03.05.2019 - 16:52 Uhr
SchwandorfOberpfalz

WAA krempelt Leben um

Wolfgang Nowak schaut auf die Anwesenheitsliste zur Gründung der Bürgerinitiative (BI) gegen die WAA. Sie steht für den Aufbruch in eine neue Zeit, nicht nur, weil mit dem Aus der WAA 1989, das "Wunder von Wackersdorf" seinen Anfang nahm.

Arbeiter verlassen das Gelände der geplanten Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) im Taxölderner Forst. Der erbitterte und jahrelange Widerstand der Bevölkerung war ein nicht unwesentlicher Grund für die Aufgabe der Pläne und den wirtschaftlichen Aufschwung der Region.
von Irma Held Kontakt Profil

Es ist der 7. Oktober 1981, der das Leben des jungen Fronbergers Wolfgang Nowak auf den Kopf stellt. Aus dem Lehrbuchdemokraten, der Worte von Politikern für bare Münze nimmt, zurückhaltend ist und keineswegs hochpolitisch, wird ein kritischer Geist. "Ich habe eine Entwicklung gemacht, die ich nie geglaubt hätte." Das geht vielen anderen auch so. Nowak lernt nicht nur das Flugblatt verteilen oder das Geld einsammeln für den Widerstand, sondern tourt jetzt mit Altlandrat Hans Schuierer als Zeitzeuge durch Schulen.

Und er zählt bei dieser Gelegenheit eine ganze Reihe von jahrelangen Mistreitern auf, die Pfarrer Richard Salzl, Leo Feichtmeier und Klaus Rettig, Irene Maria Sturm, Professor Armin Weiß, um nur einige wenige zu nennen. "Viele haben ihren Teil dazu beigetragen." Nowak geht es aber nicht darum, der jungen Generation zu demonstrieren, was für tolle Hechte die WAA-Gegner waren, sondern darum, als Bürger kritisch zu sein, für Demokratie, Grundrechte oder Umwelt einzutreten. Und es brauche Durchhaltevermögen. Auch bei der Feier zu 30 Jahre Aus der WAA ist der Blick nicht ausschließlich rückwärts gewandt. "Wichtig ist, wir haben den Anfang gemacht. So was hat es in Bayern nie gegeben. Jetzt müssen wir auf Kinder und Schüler hoffen", spielt er auf die Freitagsdemonstrationen für das Weltklima an.

"Als BI haben wir unser Ziel erreicht." Es werden Ende Mai 1989 die Tore zum WAA-Gelände nicht nur für immer geschlossen, sondern die Region erlebt einen Aufschwung, den keiner zu prognostizieren gewagt hätte. Aber nach diesen Erfahrungen die Hände in den Schoß zu legen, ist nicht Nowaks Ding. "Aufstehen und was machen" heißt weiterhin seine Devise, zum Beispiel "die Schüler jetzt unterstützen, Zeichen setzen und in die Zukunft denken". Dabei ist der ehemalige Buchhalter - so bezeichnet er sich selbst gerne - gleichzeitig das Gedächtnis und Archiv des WAA-Widerstandes. Viel weiß er aus dem FF und alles andere liegt in zig Bananenkisten im Keller seines Wohnhauses griffbereit.

Die Macher des Wackersdorf-Films holen aus einer Kiste den genauen Plan für den abgerissenen Holzturm und bauen ihn eins zu eins nach. Neben, wie er sagt, manchmal "auch stinklangweiligen BI-Sitzungsprotokollen" sind zehn Kartons mit Fachbüchern zum Thema voll und fünf mit Büchern zur WAA. Filme lagern im Keller ebenso wie Plakate und Aufkleber. Wolfgang Nowak sammelt und hebt alles auf. Er packt ein paar Aufkleber aus - verboten wegen Aufruf zu einer Straftat.

Und weil er weiterdenkt, wüsste er dieses inzwischen zeitgeschichtliche Material gerne in guten archivarischen Händen, damit nichts unwiederbringlich entsorgt wird. Ein Teil der Unterlagen liegt im Staatsarchiv in Amberg. Aber wohin mit all dem Fotos, Schildern und Bastelarbeiten. Der Fronberger würde gerne ein WAA-Zimmer einrichten, im Stadtarchiv zum Beispiel. Noch mangle es dort aber an Platz, sagt er.

30 Jahre Ende der WAA:

Andacht und Feier mit den Wellbappn

Der Dachverband der Oberpfälzer Bürgerinitiativen gegen atomare Anlagen feiert am Samstag, 18. Mai, das Aus der WAA am 31. Mai 1989 in der Schwandorfer Oberpfalzhalle. Der Titel heißt „Ein Blick zurück nach vorn – 30 Jahre Ende der WAA“. Der Untertitel stellt die Frage „Unser Engagement für die Zukunft?“ Die öffentliche Veranstaltung richtet sich an Jung und Alt. Sie soll nicht nur zu einem Wiedersehen aktiver WAA-Gegner werden. Der Feiertag beginnt um 14 Uhr mit einer ökumenischen Andacht am Franziskus-Marterl mit Pfarrer Leo Feichtmeier und Pfarrer Klaus Rettig. Die weltliche Feier startet um 16 Uhr mit einer kurzen Filmvorführung. Anwesend sein werden Wilfried Attenberger, Bund Naturschutz, Rechtsanwalt Wolfgang Baumann, Energiebauer Sepp Bichler, Dörte Hamann, Aktionsbündnis gegen Süd-Ost-Link, Ferdinand Klemm, Fridays für Future, und Altlandrat Hans Schuierer. Rechtsanwalt Baumann erinnert beispielsweise an die rechtliche Seite, Energiebauer Bichler zeigt auf, auch mit alternativen Energien ist Geld zu verdienen. Zum Schluss wird die Verleihung des Bayerischen Filmpreises mit Hans Schuierer gezeigt, Thomas Muggenthaler vom BR moderiert und Hans Well sorgt mit den Wellbappn für die passende Musik.

Wolfgang Nowak zählt zu den Mitbegründern der BI, beherbergt im Keller seines Hauses ein WAA-Archiv und ist als Zeitzeuge noch heute ein Verfechter dessen, aufzustehen und sich einzumischen
Wolfgang Nowaks Archiv enthält so manche Besonderheit, unter anderem diese Martinslaterne mit „WAA Nein“.
Wolfgang Nowak hat die WAA bei sich daheim. Der Fronberger ist nicht nur Gründungsmitglied der Bürgerinitiative sondern auch der Archivar der WAA-Zeit.
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