04.06.2020 - 14:02 Uhr
WackersdorfOberpfalz

Im Fernsehsessel WAA-Film schauen

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"20 bis 30 Mal", schätzt Altlandrat Hans Schuierer, hat er "Wackersdorf" bereits gesehen. Die Hauptperson sitzt auch an diesem Freitag vor dem Fernseher, wenn Arte zur besten Sendezeit, 20.15 Uhr, den WAA-Film erstmals im Free-TV zeigt.

Hauptdarsteller Johannes Zeiler (Hans Schuierer, links) und Regisseur Oliver Haffner vor dem Filmplakat. „Wackersdorf läuft an diesem Freitag ab 20.15 Uhr auf Arte.
von Irma Held Kontakt Profil

"Selbstverständlich schaue ich ihn mir noch einmal an", sagt der 89-jährige Altlandrat Hans Schuierer gegenüber Oberpfalz-Medien. Die Frage scheint sich für ihn überhaupt nicht zu stellen, so als könne er sich nicht satt sehen, an dem von Ingo Fliess produzierten Film über die Geschichte des WAA-Widerstands. Schuierers Geschichte, angereichert mit fiktiven Charakteren, bis auf den damaligen Juristen am Schwandorfer Landratsamt Claus Bößenecker.

Der Trailer zum Film:

Gäbe es nicht Corona, könnte Hans Schuierer jedoch an diesem Freitagabend gar nicht Fernseh schauen. Die Stadt Salzburg hatte eine Veranstaltung zum Thema "Widerstand über Grenzen hinweg" geplant. Neben der geplanten WAA wäre es auch um das tschechische Atomkraftwerk Temelin gegangen, erzählt der Altlandrat und erinnert sich an die 80er Jahre: "Die Salzburger waren mehr da als so manche aus den Nachbarstädten."

Genauso ausdauernd wie Hans Schuierer "Wackersdorf" - den Film stuft BR 24 als Geschichtsunterricht ein - immer und immer wieder anschaut, besucht er zusammen mit dem engagierten WAA-Gegner Wolfgang Nowak Schulklassen. "Die Schüler wollen immer viel über die Atomkraft und deren Gefährlichkeit wissen." Er rate ihnen an diesem Beispiel, auch wenn der Staat etwas fördere, dürfe man sich nicht alles gefallen lassen. Sie sollten sich eine eigene Meinung bilden und vertreten, selbst wenn es gegen die Regierung gehe. Gerne zitiert Hans Schuierer dann den deutschen Schriftsteller Bertolt Brecht: "Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht".

Premiere bei den Münchner Filmfestspielen

Wackersdorf

Genau das thematisiert auch der Film. Es zeigt einen Kommunalpolitiker, der sich wehrt, wenn Recht gebeugt wird, demokratische Grundsätze mit Füßen getreten werden oder Kritiker mundtot bzw. entmachtet werden sollen, worauf die nach wie vor gültige Lex Schuierer abzielt. Hans Schuierer lässt die WAA über 30 Jahre danach nicht los. Er ist ein gefragter Mann, unter anderem bei Gymnasiasten und Studenten. Wer über den Widerstand arbeitet, kommt an ihm nicht vorbei. So war vor drei Wochen eine Enkelin des damaligen CSU-Bundestagsabgeordneten Dionys Jobst in Schuierers Haus zu Gast, wegen einer Arbeit über das Thema WAA.

Wer am Freitag um 20.15 Arte einschaltet, bekommt aber weder eine Dokumentation noch eine wissenschaftliche Aufarbeitung zum Widerstand gegen die geplante Wiederaufarbeitungsanlage im Taxölderner Forst zu sehen, sondern einen Spielfilm.

Dieser erlaubt sich künstlerische Freiheiten, spitzt Charaktere und Positionen zu, erfindet Dialoge. So hat Schuierer nie einen Vertreter der DWK (Deutsche Gesellschaft für Wiederaufarbeitung vom Kernbrennstoffen) geduzt. Auch den Streit oder die Entzweiung zwischen ihm und dem SPD-Bürgermeister von Wackersdorf gab es in dieser harten, verletzenden Form nicht. Das ist Schuierer persönlich wichtig, schmälert hingegen seine lobende Kritik über das von Ingo Fliess unter der Regie von Oliver Haffner produzierte Politdrama nicht.

An Hans Schuierer zeigt es den Wandel, von einem zunächst wegen der Arbeitsplätze dem Plänen der Staatsregierung aufgeschlossenen Landrat hin zum überzeugten Gegner der WAA. Dramaturgisch beeindruckend wurde dokumentarisches Material in die Filmhandlung eingebaut. "Wackersdorf" ist mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem erhielt es den Publikumspreis bei den Münchner Filmfestspielen 2018. Nach der Uraufführung im Filmtheater am Sendlinger Tor äußerte Schuierer an sein alter Ego Johannes Zeilger gewandt: "Ich hätte nie erwartet, dass mir jemand so nahe kommen kann."

Publikumspreis in München

Wackersdorf

Selbstverständlich schaue ich mir den Film an.

Altlandrat Hans Schuierer

Altlandrat Hans Schuierer

So war der Arte-Beitrag

Schwandorf

Sonderpreis für Regisseur Oliver Haffner

München
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