18.03.2019 - 19:39 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Vorname "Josef": Warten auf Revival

Es kommt als Beppo daher, als Sepp oder als Jo: Der Vorname "Josef" kennt viele Formen, doch auf den Hitlisten ist er schon lange nicht mehr ganz oben. Ein Indiz gibt es aber dafür, dass ihn eine Modewelle wieder nach vorne spült.

Sepperl in Reih und Glied: Am 19. März ziehen die Mitglieder des Josefivereins durch die Straßen von Schwandorf und feiern ihren Namenstag. Den Verein gibt es bereits seit 1874.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Weltweit sehr beliebt und weit verbreitet: Diesen Ruf genießt der Vorname "Josef" laut Wikipedia noch immer. Sein Namenstag, der 19. März, war bis 1968 sogar Feiertag. Doch unter den zehn beliebtesten Vornamen ist er auch in Bayern seit vielen Jahren nicht zu finden. "Aus der Mode gekommen", lautet das Urteil, das nicht nur die der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) fällt. Und doch deutet sich eine Trendwende an.

Der Name "Josef" hat es in den vergangenen 42 Jahren nicht geschafft, deutschlandweit unter die Top Ten zu kommen. Vorne dabei ist er lediglich als Folgename (zweiter oder weiterer Vorname). Ein Blick auf die GdfS-Statistik zeigt, dass im Jahr 2017 der "Josef" deutschlandweit auf Platz 49 lag, wenn Folgenamen mitgezählt werden. Beschränkt man sich auf den ersten Vornamen, fällt das Ergebnis deutlich schlechter aus: Platz 135. Im Gegensatz dazu landet Josef immerhin auf Platz 7 in der Rubrik "weitere Vornamen".

In Bayern stand Josef 2017 in der Gesamtliste (alle Namen unabhängig von der Position) auf Platz 16. Bei den Erstnamen schnitt er mit Platz 62 deutlich schlechter ab, bei den Folgenamen belegte er dagegen sogar Platz 3. "Der Name kommt in letzter Zeit wieder häufiger vor", berichtet Frauke Rüdebusch, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der GfdS. Wie alle Bereiche der Gesellschaft sei auch der "Josef" der Mode unterworfen. Schwappt da die Modewelle bald wieder zurück? "Die Vornamen der Großeltern-Generation sind wieder frei, wenn man sie nicht mehr so sehr mit alten Leuten verbindet", sagt Rüdebusch, "ich nehme an, dass Josef auch zu diesen Namen gehört". Mehr Chancen habe der biblische Name jedenfalls im katholischen Süden Deutschlands.

Flaute im Verein

Die aktuelle Flaute bekommt auch der Schwandorfer Josefiverein zu spüren. Der zählt aktuell 197 Mitglieder, "Tendenz fallend", wie Vorsitzender Josef Andree konstatiert. "Die Buben heißen Tim und Sven und alles mögliche", bedauert der 66-Jährige. Der Spruch "Peter heißt nicht jeder, Hans und Sepp heißt jeder Depp", stimme schon lange nicht mehr. Die Leute würden sich nicht mehr an bayerischen Namen orientieren, "Da brauchen's bloß reinschau'n in die Zeitung", meint Josef Andree, dem aufgefallen ist, dass Eltern zunehmend "Kindernamen" wie Tim oder Benjamin vergeben. "Für einen Erwachsenen passt doch ein Sepp oder Kare viel besser, und die Kinderzeit ist schnell vorbei", lenkt er den Blick in die Zukunft. Er selbst war mit seinem Vornamen immer zufrieden: "Den hat man gekriegt, dann hat das gepasst." Ingenieur Josef Zeitler aus Rottendorf (Gemeinde Niedermurach) geht noch einen Schritt weiter: Er ist stolz darauf, einen Vornamen zu haben, der so sehr traditionell verankert ist und sieht den Niedergang als vorübergehende Zeiterscheinung. Im Schwandorfer Standesamt, wo alle Babys gemeldet werden, die dort im Krankenhaus zur Welt kommen, gab es 2017 keinen einzigen Josef. Als weiterer Vorname wurde "Josef" aber gleich sechs Mal vergeben (Platz 2).

"Zu viele Josefs, das wäre auch nichts", überlegt Josef Wittmann, Geschäftsführer des Bauernverbands im Landkreis. Der 51-Jährige ist seinen Eltern für die Vornamen-Wahl ausgesprochen dankbar. "Das prägt, besonders, wenn es auch noch der Heilige des Internats ist, das man besucht", meint er und fühlt sich mit diesem Namen in eine umfassende Tradition eingebunden.

Josefina in Argentinien

Ein Hoffnungsschimmer auch für den Josefiverein? "Das wissen die Götter", sagt Andree und berichtet stolz von Lichtblicken: Da ist das jüngste Mitglied, die neun Monate alte Josefa, die einen Kontrapunkt bildet zum mit 97 Jahren ältesten Mitglied. Stolz ist er auf eine Josefina aus Argentinien, für die der Onkel den Mitgliedsbeitrag von 8 Euro pro Jahr bezahlt, und auch auf den "Ratzinger Sepp", der als Papst zwar den Namen Benedikt wählte, aber dennoch als Ehrenmitglied firmiert. Wie häufig sein Vorname früher einmal war, fällt Andree beim Blick auf die Todesanzeigen auf. Eine "große Dunkelziffer" gebe es da bei potenziellen Vereinsmitgliedern. "Wer als Josef oder Josefine gleich nach der Geburt angemeldet wird, kann vielleicht einmal für 90-jährige Mitgliedschaft geehrt werden", lockt er.

Info:

Brauchtum an Josefi

Der Josefitag hat an Bedeutung verloren. Besonders in den letzten 30 Jahren sind die verschiedenen Josefi-Bräuche fast gänzlich verschwunden. Haben früher alle Josefs meist am 19. März eine Freifahrt, freien Eintritt, ein Freigetränk und ähnliche Vergünstigungen erhalten, so gibt es das nur noch vereinzelt. Im Kloster Andechs soll es noch 2018 eine kostenlose Maß Bier gegeben haben, und am Wendelstein konnten alle "Bepperl" unentgeltlich mit der Bergbahn fahren. Zum Josefi-Tag gab es besondere Schmankerl wie Josefi-Küchel (Schmalzgebäck) oder Josefi-Kränze (geflochtene Teigwaren). In Schwandorf hält der Josefiverein die Tradition mit der Feier des Namenstags am 19. März hoch. Um 9 Uhr ist dazu Treffpunkt auf dem Kolpingplatz, wo die "D-4-Blechseggln" aufspielen. Von dort geht es zum Gottesdienst um 9.30 Uhr in der Jakobskirche, anschließend ist Namenstagsfeier im Alten Pfarrhof. Nachmittags steht ein Besuch beim Patenverein in Klardorf auf dem Programm.

Der Spruch "Peter heißt nicht jeder, Hans und Sepp heißt jeder Depp" stimmt schon lange nicht mehr.

Josef Andree

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