Was viele im Lockdown für sich entdeckt haben, macht Kurt Scherl schon seit 37 Jahren: Brotbacken. Sein Beruf ist für den Bäcker und Konditor – wie er sagt – einer der schönsten überhaupt. Er könne kreativ sein, sich und seine Ideen verwirklichen. Und: "Was ich herstelle, kann ich essen."
Seit knapp 23 Jahren führen er und seine Frau Alexandra Scherl den Familienbetrieb in der fünften Generation. 1866 hatte mit Josef Scherl in der Spitalstraße alles begonnen. Mittlerweile ist die Bäckerei in die Wackersdorfer Straße umgezogen, und der Backofen läuft nach wie vor auf Hochtouren. Pro Tag werden in der Bäckerei Scherl einige tausend Semmeln und eine halbe Tonne Brot gebacken.
Nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus Leidenschaft habe er das Handwerk seines Vaters erlernt, erzählt Bäcker und Konditor Kurt Scherl. Eine Stelle als Bankkaufmann habe er in letzter Sekunde abgesagt, so konnte die Backtradition der Familie fortgeführt werden. Auch heute noch werde ein Brot nach der Rezeptur vom Urgroßopa mit Sauerteig gebacken. Auch alle weiteren Rezepte seien entweder von den Vorfahren übernommen oder von Kurt Scherl selbst entwickelt worden.
Frischgebackene Preisträger
In diesem Jahr bekam die Bäckerei Scherl zum vierten Mal den Bayerischen Staatsehrenpreis verliehen – die höchste Auszeichnung, die ein Bäcker hierzulande erhalten kann. Zusammen mit Landesinnungsmeister Heinrich Traublinger hatte Ministerpräsident Markus Söder – in Vertretung für Ministerin Michaela Kaniber – bei einem Festakt am 12. Dezember im Max-Joseph-Saal der Residenz in München die Medaillen und Urkunden an 20 Meisterbetriebe überreicht. "Bayerischer Oscar der Bäcker", so bezeichnete Söder den Staatsehrenpreis und machte damit den Stellenwert der Ehrung deutlich.
Für die Auszeichnung infrage kommt laut Kurt Scherl nur, wer dauerhaft herausragende Ergebnisse bei den jährlichen Brotprüfungen erzielt hat. Alles muss stimmen – von Geruch und Geschmack bis hin zu Form und Konsistenz. Die Brotprüfer seien dabei knallhart: Wenn nur ein "bissl zu viel Mehl drauf" sei, könne man sich eine Bewertung mit "sehr gut" schon abschminken.
Teils verdoppelte Rohstoffpreise
Wie Scherl berichtet, haben die Handwerksbäcker aktuell mit enormen Kosten zu kämpfen. So hätten sich die Rohstoffpreise teilweise verdoppelt. Zwar könne er seine Zutaten auch billiger einkaufen – "aber das ist nicht die Qualität, die ich will", erklärt er. Hin und wieder werde er gefragt, warum denn etwa Supermärkte ihre Backwaren zu einem niedrigeren Preis verkaufen können. "Beiß' rein, dann schmeckst es", ist Scherls Antwort darauf. Er sei davon überzeugt, dass dem Kunden Qualität schmecke. Deshalb sei das Feedback der Brotprüfungen auch so wichtig für das Unternehmen: Um zu wissen, wo man steht und was man noch verfeinern könnte.
Die Zukunft des Bäckerhandwerks
"Es wird nicht einfach, aber Zukunft hat's auf jeden Fall", meint Scherl zu den Aussichten seines Handwerks. Jeder Bäcker müsse sich seine Nische suchen, zur Not das Sortiment verkleinern und das Beste daraus machen. Laut einer Pressemitteilung des Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gehöre das Bäckerhandwerk mit einem Jahresumsatz von fast 3,6 Milliarden Euro nach wie vor zu den wichtigsten Handwerksbranchen.
Nachwuchs schrecke oft der Gedanke ab, schon um 1 Uhr morgens in der Backstube stehen zu müssen, sobald es das Jugendschutzgesetz erlaube. Doch Scherl finde trotzdem seine Auszubildenden. Und einer von diesen, der im Vorstellungsgespräch noch ziemliche Zweifel gehabt habe, könne sich jetzt nichts Schöneres mehr vorstellen. Denn wenn man um 9 Uhr schon Feierabend habe, könne man den ganzen Tag frei gestalten, während die meisten Altersgenossen noch stundenlang im Büro sitzen.
Trotz aller Widrigkeiten floriere das Geschäft der Bäckerei Scherl, die aktuell vier Filialen und zwei Bäcker-Mobile umfasst. Kundschaft habe Scherl sogar in Regensburg – da würden dann eben 15 Brote auf einmal per Anruf bestellt.
Staatsehrenpreis für das bayerische Bäckerhandwerk
- Der ehemalige bayerische Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Josef Miller hat den Staatsehrenpreis 2001 ins Leben gerufen.
- Die Auszeichnung wurde heuer zum 22. Mal vergeben.
- Insgesamt haben sich 91 Betriebe aus 40 bayerischen Innungen qualifiziert.
- Voraussetzung sind dauerhaft herausragende Ergebnisse bei den jährlichen Qualitätsprüfungen des Deutschen Brotinstitutes, an denen sich Handwerksbäcker auf freiwilliger Basis beteiligen können.
- Die Bewerber müssen über einen Zeitraum von fünf Jahren jährlich mindestens fünf verschiedene Brotsorten zur Prüfung einreichen. Drei gleichbleibende Brotsorten müssen dabei konstant die gleiche Qualität aufweisen.
- Qualitätskriterien sind etwa Form, Optik, Kruste, Krumenbild, Struktur, Elastizität, Duft und Aroma.
- Die höchstmögliche Wertung ist 5,0. Die diesjährigen Preisträger unterscheiden sich auf einer Skala von 4,696 bis 4,926 in der zweiten und dritten Nachkommastelle.
- Die besten 20 Bäckereien erhalten den Bayerischen Staatsehrenpreis.














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