21.11.2019 - 16:29 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Mit Vollgas zu gesunden Kälbern

Beim "Tag der Bäuerin 2019" geht es wieder einmal um das Thema Kälberaufzucht. Doch diesmal steht der neue Trend "Ad libitum Tränke" im Mittelpunkt. Hausherr Michael Horsch zeigt seine Leidenschaft für die Landwirtschaft.

ohannes Kraus vom Bildungszentrum Triesdorf referierte drei Stunden lang über die erfolgreiche Kälberhaltung. Die rund 50 Bäuerinnen aus dem gesamten Landkreis freuten sich über viele praktische Tipps für ihre tägliche Arbeit. Und sie brachten sich mit Fragen und Diskussionsbeiträgen ein.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Milch süß oder sauer? Und dürfen die Kälbchen soviel trinken, wie sie wollen? Bei der 16. Auflage wird am "Tag der Bäuerin" in der Horsch-Halle in Sitzenhof mit Vorurteilen aufgeräumt. Für fast alle der rund 50 Bäuerinnen gehört die Aufzucht zur täglichen Arbeit. Regina Feuerer aus Pottenstetten schreibt eifrig mit: "Man lernt viel." Bäuerin Rita Biegerl aus Lind/Oberviechtach, die derzeit 16 Kälber zu versorgen hat, schätzt auch die Kontaktpflege.

Dazu animiert eingangs der Leitende Landwirtschaftsdirektor Georg Mayer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Schwandorf und lädt die Teilnehmerinnen zum Frühstück, Mittagessen sowie zu Kaffee und Kuchen ein. Sein Dank gilt AELF-Organisator Herbert Wendl und Hausherr Michael Horsch. Dieser ist am Nachmittag bei der Diskussionsrunde dabei und fasziniert die Frauen mit seiner "Leidenschaft für Landwirtschaft". Der Landwirt und Landmaschinenhersteller - im Foyer steht die riesige Sämaschine Pronto 9DC und ein Pflanzenschutz-Selbstfahrer - gibt einen Einblick in die Firmenphilosophie.

Abwehrkräfte wichtig

"Die Landwirtschaft steckt derzeit in einer schwierigen Situation in Bezug auf Wahrnehmung und Wertschätzung", sagt Georg Mayer. Er freut sich deshalb über das große Interesse an der Veranstaltung. Und über den Zukunftspreis des Vereins "Partner für den Landkreis Schwandorf", welchen die Landwirtschaftsschule Nabburg mit ihrem Projekt "Aktiv für die Artenvielfalt" am Mittwoch erhalten hat. "Drei Stunden war ich noch nie gebucht", meint Johannes Kraus schmunzelnd. Er referiert zum Thema "Erfolgreiche Kälberhaltung - so gelingt der Start". Der Experte berichtet von neuen Trends am Bildungszentrum Triesdorf mit Tierhaltung vor Ort (135 Milchkühe plus Kälber). "Das heute vorgestellte Verfahren wird dort erfolgreich angewendet", sagt Kraus und macht den Bäuerinnen Mut, Neues auszuprobieren.

Die vier Punkte: Vorbereitung der Kuh auf die Kalbung, Kolostrumversorgung (Erstmilch), Tränkephase und Festfutteraufnahme werden detailliert besprochen und diskutiert. Zum Futter der Mutterkuh meint der Experte: "Der Eiweißgehalt steuert Menge und Qualität der Biestmilch. Vitamin E und geschützte Selenhefe fördern Abwehrkräfte und werden auf die Kälber übertragen." Er gibt zu bedenken, dass das Kalb ohne funktionierendes Immunsystem auf die Welt kommt. Deshalb sei die Biestmilchversorgung die wichtigste Maßnahme der gesamten Aufzucht: "Mindestens 150 Gramm Immunglobuline in drei Liter Milch."

Biestmilch-Test machen

Für ein gutes Kolostrum (Erstmilch) rät Kraus zum Biestmilch-Test mittels Refraktometers (ATC, 0-32 Brix) für rund 20 Euro oder eines "Colostro-Check" (Trichterkelle für circa 14 Euro). Sein Rat: In den ersten acht Stunden so viel tränken wie möglich, "und bei der ersten Gabe durch die Nase drenchen".

Die Landwirtschaft steckt derzeit in einer schwierigen Situation in Bezug auf Wahrnehmung und Wertschätzung.

Georg Mayer, Direktor am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schwandorf

Georg Mayer, Direktor am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schwandorf

Triesdorfer Tränkekonzept:

Neuer Trend

Eine hohe Nährstoffzufuhr in den ersten acht Lebenswochen des Kalbes sorgt später für eine höhere Leistung als Milchkuh. In Triesdorf werden die Kälber in den ersten vier Lebenswochen (von Beginn an!) "ad libitum" getränkt. Das bedeutet, sie können - so wie in der Natur - immer und unbegrenzt trinken. Von der 4. bis zur 11. Woche wird abgetränkt. Die ersten drei Tage erhalten die Kälber "süße Milch", danach kann die Tränke angesäuert (pH-Wert von 5,3) werden. Saure Milch ist leichter verdaulich und bekömmlicher. Auch hohe tägliche Mengen führen nicht zu Durchfall. Der Referent stellt Produkte zur Ansäuerung vor.

Vollmilch oder Milchaustauscher (MAT)? "Ist egal", sagt Johannes Kraus. Zu beachten: Ein Liter Vollmilch ist mit 160 Gramm MAT zu ersetzen. Beim Kauf sollte auf einen guten Milchaustauscher geachtet werden (ohne pflanzliche Proteine, Magermilchpulver mindestens 40 Prozent).

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