michael Ebnet (Schönsee)

Michael Ebnet gehörte 44 Jahre lang dem Stadtrat von Schönsee und 24 Jahre dem Kreistag an. Zudem war er an der Gründung der Partnerschaft mit der tschechischen Gemeinde Ronsperg beteiligt. Sein besonderes Interesse galt der Förderung der Jugend, vor allem des sportlichen Nachwuchses seiner Heimatgemeinde. 1972 gründete Michael Ebnet die SpVgg Dietersdorf und ermöglichte mit persönlichem und finanziellem Einsatz den Bau eines Sportplatzes und eines Sportheimes.

Leo Feichtmeier (Nittenau)

Leo Feichtmeier wurde 1964 in Regensburg zum Priester geweiht und kam 1970 als Pfarrer und Oberstudienrat nach Nittenau. Der katholische Geistliche engagierte sich im Widerstand gegen den Bau der WAA und musste sich dafür einem Disziplinarverfahren des Bistums stellen. Leo Feichtmeier ließ sich nicht einschüchtern, sondern forderte die Menschen in seinen Predigten auf, weiterhin mit demokratischen Mitteln gegen die Atomenergie zu demonstrieren.

Joachim Hanisch (Bruck)

Joachim Hanisch war von 1980 bis 2008 Bürgermeister von Bruck und zog 1984 in den Kreistag ein, dem er bis heute angehört. 30 Jahre lang hatte er das Amt des stellvertretenden Landrats inne. Von 1998 bis 2008 war er im Bezirkstag vertreten. Seit 2008 gehört Joachim Hanisch dem Bayerischen Landtag an. Der Träger der Bayerischen Verfassungsmedaille in Gold und der Kommunalen Verdienstmedaille in Silber ist seit 1980 Mitglied der Freien Wähler und war Kreis-, Bezirks- und stellvertretender Landesvorsitzender.

Hans Hottner (Schwandorf)

Hans Hottner saß 48 Jahre lang im Schwandorfer Stadtrat und war sechs Jahre zweiter Bürgermeister. 1978 zog der Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande in den Kreistag ein gehörte ihm 42 Jahre lang an. Hans Hottner war Mitglied im Verwaltungsrat der „Vereinigten Sparkassen im Landkreis Schwandorf“, Verbandsrat im Zweckverband der Wasserversorgung „Klardorfer Gruppe“ und Verbandsrat des Zweckverbandes Müllverwertung Schwandorf.

Herbert Krauthann (Schwandorf)

Herbert Krauthann legte 1959 die Jägerprüfung ab und ist seitdem Mitglied des Bayerischen Landesjagdverbandes. Im Jägerverein St. Hubertus Schwandorf übte er von 1972 bis 2008 verschiedene Ämter bis zum ersten Vorsitzenden aus. 45 Jahre lang war Herbert Krauthann als Kreisjagdberater tätig und stellte seine Fachkompetenz den Jagd- und Forstbehörden, Jagdgenossenschaften und Jägern zur Verfügung. Er bekam dafür höchste Auszeichnungen des Bayerischen und Deutschen Jagdverbandes.

Sandra Loew (Wernberg-Köblitz)

Sandra Loew übernahm das 1968 von Dr. med. Fritz Loew gegründete Unternehmen gleichen Namens und baute es zum größten Anbieter sozialer Dienstleistungen in Bayern aus. Die Geschäftsführerin der Unternehmensgruppe leistete einen entscheidenden Beitrag zur Ansiedlung inklusiver Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigungen im Landkreis Schwandorf. Mit ihrem Einsatz für Menschen mit Behinderung habe Sandra Loew ein Stück Sozialgeschichte geschrieben, heißt es in der Laudatio.

Emilia Müller (Bruck)

Emilia Müller gehörte 14 Jahre dem Marktrat in Bruck und 24 Jahre dem Kreistag an. Die Trägerin des Bayerischen Verdienstordens, der Bayerischen Verfassungsmedaille und der Bayerischen Europamedaille war 15 Jahre lang als Staatssekretärin und Ministerin Mitglied der bayerischen Staatsregierung. Emilia Müller übernahm das Amt der Kreisvorsitzenden und Bezirksvorsitzenden der Frauenunion und ist amtierende Landesvorsitzende des Katholischen Frauenbundes in Bayern.

Alois Seegerer (Guteneck)

Alois Seegerer trat 1963 in die CSU ein, war von 1971 bis 1978 Gemeinderat und anschließend 30 Jahre lang Bürgermeister der Gemeinde Guteneck, 48 Jahre Mitglied des Kreistages und 15 Jahre Bezirksrat. 2008 bekam er für dieses außergewöhnliche Engagement die „Kommunale Verdienstmedaille in Silber“ verliehen. Nach achtmaliger Wahl in den Kreistag beendete Alois Seegerer 2020 seine kommunalpolitische Tätigkeit und charakterisierte sie am Ende als „Politik mit Herz und Hirn“.

Alois Seegerers Politik "mit Herz und Hirn"

Trefnitz bei Guteneck
Bezirkstagspräsident Franz Löffler überreichte Alois Seegerer unter Corona-Bedingungen die Verdienstmedaille des Landkreises. Mit im Bild Ehefrau Luise Seegerer.

"Ich danke sehr, dass ich als bisheriger Kreistags-Methusalem im Namen aller 15 für diese hohe Auszeichnung danke sagen darf".

Alois Seegerer

Hintergrund:

Landkreisverdienstmedaille

  • Seit 1982 verleiht der Landkreis Verdienstmedaillen an Bürger, die sich besondere Verdienste um das Gemeinwohl erworben haben.
  • Das Vorschlagsrecht liegt beim Landrat und den Kreisräten.
  • Die Zahl der Geehrten ist auf 80 lebende Personen begrenzt. Nach fünfjähriger Pause zeichnete der Landkreis am Freitag erneut 15 verdiente Persönlichkeiten aus.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.