08.06.2020 - 10:51 Uhr
SchwandorfOberpfalz

WAA-Film mit viel Kunstfreiheit

„Wackersdorf“ im Fernsehen. Der Spielfilm lief auf Arte und lenkte die Blicke vieler Zuschauer auf die Ereignisse um die atomare Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) im Taxölderner Forst. Im Mittelpunkt: Der nun fast 90-jährige Hans Schuierer.

Hauptdarsteller Johannes Zeiler (Hans Schuierer, links) und Regisseur Oliver Haffner vor dem Filmplakat. „Wackersdorf ".
von Autor HOUProfil

In den Kinos und jetzt auch über den Bildschirm bekamen die Leute im Film "Wackersdorf" etwas zu sehen, bei dem die künstlerische Freiheit genutzt wurde, um auf den Punkt zu kommen. Er lautete: Als das Milliardenprojekt im Taxölderner Forst erst geplant und dann zum Teil auch errichtet wurde, kam es zu eklatanten Rechtsbeugungen. Heute wären sie in solcher Form nicht mehr vorstellbar. Haffners Film stellte Hans Schuierers Meinungsumschwung in den Fokus.

Film weicht teilweise von Realität ab

Erst war der Sozialdemokrat wegen der seinerzeit avisierten 3000 Arbeitsplätze für die WAA, dann wurde er zunehmend skeptischer. Weil sich ihm verdeutlichte: Da waren Risiken, die sich nicht kalkulieren ließen.

In dem Spielfilm wird ein führender Beauftragter der Deutschen Gesellschaft zur Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen (DWK) schon nach kurzer Zeit zu Schuierers Duzfreund. „Ich habe mich“, sagt der Ex-Landrat heute, „nie mit einem dieser DWK-Leute geduzt“. Der SPD-Politiker nahm auch zu keiner Zeit an einem gemeinsamen Essen mit Kost vom Sternekoch in München teil. Der Film zeigt das. Doch Schuierer sagt: „Das hat es nicht gegeben.“

Die künstlerische Freiheit in dem Film geht weiter. Hans Schuierer lag damals in den 1980-er Jahren im Meinungsclinch mit dem zwischenzeitlich verstorbenen Wackersdorfer Bürgermeister Josef Ebner, der wie er Sozialdemokrat war. Haffners Werk schildert, wie sich Schuierer und Ebner irgendwann unversöhnlich gegenüberstehen. Auch das entspricht nicht den Tatsachen. Schuierer war gegen die WAA, Ebner dafür. „Doch entzweit haben wir uns nicht“, erinnert sich Hans Schuierer.

Es gibt weitere Szenen, die sich nicht mit der Realität vereinbaren lassen. Als im Taxölderner Forst ein von WAA-Gegnern errichteter Aussichtsturm durch Polizeieinheiten auf Weisung der bayerischen CSU-Staatsregierung abgerissen wurde, eilt im Film der damalige Regierungsrat Claus Bößenecker aus dem Schwandorfer Landratsamt herbei. Auf einem Kleinkraftrad und mit einem Reporter der Zeitung „Der neue Tag“ auf dem Sozius. Das hat es niemals gegeben. Die Journalisten der beiden Schwandorfer Tageszeitungen waren immer unabhängig zu Behördenvertretern an die WAA-Baustelle unterwegs. Mit dem Auftrag ihrer Verlage, unabhängig zur Pro- und Kontra-Seite zu berichten.

Schuierer: "Hätte mir gewünscht, dass mehr andere als ich vorkommen."

Wichtig ist: Die Redetexte von Hans Schuierer, gesprochen bei Anti-WAA-Kundgebungen, stimmen. „Ich habe ihnen meine Manuskripte gegeben und sie haben sich daran gehalten“, berichtet der ehemalige Landrat. Doch er selbst hätte sich gewünscht, „dass mehr andere als ich vorkommen.“ Zum Beispiel die Bürgerinitiativen, die Geistlichen beider Konfessionen, auch die Rolle der Medien.

Es ist die WAA-Geschichte, heruntergebrochen auf zwei Stunden. Mit Johannes Zeiler als Schuierer-Darsteller, dem vom Original „eine beachtliche Leistung“ bescheinigt wird. Mit einem Schreibtisch, an dem Hans Schuierer tatsächlich saß. Und ansonsten ausgestattet mit künstlerischer Freiheit, die über manchen Teil die Realität nicht deckt.

Altlandrat Hans Schuierer sprach im Vorfeld über den Arte-Beitrag

Wackersdorf
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